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Tennis-Traumehe geschieden Becker geht als Djokovic-Coach

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Zuletzt lief es für Novak Djokovic nicht mehr rund.

(Foto: AP)

Tennis-Ikone Boris Becker ist nicht länger der Trainer von Topstar Novak Djokovic. Nach drei erfolgreichen Jahren mit Becker vertraut Djokovic künftig offenbar auf einen Coach, der dem Konzept von "Liebe und Frieden" folgt.

Die Ära "Beckovic" ist Geschichte. Nach drei überaus erfolgreichen Jahren mit sechs Grand-Slam-Titeln und insgesamt 25 Turniersiegen trennen sich die Wege der deutschen Tennis-Ikone Boris Becker und des serbischen Ausnahmespielers Novak Djokovic. Man habe "gemeinsam entschieden, unsere Zusammenarbeit zu beenden", teilte Djokovic in einer knappen Erklärung mit.

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Laut "Bild"-Zeitung soll Djokovics Nähe zu Pepe Imaz, einem spanischen Mentaltrainer und Ex-Profi, ausschlaggebend für die Trennung gewesen sein. Becker soll daher die ihm angebotene Vertragsverlängerung  abgelehnt haben, er twitterte nach Bekanntwerden der Trennungsnachricht: "Danke, wir hatten die beste Zeit unseres Lebens."

Während Becker als Markenbotschafter vorerst an den Pokertisch zurückkehrt, arbeitet Djokovic künftig voraussichtlich noch stärker mit Imaz zusammen. Der soll ihn zurück an die Weltspitze führen - und zu innerem Frieden, nachdem der Serbe in den letzten Monaten auch mit privaten Problemen zu kämpfen gehabt hatte.

Konzept von "Liebe und Frieden"

Der Spanier gehört laut Djokovic schon länger zum Team, zuletzt gewann er offensichtlich immer mehr Einfluss. Die "Sport Bild" berichtete, dass Becker und Djokovics langjähriger Coach Marian Vajda nicht bereit waren, Seite an Seite mit Imaz zu arbeiten. Dessen Konzept von "Liebe und Frieden", Spiritualität und Meditation hat Djokovic jedoch offensichtlich stärker angezogen als Beckers leistungsorientierter Ansatz.

Die Trennung bahnte sich schon seit Wochen an. Djokovic vermied Aussagen zur gemeinsamen Zukunft. Becker, dessen Vertrag auslief, zog im Gespräch mit englischen Medien bereits eine Art Fazit. "Ich habe die vergangenen drei Jahre sehr genossen", sagte der dreimalige Wimbledonsieger: "Ich war in meinem Element und werde auch zukünftig in meinem Element sein. Ich bereue nichts. Es war eine unglaubliche Zeit."

Überraschend, rätselhaft, erfolgreich

Becker und Djokovic. Das war anfangs überraschend, lange rätselhaft, aber fast immer erfolgreich. Bis zum letzten halben Jahr ihrer Partnerschaft nach dem historischen Triumph in Roland Garros, bis Djokovic in Wimbledon, bei Olympia und einigen anderen Turnieren auf Normalmaß schrumpfte, seinen riesigen Vorsprung in der Weltrangliste verspielte und schlussendlich vom Briten Andy Murray vom Thron gestoßen wurde.

Den Absturz konnte auch Becker nicht verhindern, obwohl der Mentor, so bezeichnet er sich selbst, früh warnte. Nach Djokovics Aus in Wimbledon kritisierte Becker die lasche Trainingseinstellung seines Schützlings, zeigte gleichzeitig aber auch Verständnis, immerhin hatte Djokovic kurz zuvor in Paris seinen letzten noch fehlenden Grand-Slam-Titel gewonnen.

Als sich seine Konkurrenten in Halle/Westfalen und im Londoner Queen's Club auf den Saisonhöhepunkt vorbereiteten, besuchte Djokovic Imaz in Marbella, um in der Meditation nach "Liebe, Glück und Harmonie" zu suchen. Einen Einblick gibt ein zweistündiges Video, das Imaz, der wegen seines spirituellen Ansatzes oft als Guru bezeichnet wird, auf seine Homepage gestellt hat. Becker schien diese Art der Vorbereitung auf sein Wimbledon zu irritieren.

Weg zurück in die Normalität

Nun also die Trennung, die weniger plötzlich kommt als Beckers Unterschrift beim Team Djokovic im Spätherbst 2013. Damals war Becker in Deutschland vor allem als der alternde Tennisstar mit der Fliegenklatschenmütze auf dem Kopf bekannt. Der Erfolg an Djokovics Seite verlieh dem ewig 17-jährigen Leimener wieder Autorität. Stets verhielt sich Becker loyal gegenüber seinem Arbeitgeber, selbst die unkontrollierten Ergüsse in den sozialen Netzwerken, die ihm einst den Spitznamen "Old Twitterhand" eingebracht hatten, hielten sich in erträglichen Grenzen.

An seinem Sachverstand auf und neben den Tenniscourts der Welt bestand nie ein Zweifel, und so sollte der Erfolgstrainer Becker auch in Zukunft auf der Tour gefragt sein. Vorerst widmet er sich jedoch wieder seiner Poker-Leidenschaft. Bei den Australian Open zu Beginn des Jahres soll er laut Bild aber auf jeden Fall dabei sein. Als TV-Experte.

Quelle: n-tv.de, Cai-Simon Preuten, sid

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