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Mit Prokop möglichst zu Olympia DHB erteilt Trainer-Unruhe eine Abfuhr

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Für Christian Prokop geht's mit dem deutschen Team weiter.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Nach dem überzeugenden EM-Auftritt der deutschen Handballer gegen Österreichs ist die Diskussion um Bundestrainer Christian Prokop verstummt. Auch wenn die Mannschaft das Halbfinale verpasst, bleibt er im Amt. Und hat zuletzt starke Argumente dafür gesammelt.

Zwischen dem zum Charaktertest hochgejazzten Match gegen Österreich und dessen Fortsetzung in der bedeutungslosen Partie gegen Tschechien am Mittwochabend (ab 20.30 Uhr) scheint die zentrale Frage umfassend geklärt. Im Lager der deutschen Handballer herrscht vor dem abschließenden Hauptrundenspiel bei dieser Europameisterschaft in einem Punkt absolute Klarheit. Auch wenn nach den Auftritten in Trondheim und Wien das erklärte Ziel Halbfinale bei der EM knapp verpasst wurde, vertraut der Deutsche Handballbund auch weiterhin auf die Dienste seines Bundestrainers. Will heißen: Bei der vom 17. bis 19. April in Berlin stattfindenden, so überaus wichtigen Olympia-Qualifikation wird Christian Prokop das Team trainieren. Daran ließ Sportvorstand Axel Kromer keinen Zweifel: "Nach den Statements von gnadenlos überzeugten Spielern, die überhaupt kein Verständnis für die um die Person Prokop entstandene Unruhe haben, stelle ich fest, dass es intern nie eine Diskussion dieser Art gegeben hat."

Überraschend kam das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Schließlich hatten die deutschen Handballer abends zuvor in jener Begegnung gegen den Gastgeber erstaunlich abgeliefert. Nur zwei Tage nach der demoralisierenden 24:25-Niederlage gegen Kroatien, die gleichbedeutend mit dem Verpassen des Halbfinales war, hatte das Prokop-Team eine erhoffte, aber nicht unbedingt erwartete Wiederauferstehung gefeiert. Mit 34:22 fertigte die DHB-Auswahl den Gegner aus Österreich ab und bewies trotz frühen Rückstands eine enorme Moral.

"Ein toller Trainer"

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Timo Kastening hat Prokop viel zu verdanken.

(Foto: imago images/Agentur 54 Grad)

Zwar fehlten dem Kontrahenten schon nach rund 20 Minuten die erforderlichen Mittel, um dem überlegenen Gegner die Stirn zu bieten, doch die Art und Weise, wie entschlossen die DHB-Auswahl auftrat, beeindruckte. Sie beeindruckte vor allem auch die vielen Skeptiker, die über Prokop und sein Team bereits das Schwert brechen wollten. "Jeder, der Leistungssport betreibt, weiß, wie schwer es ist, sich neu zu motivieren, wenn man gerade die Halbfinal-Teilnahme begraben musste", sagte Prokop nach dem Spiel. "Insofern hat die Mannschaft Charakter gezeigt, und davor ziehe ich den Hut."

Das Team um Kapitän Uwe Gensheimer spielte ganz sicher so stark auf, um sich für die in ihren Augen ungerechtfertigte Kritik nach der Niederlage gegen Kroatien zu rehabilitieren. Offensichtlich ging es dabei aber auch um den Trainer dieser Mannschaft, der im Falle einer Niederlage gegen das international wohl eher zweitklassige österreichische Handball-Kollektiv um seine Weiterbeschäftigung beim Verband zumindest hätte bangen müssen. Kreisläufer Yannick Kohlbacher brach eine Lanze für seinen Coach, als er sagte, dass Prokop "ein toller Trainer", sei, der "tolle Arbeit leistet. Eine Diskussion um seine Person kommt für mich überraschend." Und auch Rechtsaußen Timo Kastening, bislang die Entdeckung dieser EM, ergänzte: "Du verlierst mit einem Tor gegen Kroatien, und dann wird der Trainer in Frage gestellt. Dafür habe ich kein Verständnis."

Auch Bob Hanning fand ausschließlich lobende Worte für seinen Trainer und dessen Team. "Es war eine gute Reaktion, weil es nicht einfach ist, aus einem tiefen Tal herauszukommen." Dabei war es der Vizepräsident des Verbandes höchstselbt, der mit einer Formulierung nach dem Kroatien-Spiel erst für Irritationen dieser Art gesorgt hatte, als er sagte, man werde nun sehen, was diese Mannschaft mit dem Trainer mache. Zwar relativierte Hanning tags darauf seinen Ausspruch und ergänzte das Wort "gemeinsam", doch da war der Satz lang schon in der Welt und sorgte für aufgeregtes Heruminterpretieren, ob der Trainer sich noch auf die Rückendeckung seines Arbeitgebers verlassen könne.

Prokop kontert Kritiker

Nach dem Spiel gegen Österreich haben sich viele Wogen nun wieder geglättet. Doch ungeachtet der beeindruckenden Auftritte seiner Mannschaft steht Prokop auch weiterhin in der öffentlichen Kritik. Sein Scheitern beim Debüt-Turnier bei der EM 2018 in Kroatien hängt ihm offensichtlich immer noch nach. Der häufigste Vorwurf: Bei drei Turnieren habe er noch nicht einmal abgeliefert, stets fahre die Mannschaft ohne Medaille nach Hause. Doch lässt man den positiven Ausreißer von 2016, als die deutschen Handballer völlig überraschend Europameister wurden, einmal außen vor, so wartet der DHB seit dem WM-Titel 2007 auf Edelmetall. So jemand wie Prokop mag solche Diskussionen verständlicherweise überhaupt nicht. Er richte seinen Blick nicht auf das große Ganze der fast drei Jahre seiner Bundestrainer-Tätigkeit. "Ich sehe nicht das nackte Resultat", sagt er. "Mein Maßstab liegt woanders. Ich sehe, wie die Mannschaft sich entwickelt, wie sie sich zerreißt und wie sie Fans mitnimmt. Das ist entscheidend."

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Axel Kromer versteht die Unruhe nicht.

(Foto: imago images/wolf-sportfoto)

Die Kritik der vergangenen Jahre ist sicher nicht spurlos an ihm vorübergegangen. "Ich lese nicht mehr allzu viel, was mich betrifft", sagt er, muss sich dann aber doch mit ihr auseinandersetzen. "Ich kann es verstehen, wenn über den Trainer diskutiert wird", so Prokop. "Aber doch nicht nach dem Kroatien-Spiel. Wenn dann das Thema aufgemacht wird, ist das schon sehr bitter." Er kann für sich in Anspruch nehmen, dass seine Mannschaft hier bei dieser EM große Handball-Nationen wie Frankreich oder Dänemark, die bereits nach der Vorrunde die Segel streichen mussten, hinter sich gelassen hat. Aber da ist er sinneseins mit seinem Sportvorstand Kromer, der derlei Vergleichen eine klare Absage erteilt. "Wir sagen nicht: Schau mal, die sind schlechter als wir. Vielmehr ist es so, dass die ihre Baustellen haben, und wir unsere."

Die nächste Baustelle des DHB ist die Olympia-Qualifikation im April. Und auch, wenn die deutsche Mannschaft bei dieser EM noch zwei Spiele zu absolvieren hat, liegt der Fokus längst auf dieser Herausforderung, die unbedingt gemeistert werden soll. Zur Vorbereitung dient lediglich ein Länderspiel gegen die Niederlande im März. "Da bleibt nur wenig Zeit", sagt Prokop. "Insofern wäre es fahrlässig diese beiden noch ausstehenden Spiele nicht zu nutzen. Wir wollen weiter eingespielt bleiben und dieses gute Gefühl, dass die Mannschaft gerade für sich entwickelt, unbedingt behalten."

Quelle: ntv.de