Reise
Kapitän Ulf Wolter ist seit vielen Jahren im Dienst.
Kapitän Ulf Wolter ist seit vielen Jahren im Dienst.(Foto: Sonja Gurris)
Sonntag, 19. November 2017

Arbeiten auf hoher See: Wie Kapitän und Koch die Kreuzfahrt managen

Von Sonja Gurris

Auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten hunderte Crewmitglieder. Ganz besondere Positionen haben dabei Kapitän und Küchenchef. n-tv.de hat sich ihren Alltag einmal angeschaut.

Das imposante Schiff fährt vorbei an Hamburgs neuem "Leuchtturm", der Elbphilharmonie. Doch das ist nicht das Besondere: "Das gibt es ganz, ganz selten, das ist schon ein historischer Tag", sagt Kapitän Ulf Wolter, als die "MS Europa 2" im Hamburger Hafen ihrem Schwesterschiff, der "Europa", gegenübersteht. Auch für den erfahrenen Kapitän gibt es noch diese speziellen Momente - auf hoher See oder im heimischen Hafen. Dann steht auch er freudestrahlend an der Reling neben der Brücke und winkt. Ab und zu blickt er links und rechts von der Brücke herunter und kontrolliert mit eigenen Augen, ob das Wendemanöver im Hafen auch funktioniert.

Auf der Brücke hat die Führungsriege den besten Ausblick.
Auf der Brücke hat die Führungsriege den besten Ausblick.

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal fällt die "MS Europa 2" überall auf. Und natürlich werden die wartenden Schiffsgucker an Land auch kräftig begrüßt. Das geht nur in voller Laustärke. Was bei Kraftfahrtzeugen die Hupe ist, ist auf dem Kreuzfahrtschiff das Typhon. "Alle sind so begeistert, das Wetter ist schön, das ist wunderbar. Neulich sind wir hier bei strömenden Regen durchgefahren, da war hier nichts los. Da haben wir nur für eine Dame gehupt, die da unten den Laden betreibt", erklärt der langjährige Kapitän.

Er ist derjenige, der jederzeit "das Ohr ans Schiff legt" und schaut, wie die Stimmung bei Crew und Passagieren ist. So beschreibt er selbst seinen Beruf. Als Kapitän muss er manchmal auch mit Lotsen zusammenarbeiten: "Wenn wir über den Kanal fahren, haben wir einen Lotsen. Generell gesagt hat er eine beratende Funktion, der kennt den Kanal wie seine Westentasche, er steht auch mit der Verkehrslenkung in Kontakt", so der Norddeutsche, der Tag und Nacht das oberste Kommando auf dem Kreuzfahrtschiff hat. "In diesem Kanal haben wir noch eine Besonderheit: einen sogenannten Steuerer. Der steuert das Schiff, normalerweise machen das unsere Matrosen selber, aber hier im Nord-Ostsee-Kanal ist das etwas anders."

Auf der Brücke geht es ruhig und gelassen zu.
Auf der Brücke geht es ruhig und gelassen zu.(Foto: Sonja Gurris)

Manchmal macht auch die Witterung dem Kapitän und seiner Crew viel Arbeit: "Jetzt ist das Wetter sensationell, dafür hatten wir letzte Nacht eine Windstärke von sieben bis acht, in Böen auch neun, aber es hat sich dann gegen Morgen wieder beruhigt." 20.000 Tonnen wiegt das Schiff. Damit das schwankt, braucht es schon eine kräftige Böe. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Dafür, dass ein solch riesiges Schiff gelenkt werden muss, ist es auf der Brücke erstaunlich ruhig. Kapitän, nautische Offiziere und Matrosen arbeiten ruhig und entspannt miteinander. Viele Knöpfe und Hebel, ein Radar, eine Papier-Seekarte und das Logbuch finden sich hier. Auch wenn das Kreuzfahrtschiff nicht gerade klein ist, so ist die Brücke doch gar nicht so groß, wie man es sich vorstellen würde. Per Funk kommen Informationen über die Verkehrslage, eine Stimme nennt Schiffe, die gerade bestimmte Brücken auf dem Kanal passieren.

Willy Leitgeb ist Küchenchef und Herr über die Restaurants.
Willy Leitgeb ist Küchenchef und Herr über die Restaurants.(Foto: Hapag-Lloyd Cruises)

Trotz aller Technik versichert das Personal auf der Brücke: "Wir gucken auch immer zusätzlich auf die Seekarte, wenn es um unsere Position geht".

Wenn sich alles um den Genuss dreht

Einige Decks weiter unten hat Willy Leitgeb ganz andere Dinge zu tun als der Kapitän. Der Küchenchef ist der Herr über das Essen und alle Restaurants, die es auf dem Schiff gibt. Was die Passagiere nicht sehen: Rolltreppen bringen die Kellner runter in die große Küche und dann wieder voll beladen ins jeweilige Restaurant. Logistik ist eben alles. Deswegen herrscht in der Küche auch eine Verkehrsregel: Es geht immer nur in eine Laufrichtung, damit es nicht zu Karambolagen kommt.

In dieser Küche ist viel los - von den vielen Akteuren im Hintergrund bekommt kaum jemand etwas mit.
In dieser Küche ist viel los - von den vielen Akteuren im Hintergrund bekommt kaum jemand etwas mit.(Foto: Sonja Gurris)

Leitgeb arbeitet seit 23 Jahren bei der Reederei Hapag-Llyod Cruises. "Es war mein Kindheitstraum. Schon mit sechs Jahren habe ich immer gesagt 'Ich werde mal Küchenchef auf einem Kreuzfahrtschiff. Und mit 14 Jahren habe ich dann meine Lehre angefangen. Ich war dann viel in Südtirol und Italien unterwegs." Ein bisschen sei er auch vom "Traumschiff" inspiriert worden, sagt er und lacht dabei.

Mit 21 bewirbt es sich das erste Mal auf eine Stelle auf einem Kreuzfahrtschiff. 1995 fängt er als Koch, als Chef de Partie, auf der "Hanseatic" an. Dann arbeitet er sich immer weiter hoch und wird nach und nach Küchenchef auf verschiedenen Schiffen von Hapag-Lloyd Cruises. Die Organisation und Logistik ist für den Küchenchef besonders wichtig: "Die größte Herausforderung ist die Planung, damit man speziell die Tiefkühl- und Trockenprodukte zwei bis drei Monate im Voraus plant." 

Dutzende Köche, Bäcker und Konditoren leitet Leitgeb. Im Servicebereich arbeiten dazu 120 Kellner, die die Speisen an den Gast bringen. "Wir kochen immer spezielle, teure Produkte. Wir haben auch immer wieder individuelle Anfragen für Hochzeitstage und Familienfeste und das sprechen wir dann mit dem Gast ab. Der Papst war aber noch nicht da", meint er lachend und mit einem Augenzwinkern. Aber er ist sicher: "Der würde sicher gerne eine schönes argentinisches Steak essen."

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

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Quelle: n-tv.de

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