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"Bunt statt braun" Jugendherberge in NS-Bau öffnet

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Manuela Schwesig, Ministerin für Soziales und Gesundheit von Mecklenburg-Vorpommern, und Herbergsvater Dennis Brosseit in der neu eröffneten Jugendherberge Prora.

(Foto: dpa)

Aufklären statt Gleichschalten: Der als NS-Seebad geplante "Koloss von Rügen" in Prora beherbergt jetzt eine Jugendherberge, die sich dem historischen Erbe stellen will. Und: "Man darf hier auch Spaß haben".

In den Treppenhäusern leuchten bunte Farben. Kinder rennen über die Flure, fröhliche Betriebsamkeit erfüllt den Speisesaal in der neuesten Jugendherberge Mecklenburg-Vorpommerns in Prora auf Rügen. Der Ostseestrand liegt - nur getrennt von einem schmalen Streifen von Küstenkiefern - wenige Meter von dem 4,5 Kilometer langen Gebäudekomplex entfernt. In dem als "Seebad der 20.000" geplanten, nationalsozialistischen Bau hat das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) 152 Meter bezogen. Am Montag eröffnete es seine mit 400 Betten größte Jugendherberge im Land, die sechstgrößte bundesweit.

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Im letzten Block der 4,5 Kilometer langen Anlage ...

(Foto: dpa)

Herbergsleiter Dennis Brosseit wirkt entspannt, obwohl er die vergangenen Nächte nur stundenweise Schlaf gefunden hat. Von Mallorca, wo er zuvor ein kleines Hotel geleitet hat, zog es ihn an die Ostsee. Nun ist er Chef von 35 Mitarbeitern und Leiter einer Einrichtung an einem besonders geschichtsträchtigen Ort. "Wer hier Urlaub macht, dem kommen unweigerlich Fragen nach der Geschichte. Das große Gebäude formuliert die Fragen von selbst", sagt Brosseit.

Massentourismus-Pläne

Prora sollte die weltweit erste Ferienanlage für den Massentourismus werden. 1935 lobte Robert Ley, Chef des Einheitsverbandes "Deutsche Arbeitsfront" (DAF), einen Architektenwettbewerb für ein Seebad der NS-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" (KdF) in der Prorer Wiek aus. Das Geld für den gigantischen Urlaubskomplex und die anderen KdF-Träume hatte sich die DAF 1933 aus dem Vermögen der zerschlagenen deutschen Gewerkschaften einverleibt. Ziel der Freizeitanlage mit Promenade, Läden und Zimmern mit Meerblick: das deutsche Volk im Erleben eines preiswerten Urlaubs an der See für die Ideologien des Nationalsozialismus aufzuschließen und gleichzuschalten.

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... wurde die größte Jugendherberge Mecklenburg-Vorpommerns eröffnet.

(Foto: dpa)

Doch soweit kam es nicht: Mit Kriegsbeginn im Jahr 1939 werden die Arbeiter zu kriegswichtigeren Projekten abgezogen. Während des Zweiten Weltkrieges und später in der DDR wurde die Anlage militärisch genutzt. Ab 1982 waren hier auch Bausoldaten untergebracht, die den Dienst an der Waffe verweigert hatten und einen Ersatzdienst machten. Als militärische Sperrzone bot das Areal Raum für Spekulationen und Mythenbildung.

Denkmalschutz statt Abriss

Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde sogar über einen Abriss der Betonmassen spekuliert, doch der Koloss von Rügen wurde unter Denkmalschutz gestellt. Der Bund erarbeitete 1997 ein Konzept, das eine Mischnutzung von Tourismus, Kultur, und Kleingewerbe in der monumentalen Anlage vorsah. Statt 20.000 sollten nun maximal 3000 Betten darin stehen. Kleine Museen zogen zur Miete ein. Dann wurde die Anlage scheibchenweise zum Verkauf angeboten: Historiker warfen dem Bund vor, sich aus der Verantwortung stehlen zu wollen. Der Großteil der Anlage hat inzwischen neue Besitzer, doch die grau-braune Fassade bröckelt weiter. Den Investoren fehlt offenbar das Geld, heißt es auf Rügen.

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Einer der Speisesäle.

(Foto: dpa)

Nur am Block V, dort wo öffentliche Geldgeber den 16,4 Millionen Euro teuren Umbau mit 15,1 Millionen Euro finanzieren, leuchtet die Fassade in hellem Weiß. Das Credo der Landespolitik und des Deutschen Jugendherbergswerkes lautet "Bunt statt braun und grau." Von einer Umkehrung des Nazi-Gedankens ist die Rede, von Vielfalt statt Gleichschaltung, und von Toleranz. "Wenn Rechtsextreme jetzt glauben, Prora zur Wallfahrtsstätte für ewig Gestrige machen zu müssen, werden sie hier kein Forum finden", sagt Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD). Die rechte Szene hatte die Eröffnung der Jugendherberge in den vergangenen Tagen als Fortsetzung der nationalsozialistischen Ursprungsidee gefeiert.

Die Konferenzräume in der Jugendherberge heißen "Tolerance" oder "Merak", das türkische Wort für Neugier. Die Weltoffenheit, die mit den Namen demonstriert wird, soll Programm der Einrichtung sein. Für das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern soll die neue Herberge jugendliche Touristen anlocken. "Man darf hier auch Spaß haben", sagt eine Herbergsmitarbeiterin. Natürlich fehlen da auch die obligatorischen Tischtennisschläger und Volleybälle nicht.

Quelle: n-tv.de, Martina Rathke, dpa

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