Reise

So schützt man sich Kostenfallen auf der Kreuzfahrt

imago63689023h.jpg

Kapitänsdinner in Abendkleid und Smoking? Auf dem "Traumschiff" war das Standard, doch inzwischen geht es auf vielen Kreuzfahrtschiffen weniger elitär zu.

(Foto: imago/blickwinkel)

Zehn Tage durch die Karibik schippern für 750 Euro oder eine Woche übers Mittelmeer für 450 Euro? Kein Problem, Kreuzfahrten gibt es inzwischen zum Schnäppchenpreis. Doch wenn man nicht aufpasst, wird's am Ende doch noch richtig teuer.

Früher galten Kreuzfahrten als Rentnervergnügen. Inzwischen kann sich auch ein jüngeres Publikum für den Urlaub an Bord begeistern. Weit über 2 Millionen Passagiere aus Deutschland schipperten 2015 über Flüsse oder die hohe See, bestaunten die Polarlichter am Nordkap oder den Glanz südeuropäischer Hafenstädte, feierten Parties in der Karibik oder bräunten sich an kanarischen Stränden. Und viele von ihnen haben dabei mehr Geld ausgegeben als sie eigentlich vorhatten. Die Stiftung Warentest berichtet in der jüngsten "Finanztest"-Ausgabe von den häufigsten Ärgernissen und größten Finanzfallen auf Kreuzfahrten und erklärt, wie sich Urlauber davor schützen.

Eigene Anreise kann heikel werden

Kreuzfahrten sind Pauschalreisen. Der Anbieter ist für Unterkunft, Verpflegung und das Unterhaltungsprogramm verantwortlich. Und auch für die Anreise, wenn man diese dazu bucht. Nun ist es mitunter deutlich billiger, den Weg zum Abfahrtsort auf eigene Faust zu organisieren. Das Problem: Wenn dabei etwas schiefgeht, wartet das Schiff nicht. Man sollte also auf jeden Fall einen ausreichenden Zeitpuffer einplanen - oder eben gleich das Rundum-Sorglos-Paket buchen.

Auf Sicherungsschein achten

Die Reise ist bezahlt, wird dann aber abgesagt? Womöglich erst in letzter Sekunde? Ärgerlich genug, da möchte man natürlich schnell sein Geld zurück. Damit das reibungslos funktioniert, sind Pauschalreiseveranstalter verpflichtet, Kundengelder zu versichern. Das gilt auch für Kreuzfahrtanbieter. Schon vor der ersten Anzahlung sollten die Kunden einen sogenannten Sicherungsschein bekommen, auf dem steht, wer im Ernstfall für den Reisepreis und eventuelle Mehrkosten aufkommt. Oft finden sich die Informationen auf der Rückseite der Buchungsbestätigung. Bei kleinen Anbietern sollte man einen genaueren Blick auf das Dokument werfen und auf Manipulationen oder handschriftliche Ergänzungen achten. Es ist schon vorgekommen, dass schwarze Schafe der Branche gefälschte Bestätigungen ausgestellt haben. Im Zweifel empfiehlt "Finanztest", bei der angegebenen Versicherung nachzufragen.

Hohe Trinkgelder

Zimmermädchen, Kellner, Kabinenstewardess, Concierge, Masseur, Animateure, Küchenkräfte und Musiker – an Bord kümmert sich vor- und hinter den Kulissen eine ganze Menge Personal um das Wohlergehen der Gäste. Und in aller Regel wird es nicht besonders gut bezahlt. Meist werden Trinkgelder erwartet und bei vielen Gesellschaften sind sie sogar Pflicht, was bei Reisenden regelmäßig für Irritationen sorgt. Pro Tag und Person können zwischen 5 und 15 Euro zusätzlich anfallen, die dann automatisch vom Bordkonto abgebucht werden. Das schlägt schon ins Gewicht und sollte gerade bei Kreuzfahrten zum Schnäppchenpreis bedacht werden.

Tipp von "Finanztest": Servicegebühren sind nur rechtens, wenn sie schon im Endpreis aufgeführt sind. Sind sie nur im Kleingedruckten oder in den AGB erwähnt, kann man das abgebuchte Geld zurückverlangen.

Einige Anbieter begnügen sich mit Empfehlungen, erwartet wird das Trinkgeld aber auch hier. Nur bei wenigen Veranstaltern ist der Obolus ans Personal schon im Reisepreis inbegriffen. So handhaben das etwa TUI Cruises und Aida, wobei auf den Clubschiffen am Ende der Reise doch noch eine Sammelbox bereitsteht.

Mobilfunk ist teuer

imago71901738h.jpg

Fotos mit dem Smartphone - kein Problem. Surfen kann aber ins Geld gehen.

(Foto: imago/Westend61)

Auf Flusskreuzfahrten gilt der übliche Roamingtarif für die Handynutzung. Zumindest im EU-Raum sind die Kosten überschaubar. Richtig teuer wird der Griff zum Smartphone aber auf hoher See. Dort läuft der Mobilfunk über Satellitenverbindungen, die beispielsweise auch Marine-U-Boote nutzen. Die aufwendige Infrastruktur macht sich beim Tarif für das Bord-Wlan bemerkbar. Bei Minutenabrechnung fallen – je nach Reederei – oft 19 Cent oder noch deutlich mehr an.

Viele Anbieter haben Flatrate-Tarife, die Kosten variieren stark. Während man bei Hurtigruten zum Nulltarif surft, kosten 250 Megabyte auf der Aida schlappe 25 Euro, bei Carnival Cruise Line sind 45 Minuten für 29 Dollar zu haben, MSC nimmt 12 Dollar pro Tag, um einige Beispiele zu nennen. Auf Cruisetricks.de findet sich eine genauere Übersicht. Ganz wichtig bei Minutenpaketen: Am Ende der Surf-Session das Ausloggen nicht vergessen! Automatische App-Aktualisierungen sollte man unbedingt ausschalten, bei Volumentarifen ist das Guthaben sonst schnell weg.

Tipp der Stiftung Warentest: Oft empfängt man auch mit etwas Abstand zur Küste noch die regulären Mobilfunknetze. In Europa kann man dann zum günstigen EU-Roamingtarif surfen. Am besten stellt man dafür die automatische Netzwahl ab und sucht sich das Netz selbst aus.

Hohe Kreditkartengebühren

Kreditkarten sind auf Kreuzfahrten das bevorzugte Zahlungsmittel. Sofern in der Bordwährung abgerechnet wird, ist der Einsatz meistens kostenlos. Nur bei Aida fallen ein Prozent Gebühren an. Bei manchen Anbietern können es bis zu drei Prozent werden, wenn man nicht in der Bordwährung – oft sind das Dollar - bezahlt. Im Zweifel vorab beim Kreditkarteninstitut nach dem Abrechnungsmodus erkundigen.

Reise läuft nicht plangemäß

Statt in die gebuchte teure Außenkabine mit Balkon quartiert einen der Steward in eine fensterlose Innenkabine ein? Das berechtigt auf jeden Fall zur Preisminderung, man kann die Reise aber auch sofort abbrechen. Auch wenn vorab gravierende Routenänderungen bekanntgegeben werden, darf man stornieren. Aber was, wenn spontan eins der Reiseziele vom Plan gestrichen wird? Hier können die Passagiere oft einen nachträglichen Preisnachlass herausschlagen. Wenn es sich um eins der Highlights der Kreuzfahrt gehandelt hat, ist auch Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden drin. Das aber nur, wenn der Veranstalter die Änderung selbst zu verschulden hat, etwas weil das Schiff repariert werden muss.

Wie bei anderen Pauschalreisen können natürlich noch diverse weitere Mängel auftreten. Kabinen ohne den gebuchten Meerblick, unzureichende Reinigung, zu wenig Auswahl beim Buffet – ob das zur Reisepreisminderung berechtigt und wie viel es im Einzelfall zurückgibt, lässt sich nicht pauschal sagen. Orientierung bietet die Würzburger Tabelle, in der der Rechtsanwalt Kay Rodegra zahlreiche Urteile zum Reiserecht auf Kreuzfahrten zusammengestellt hat. Sicher ist nur eins: Hafengeräusche, Dieselgeruch an Deck oder auch Wellengang gehören bei Kreuzfahrten dazu. Wer sich daran stört, verbringt seinen Urlaub doch besser an Land.

Quelle: ntv.de, ino