Reise
Am Anfang geht es steil bergab - und die Gruppe steigt in die Dunkelheit hinab.
Am Anfang geht es steil bergab - und die Gruppe steigt in die Dunkelheit hinab.(Foto: Sonja Gurris)
Samstag, 11. November 2017

Wo ist der isländische Troll?: Lavahöhle Vidgelmir birgt dunkle Geheimnisse

Von Sonja Gurris, Hallmundarhraun

Island ist das Land der Sagen. Es ist also kein Wunder, dass man in jeder Nische einen Troll vermutet. n-tv.de wagt in Westisland das Abenteuer und macht sich auf eine dunkle Erkundungstour in die größte Lavahöhle Islands - in die Vidgelmir.

Wer mit dem Auto durch Island fährt, der ist einsame Landschaften gewohnt. Die Außenwelt gleicht im Westen der Insel im hohen Norden an manchen Stellen einer Mondlandschaft: Jeder Besucher fühlt sich so, als wäre er soeben in einen Science-Fiction-Film gebeamt worden.

Der Eingang zur Höhle liegt mitten in einem versteinerten Lavafeld.
Der Eingang zur Höhle liegt mitten in einem versteinerten Lavafeld.(Foto: Sonja Gurris)

Die raue Natur in der Nähe des Ortes Husafell hat auch eine große Besonderheit: Hier befindet sich die größte Lavahöhle Islands - die Vidgelmir. Rund herum liegt das Lavafeld Hallmundarhraun. Im Rahmen einer geführten Tour ist es möglich, die einzigartige Höhle zu erkunden.

Man braucht keine Angst zu haben, dass einem noch heiße Lava entgegenkommen könnte, zuletzt strömte diese etwa im 9. Jahrhundert. Die verhärtete Lava ist sehr alt und der Besuch der Höhle ein echtes Abenteuer. Ob man dort auch einen der sagenumwobenen Trolle findet, von denen die Isländer so gerne sprechen? Das lässt sich nur mit einer geführten Tour überprüfen. Also rein in die wasserfeste Kleidung.

Bilderserie

Maria nimmt eine 20 Personen große Gruppe mit - allerdings erst, nachdem sie Helme und Kopflichter verteilt hat. Sie ist Tourguide und gibt zunächst ein paar Sicherheitshinweise, bevor es eine steile Treppe hinab in die dunkle Höhe geht, auf eine eineinhalbstündige Erkundungswanderung. Die Höhle ist etwa 1400 Meter lang. "Passt auf euch auf, wenn ihr in die Höhle geht, denn es ist manchmal rutschig und am Anfang kommt eine Stelle, an der es sehr eng ist", erklärt die junge Frau.

Schritt für Schritt in die Dunkelheit

"Geht langsam und leuchtet mit dem Kopflicht immer auf den Weg vor euch." Die Höhle ist mehr als 1100 Jahre alt. Noch dazu ist sie eine der am besten erhaltenen in ganz Island. "Rund 30 Kilometer ist der Vulkan entfernt, der das hier alles geformt hat. Insgesamt verlief die Lava sogar 50 Kilometer weit", erzählt die Isländerin begeistert. "Wow", sagt der ein oder andere Besucher voller Ehrfurcht.

Wenn die kleinen Lichtquellen aus sind, wird es stockfinster - und still.
Wenn die kleinen Lichtquellen aus sind, wird es stockfinster - und still.(Foto: Sonja Gurris)

Bei ihrem Rundgang zeigt sie die verschiedenen Felsformationen. Durch kleine Scheinwerfer strahlt die Höhle in einem ganz besonderen Licht. Gerade genug, um etwas zu sehen - und doch ist es geheimnisvoll. Man fragt sich unweigerlich: Wo verstecken sich hier eigentlich die Trolle? Doch zunächst weist Tourguide Maria auf andere Spuren hin: "Als die Höhle gefunden wurde, haben Forscher hier jede Ecke durchsucht. Und da oben gibt es einen Platz, an der sie eine Feuerstelle und Tierknochen gefunden haben", erklärt sie und zeigt in die linke Ecke. "Ihr wärt also nicht die ersten, die hier übernachten würden". Die blonde Isländerin lacht laut.

Wer versteckte sich hier?

1000 Jahre waren die Knochen alt. Doch in der Zeit der Wikinger traute sich eigentlich kein Mensch in die Höhle, denn sie hatten Angst vor den sagenumwobenen Trollen. Aber nicht alle: "Wir vermuten, dass sich hier jemand versteckt hat - ein Ausgestoßener". Er fürchtete sich also wohl eher vor den Wikingern als vor einem bösen Troll im dunklen der Viðgelmir-Höhle. Zum damaligen Zeitpunkt war es auch noch etwas wärmer in der Höhle. "Quasi Raumtemperatur", erläutert Maria. Die Lava war noch nicht vollständig erkaltet, da der Vulkanausbruch ja nicht so lange vorüber war. Man kann sich das kaum vorstellen, während man selbst etwas fröstelnd durch das dunkle Höhlengewölbe stapft. Da helfen wohl nur warme Gedanken.

"Seid ihr bereit, dass wir das Licht komplett ausmachen?! Dann sind wir alle bitte einen Augenblick still", fordert die Führerin die Gruppe auf. Es ist so still, wie man es sich nur vorstellen kann. Der Hand-vor-Augen-Test verrät: Man sieht gar nichts nichts mehr, selbst wenn die Augen versuchen, irgendwas zu erkennen. Die absolute Schwärze ist etwas beängstigend.

Informationen Island:

Neben der Lavahöhle können Urlauber auch einen Gletschertunnel in der Nähe erleben. Mehr Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Touren und Hintergrundwissen erhalten Islandreisende auf den Websites von Promote Iceland und West-Island Die Low-Cost-Airline WOW-Air fliegt ab Deutschland direkt nach Island. Bustouren und Ausflüge können unter anderem bei Gray Line gebucht werden.

Doch schnell gibt Maria Entwarnung und spricht das laute Startsignal aus: "3,2,1 ... Lampen wieder an". Dann geht es wieder hinauf in die Helligkeit, in die Mondlandschaft des Lavafeldes. Ein Troll wurde nicht gesichtet, aber vielleicht hat er sich einfach nur in den finsteren Ecken der Höhle versteckt und wartet auf die nächste Gruppe.

*Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden

Quelle: n-tv.de

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