Reise

Munch, Schwitters, Arp in Schwerin Berühmte Ostsee-"Sommergäste"

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Das Museumsgebäude von Schwerin, 1877-82 von Hermann Willebrand errichtet: Das ehemalige Großherzogliche Museum beinhaltet die größte Kunstsammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Sommerfrische an der Ostsee gehörte nicht nur für normale Bürger, sondern auch für viele Künstler im vergangenen Jahrhundert zum jährlichen Ritual. Dass die Berühmtheiten nicht nur faul am Strand lagen, davon zeugen jetzt Skizzenbücher, Bilder und Gemälde der Ausstellung "Sommergäste". Sie zeigt so große Namen wie Feininger, Munch, Grosz und Klee.

Viele Künstler der Moderne entdeckten vor etwa 100 Jahren die Ostsee für sich. Sie flüchteten aus schmutzigen Großstädten in die urtümlich anmutende freie Landschaft an der See. Manche ließen sich fest in Künstlerkolonien nieder, andere kamen jahrelang als Sommergäste an die Küste. Die Ausstellung "Sommergäste" im Staatlichen Museum Schwerin gibt erstmals einen repräsentativen Überblick über Werke der klassischen Moderne, die an der mecklenburgischen und pommerschen Ostseeküste entstanden.

Die Schau wird heute eröffnet und ist bis zum 23. Oktober zu sehen. Gezeigt werden 108 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie Skulpturen unter anderem von Lyonel Feininger, Lovis Corinth, Edvard Munch sowie von Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky - das Paar hielt sich vor genau 100 Jahren im Ort Prerow auf. Brücke-Künstler wie Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff zog es nach Hiddensee. Vertreter der Dada-Szene wie Hans Arp und seine Frau Sophie Taueber-Arp, Kurt Schwitters und George Grosz liebten die Insel Rügen. Andere verbrachten den Sommer weiter östlich, etwa an der Kurischen Nehrung, die heute zu Litauen und Russland gehört.

Der Überblick ist das Ziel

Die ausgestellten Werke sind zum großen Teil Leihgaben aus Privatbesitz sowie aus Museen in Deutschland und der Schweiz. Es habe schon mehrere Ausstellungen einzelner "Sommergäste" im Land gegeben, etwa von Munch oder Feininger, sagte Kuratorin Kornelia Röder. Jetzt sei ein Überblick das Ziel gewesen. "Wir waren erstaunt, welche Fülle von Material zutage trat."

Zu den Überraschungen gehörte ein Hinweis auf Aufenthalte von Paul Klee auf Hiddensee, berichtete Röder. Das Zentrum Paul Klee in Bern stieß auf Nachfrage tatsächlich auf Material, unter anderem in den noch unveröffentlichten Lebenserinnerungen seiner Frau Lily Klee. So kam die Ausstellung zur Leihgabe eines kleinen Aquarells aus Privatbesitz, zu dem ihn der Aufenthalt an der Küste inspirierte.

Skandalbild von Munch

Stolz ist das Museum, Edvard Munchs Gemälde "Badende Männer" zeigen zu können, das aus Helsinki kam. Es gilt heute als eines der Schlüsselwerke im Werk des Künstlers. 1907 löste das Bild mit lebensgroßen nackten Männern, die auf den Betrachter zuschreiten, in Hamburg einen Skandal aus. Munch reichte es zu einer Ausstellung ein, wo es abgelehnt wurde. Dabei zeigte das Bild nicht die Realität am Warnemünder Strand: Das Baden im Meer war nur in Bekleidung erlaubt, die bis zum Knie reichte. Dennoch verlor der Bademeister seine Anstellung - auch im Zusammenhang mit Fotos nackter Männer am Strand.

Die Ausstellung bietet nach den Worten von Museumsdirektor Dirk Blübaum eine neue Sicht auf die Relevanz der Ostseeregion für die Moderne. Röder sagte, von vielen Künstlern sei bekannt, dass sie Impulse durch die Landschaft, die Abgeschiedenheit und Selbstbesinnung erhielten, die zu Zäsuren in ihrem Werk führten.

Quelle: ntv.de, Birgit Sander, dpa

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