Sport

"Völlig fehl am Platze" Bachs Diplomatenpass sorgt für Unmut

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Thomas Bach schweigt zu seinem Pass-Privileg. Dafür soll sich nun die Regierung äußern.

(Foto: AP)

Seit dem Wochenende ist bekannt: IOC-Präsident Thomas Bach hat einen deutschen Diplomatenpass, und das schon ewig. Politiker und Staatsrechtler zweifeln allerdings, dass ihm dieses Privileg zusteht. Nun soll sich die Regierung dazu erklären.

Politiker mehrerer Parteien haben Aufklärung über die Gründe der Ausstellung eines Diplomatenpasses für IOC-Präsident Thomas Bach in den 1990er-Jahren gefordert. "Ich werde am Mittwoch die Bundesregierung danach fragen", kündigte der sportpolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu, auf Twitter an. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Die Ausstellung des Diplomatenpasses ist nach ganz klaren Regularien festgelegt."

Er wolle die Bundesregierung deshalb nach den Gründen für die Ausstellung des Passes fragen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte am Wochenende auf Anfrage bestätigt, dass Bach seit den 1990er-Jahren einen solchen Pass besitze. Laut SZ wurde ihm erstmals 1994 ein Diplomatenpass verliehen. Auch wenn das Auswärtige Amt mitteilte, die Ausstellung sei "nicht gleichbedeutend mit der Verleihung von Immunitäten und anderen Vorrechten", gewährt der Pass doch einige Vorteile bei Reisen, etwa zur Verkürzung der Wartezeit.

Deshalb steht nun die Frage im Raum: Warum genießt Bach dieses Privileg überhaupt, das eigentlich nur für Politiker und Diplomaten bestimmt ist und nur in Ausnahmefällen an andere Personen verliehen wird? Und zwar dann, wenn diese "Reisen im amtlichen Auftrag oder im besonderen deutschen Interesse" unternehmen. Das scheint bei Bach als Vertreter des gemäß seiner Charta unparteilichen IOC mindestens zweifelhaft.

Der Staatsrechtler Rupert Scholz sagte dem Deutschlandfunk: "Eine Legitimität kann ich nicht erkennen." Ein Diplomatenpass für Bach sei daher "völlig fehl am Platze". Die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Dagmar Freitag, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Das verwundert mich, weil mir eine inhaltlich nachvollziehbare Begründung jedenfalls bisher fehlt."

Quelle: ntv.de, cwo/dpa

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