Ratgeber

Darf man eigentlich ... ... bei Automaten-Defekt ohne Ticket fahren?

An kleinen Bahnhöfen gibt es meist keinen Schalter mehr, sondern nur noch einen Automaten. Aber was ist eigentlich, wenn der das Geld nicht annimmt oder überhaupt nicht funktioniert? Nachlösen beim Schaffner ist nicht immer eine Option.

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An größeren Bahnhöfen gibt es mehr als einen Automaten. Dass einer von ihnen nicht funktioniert, zählt nicht als Ausrede.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Hastig klickt man sich durchs Menü am Ticketautomaten. Die Zeit ist knapp, der Zug rollt jeden Moment ein. Endlich ist die gewünschte Fahrkarte gefunden, doch als man bezahlen will, nimmt der Automat das Geld nicht an. Da hilft kein Klopfen und kein Fluchen, das Gerät stellt sich stur. Da kommt auch schon die Bahn. Was tun? Darf man einfach einsteigen? Oder ist man dann ein Schwarzfahrer?

Im Fernverkehr ist das Ganze kein Problem. In ICE und EC hat man die Möglichkeit, Tickets an Bord zu kaufen. Dabei wird ein Aufschlag von 7,50 Euro berechnet. Die Chancen, dass man darum herumkommt, sind gering. Schließlich gibt es auf Fernbahnhöfen mehrere Automaten und einen Schalter, man hat also durchaus Alternativen. Dass man zu spät dran war, zähle nicht als Ausrede, sagt Bahn-Sprecher Andreas Fuhrmann. "Wenn man noch kein Ticket hat, sollte man nicht kurz vor knapp kommen. Schließlich kann es auch so immer sein, dass man länger anstehen muss."

Automat mag keine großen Scheine

Der Ratschlag hat sicher auch im Nahverkehr seine Berechtigung, man muss damit rechnen, dass man nicht der einzige Kunde ist, der eine Fahrkarte braucht. Aber was, wenn der einzige Automat weit und breit keine Karte ausdrucken will? Ohne Ticket einzusteigen gilt im Regionalverkehr normalerweise als Schwarzfahren. Die Möglichkeit, noch in der Bahn nachzulösen, wurde Ende 2010 abgeschafft. Seitdem ist das nur noch möglich, wenn es am Bahnhof keinen Fahrkartenautomaten gibt, was an Haltestellen in kleinen Orten schon mal vorkommt. Ob man ansonsten ein erhöhtes Beförderungsentgelt bezahlen muss, wenn man ohne Ticket unterwegs ist, hängt davon ab, ob der Automat wirklich kaputt war oder ob es sich nur um ein Wechselgeldproblem gehandelt hat.

Zu Problemen mit der Geldannahme kann es öfter kommen. Normalerweise dann, wenn der Kunde einen kleinen Betrag mit einem großen Schein bezahlen will. Die Automaten geben nur Hartgeld heraus und die Kapazitäten sind nicht endlos. "Wenn ein paar Kunden ihre 2,60 Euro -Fahrscheine mit 20 Euro-Scheinen bezahlen wollen, würde das Wechselgeld knapp werden", sagt Fuhrmann. Der Schein müsse schon in Relation zum Ticketpreis stehen. 20 Euro-Scheine werden normalerweise ab einem Ticketpreis von 9,90 akzeptiert, 50 Euro-Scheine ab 24,50 Euro. Mit 100 Euro-Scheinen kann man gar nicht bezahlen. Muss man also draußen bleiben, nur weil der Automat das Geld nicht will? Nicht unbedingt, schließlich gibt es noch den EC-Kartenschlitz, den Fuhrmann empfiehlt: "An allen Bahn-Automaten kann man auch bargeldlos bezahlen, egal welche Summe ".

Fahrpreisnacherhebung statt Fahrschein

Manchmal verweigert der Automat aber nicht nur die Geldannahme, sondern streikt komplett. Gibt es kein anderes funktionsfähiges Gerät, darf man ruhig in die Bahn steigen. Vorher kann es aber ganz hilfreich sein, Beweise zu sichern. Also beispielsweise ein Bild vom defekten Display machen und – noch wichtiger – die Automatennummer notieren. Wenn genügend Zeit ist, kann man auch die Störungshotline der Bahn informieren. Die Nummer findet man auf dem Automaten.

Im Zug sollte man gleich den Schaffner suchen und nicht erst warten, bis er den Fahrschein sehen will. Der Zugbegleiter stellt dann keine Fahrkarte aus, sondern eine sogenannte Fahrpreisnacherhebung. Bezahlen muss man erstmal nichts. Innerhalb der nächsten 14 Tage prüft die Bahn mittels Fernwartung, ob tatsächlich eine Störung vorgelegen hat. Wenn ja, muss man lediglich den normalen Fahrpreis überweisen. Teuer wird es dagegen, wenn sich die Angaben nicht bestätigen. Dann wird ein erhöhtes Beförderungsentgelt fällig, also der doppelte Fahrpreis, mindestens aber 60 Euro. Wer sich dadurch ungerecht behandelt fühlt, kann sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr wenden.

Alle, die häufiger mit der Bahn unterwegs sind, sind mit der DB Navigator-App gut beraten. Hier kann man das Ticket noch wenige Minuten vor der Abfahrt bequem per Smartphone buchen.   

Quelle: n-tv.de, ino