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Menschenrechte nur eine Meinung? Bach fürchtet "Ende der Olympischen Spiele"

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Bach jubelt gerne.

(Foto: dpa)

Vier Länder haben einen diplomatischen Boykott der Winterspiele 2022 angekündigt, weitere könnten folgen. Für IOC-Präsident Thomas Bach kein Grund, etwas zur vielfach kritisierten Menschenrechtssituation in China zu sagen. Denn dadurch würden sich die Olympischen Spiele angeblich selbst abschaffen.

IOC-Präsident Thomas Bach hat das Schweigen des Internationalen Olympischen Komitees zur viel kritisierten Menschenrechtssituation in China erneut verteidigt. "Wenn ich keine politischen Kommentare abgebe, nehme ich keine Seite ein", sagte Bach in Lausanne und betonte, dass die Zurückhaltung in der Angelegenheit nicht als Zustimmung zum Handeln der Gastgeber der Winterspiele 2022 zu werten sei.

Ein Vorstoß in dieser Richtung wäre eine "Politisierung" und könne "das Ende der Olympischen Spiele bedeuten", warnte Bach: "Wenn wir eine politische Seite einnehmen, bekommen wir die 206 NOKs nicht zu den Spielen." Seine zahlreichen Kritiker werfen ihm und dem IOC seit langem vor, Menschenrechte zur Verhandlungssache zu machen, statt sie bedingungslos und nachhaltig einzufordern.

Bei Nachfragen zum diplomatischen Boykott der Peking-Spiele (4. bis 20. Februar) durch die USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland blieb Bach ebenfalls bei seiner Linie. Er verwies auf die politische Neutralität des IOC. Es sei aber wichtig, dass der Boykott die Sportler nicht betreffe. "Wir begrüßen, dass die Athleten von ihren Regierungen unterstützt werden", so Bach: "Der Rest ist Politik."

"Warum lassen sie nicht Peng Shuai entscheiden?"

Im Fall Peng Shuai verteidigte Bach ebenfalls das Vorgehen des IOC, das Videocalls mit der zeitweise verschwundenen chinesischen Tennisspielerin geführt hatte. "Wir haben mit diesen Gesprächen erreicht, was zu erreichen war. Das wichtigste Menschenrecht ist die körperliche Unversehrtheit", so Bach. Diese habe man "sichergestellt". Bach will weiter "Kontakt mit Peng Shuai halten. Wir werden sie unterstützen." Aber man müsse dafür auch "Vertrauen aufbauen", sagte der 67-Jährige: "Wir werden mit den Calls weitermachen. Sie wusste zu schätzen, dass wir uns kümmern."

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Den Vorschlag, dabei eine unabhängige Person zur Bewertung von Pengs Situation hinzuzuziehen, etwa den früheren Tennisstar Martina Navratilova, wehrte Bach zumindest indirekt ab. "Ich würde das nicht ausschließen", sagte der IOC-Präsident, antwortete aber auf eine Nachfrage: "Warum lassen sie nicht Peng Shuai entscheiden, wo ihre Prioritäten liegen?"

Das IOC war zuletzt scharf für sein Verhalten kritisiert worden. Peng hatte Anfang November berichtet, vom ehemaligen chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli sexuell missbraucht worden zu sein. Obwohl sie sich nach ihrem Verschwinden wieder zu Wort gemeldet hat, bleiben Zweifel an ihrem Wohlbefinden und der Freiheit ihrer Aussagen. Grundsätzlich sei es "sehr einfach, einen Verdacht zu haben", so Bach. Allerdings sehen Experten durchaus Anzeichen dafür, dass Pengs Wortmeldungen beeinflusst wurden.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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