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Schiffstester Morr im Interview "Kreuzfahrt ist Perfektion der Pauschalreise"

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Matthias Morr beschäftigt sich tagtäglich mit Kreuzfahrtschiffen.

Seinen journalistischen Weg begann Matthias Morr ganz klassisch bei der Zeitung. Dann wurde er Radioreporter beim NDR. Später entdeckt er seine Leidenschaft für Kreuzfahrtschiffe. Er besichtigt in Hamburg ein Schiff, macht ein Video davon und stellt es bei Youtube ein. Die Resonanz ist riesig, Morr setzt sein Hobby fort - und macht es dann zum Vollzeitjob. Etwa 60 Tage im Jahr ist er an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Außerdem kommuniziert er zwischendurch immer mit seinen Zuschauern und Followern, die Fragen zu seinen Videos stellen.

n-tv.de: Herr Morr, Sie stellen regelmäßig Kreuzfahrtschiffe vor. Was begeistert die Zuschauer am meisten?

Matthias Morr: Das beliebteste Video ist meistens der Live-Rundgang, wo ich über ein Schiff laufe und den Leuten erkläre, wo etwas ist, was sie beachten müssen und was gut oder nicht so gut ist. Das längste Video so einer Art war mal das von der "AIDAprima", das dauerte eine Stunde und 45 Minuten. Durchschnittlich schauen sich die Leute das dann 18 Minuten an. Es gibt einen Redaktionsplan und zwei Mal die Woche erscheinen immer die neuen Videos und das sind Sachen, die werden über Jahre geguckt.

Was sind denn die wichtigsten Kriterien für einen Schiffstest?

Das Entscheidende ist am Ende, dass die Leute wissen, ist es was für sie oder ist es das nicht. Ich erlebe es sozusagen für sie. Es gibt am Ende keine Punkte, die vergeben werden. Ansonsten ist natürlich das Essen wichtig, da versuche ich mich immer in den klassischen Urlauber hineinzuversetzen. Worüber ärgert er sich? Er ärgert ihn zum Beispiel, wenn es Aufpreise für etwas gibt.

Worauf gibt es die meisten Reaktionen?

Die meisten Reaktionen gibt es beispielsweise auf neue Getränkepakete, so etwas wird dann sehr viel diskutiert.

Die Kreuzfahrtbranche boomt seit Jahren - wie sehen Sie die Entwicklung?

Ich mache derzeit immer den Vergleich mit einem Einkaufszentrum. Das ist insofern erfolgreich, weil er einen Vermieter hat, der genau steuern kann, wen er haben will. Am Ende entsteht dann ein sehr attraktiver Mix. Auf einem Kreuzfahrtschiff ist es eigentlich genau das Gleiche. Man kann das aus einer Hand steuern und dafür sorgen, dass es ein möglichst gutes Gästefeedback gibt. Das ist eigentlich das Erfolgsrezept.

US-amerikanische Schiffe wollen immer verrückte Dinge anbieten.

Der Vorteil bei großen Schiffen ist die Vielfalt an Aktivitäten und es gibt diese auch an Restaurants und und und. Für die Reedereien bedeutet das, dass sie zum Landurlaub eine unglaublich attraktive Alternative bieten. Diese Riesenschiffe sind jetzt nicht unbedingt die perfekten Kreuzfahrtschiffe, wenn es darum geht, viele schöne Häfen zu erreichen.

Und warum gibt es das alles, die Riesenrutschen und Surferwellen?

Am Ende geht es darum Aufmerksamkeit zu erzielen, dass die Leute am Ende erzählen 'Mensch, hast du das gesehen?' Deswegen findet man das derzeit noch nicht auf dem deutschen Markt. Der wächst so gut, da kann man sich den Schnickschnack sparen. Da ist es auf deutschen Schiffen sehr bescheiden.

Wo sind die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Schiffen und deren Gästen?

Man hat es da mit großen kulturellen Unterschieden zu tun. Teilweise gibt es dann "Klein-Las-Vegas" auf dem Wasser und es ist alles auf Englisch. Es ist schon etwas Spezielles, auf ein amerikanisches Schiff zu gehen. Das sind tolle Schiffe, aber klar geht es in erster Linie um den amerikanischen Geschmack.

Welche Fragen sollten sich Kreuzfahrtneulinge stellen, bevor sie buchen?

Eine wichtige Frage ist: 'Ist mir ein deutsches Schiff wichtig?', denn da reduzieren wir die Anzahl der Reedereien dramatisch. Dann muss man sich überlegen, ob man ein serviertes Menü im Restaurant haben will oder ob man ein Buffet auch gut findet. Da gibt es dann die Unterschiede bei den Schiffen.

Warum sind Kreuzfahrten so angesagt?

Es ist die Perfektion der Pauschalreise. Es gibt tolles Essen, es gibt tollen Service, wie man ihn kaum an Land hat - und man kann immer dahin fahren, wo es schön ist.

Mit Matthias Morr sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de