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WM-Knockout "schmerzt" DEB-Team - Frust nach den Tiefschlägen

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die deutschen Nationalspieler um Superstar Leon Draisaitl hadern mit dem Viertelfinal-Aus gegen Tschechein.

(Foto: imago images / ActionPictures)

Am Ende steht eine krachende Niederlage im WM-Viertelfinale. Und bittere Enttäuschung bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Nach der historisch guten Vorrunde wähnte sich das Team bereit für "Großes". Der Anspruch nach dem Knockout gegen Tschechien bleibt aber hoch.

Nach dem krachenden K.o. in den Schlussminuten fiel das Aufstehen schwer, die späten Tiefschläge schmerzten. All das Lob über die beste WM-Leistung seit Jahrzehnten und die meisten Siege in der Geschichte der Eishockey-WM wollte niemand hören. "Es war so viel mehr drin", sagte Korbinian Holzer nach dem 1:5 im Viertelfinale gegen Tschechien, "es ist bitter, weil ich dachte, dass wir bis zum Schluss dabei sind." Anders als in den Vorjahren, als der Sprung unter die ersten Acht als großer Erfolg gefeiert worden war, empfanden Holzer und Co. keine Spur von Zufriedenheit. Im Gegenteil: Sie hatten Größeres vorgehabt und fest an die erste WM-Medaille seit 66 Jahren geglaubt. "Wir hatten eine wirklich gute Ausgangsposition", meinte Youngster Moritz Seider, "es sind nur noch acht Mannschaften im Rennen, jede hat eine gute Chance, Weltmeister zu werden. Davon träumt man natürlich."

Als am Tag nach der Enttäuschung der Mannschaftsbus zum Flughafen in Wien rollte, wurde den meisten allmählich klar, dass das junge Team um seinen NHL-Star Leon Draisaitl trotz des schmerzhaften Endes eine Weltmeisterschaft für die Geschichtsbücher gespielt hatte: Vier Siege zum Start hatte es seit 1930 nicht mehr gegeben, fünf Erfolge nur bei der Heim-WM 1983. Platz sechs zum Abschluss war das beste Ergebnis seit dem Halbfinaleinzug 2010 in Köln. "Es war wieder ein Schritt in die richtige Richtung für das deutsche Eishockey", bilanzierte Kapitän Moritz Müller. Und auch Holzer betonte: "Wir haben bewiesen, dass wir eine Top-Acht-Nation sind. Aber wir haben jetzt den Anspruch, auch die Großen zu schlagen."

"Weit entfernt waren wir nicht"

Bis ins Schlussdrittel hinein hatte die deutsche Mannschaft nach erneut starkem Spiel und großem Kampf fest mit dem Einzug ins Halbfinale gerechnet. "In der zweiten Drittelpause hatten wir wirklich das Gefühl, dass wir das Ding drehen", berichtete Müller: "Wenn man nur irgendwie reinkraxelt ins Viertelfinale und dann mit einem blauen Auge nach Hause fährt, okay. Aber wir waren ganz dicht dran, das macht es so traurig." Weil der zwölfmalige Weltmeister Tschechien in der letzten Viertelstunde gnadenlos jede Konterchance zu Toren nutzte, fiel die Niederlage viel höher aus, als es der Spielverlauf hergab. "So weit entfernt waren wir nicht", meinte Draisaitl, der seine fünfte WM mit fünf Toren und drei Vorlagen als punktbester Deutscher abschloss. Im Viertelfinale allerdings ging der Stürmer der Edmonton Oilers leer aus: "Man kann nicht immer perfekt sein." So blieb es beim Treffer des Münchners Frank Mauer (38.), der nicht reichte, um den zwischenzeitlich nervös gewordenen Favoriten zu stürzen.

Finnland wirft Schweden raus

Der zweimalige Weltmeister Finnland bezwang WM-Titelverteidiger Schweden in einem dramatischen Viertelfinale mit 5:4 (1:2, 2:2, 1:0, 1:0) nach Verlängerung. Nikko Mikkolas brachte die Finnen bereits nach 60 Sekunden in Führung. John Klingberg (3.), Patric Hornqvist (17.) und Elias Pettersson (21.) drehten die Partie. Petteri Lindbohm (26.) und Jani Hakanpaa (30.) glichen für Finnland aus. Erik Gustafsson (40.) gelang die erneute schwedische Führung. Marko Anttila (59.) erzielte kurz vor Schluss bei eigenem Empty Net den Ausgleich. Sakari Manninen (62.) sorgte für die Entscheidung.

Der neue Bundestrainer Toni Söderholm hakte seine erste WM als Erfolg ab. "Wir haben eine ziemlich gute Spur gefunden, wir haben den ersten Grundstein gelegt", sagte der Finne, der zu Jahresbeginn die Nachfolge des Olympia-Silberschmieds Marco Sturm angetreten hatte. Für den 41-Jährigen war der große Frust nach dem Viertelfinal-Aus ein positives Zeichen: "Die Jungs haben es als eine verpasste Möglichkeit gesehen, deswegen ist es schmerzhaft. Das sollte es auch sein, damit wir für die Zukunft motiviert sind." Für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) war die Weltmeisterschaft der Beweis, dass die überraschende Wahl des unerfahrenen Söderholm richtig war. "Wie er trainiert hat, wie er die Ansprache gestaltet hat, zeigt, dass wir den absolut richtigen Trainer verpflichtet haben", meinte Sportdirektor Stefan Schaidnagel: "Das Team hat mehr als positiv reagiert." Auch wenn am Ende die Enttäuschung groß war.

Quelle: n-tv.de, Thomas Lipinski, sid

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