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Sport in Corona-Zeiten Darts-Legenden spielen im Homeoffice

Raymond van Barneveld und Phil Taylor sind die erfolgreichsten Dartspieler aller Zeiten. Auf den obligatorischen Handshake müssen Sie im Online-Duell verzichten.

Auf den Handshake müssen die Darts-Legenden "Barney" und "The Power" im Online-Duell verzichten.

(Foto: Action Images)

Statt grölender Fans in Bierlaune hört man nur das Klacken der Pfeile im Dartsboard. Turniere auf der großen Bühne gibt es in Corona-Zeiten nicht, aber zumindest online geht es im Dartsport weiter. Selbst für die zwei größten Legenden des Spiels.

"One Hundred Eighty" schallt es leise aus dem Bildschirm, als Nathan Aspinall die 180, die perfekte Aufnahme im Darts, zum ersten Mal an diesem Abend wirft. Auf die Reibeisenstimme von Caller Russ Bray mit seinem langgezogenen "One Hundreeed and Eightyyyy" müssen Darts-Fans in Zeiten der Coronavirus-Pandemie indes verzichten. Momentan sagen die Spieler ihre Scores selbst an.

Der Profidartverband PDC hat sich etwas einfallen lassen, um auch in dieser Zeit Live-Sport zu bieten. Immer mittwochs treten ausgewählte Spieler der PDC in der Turnierserie "Darts At Home" gegeneinander an. So auch in dieser Woche, als Nathan Aspinall, der Weltranglisten-Siebte, das Event gegen Jelle Klaasen, Steve Beaton und Stephen Bunting, allesamt frühere Weltmeister des Amateurverbands BDO, für sich entscheidet. "Es hat großen Spaß gemacht, das ein oder andere Highfinish war dabei", freute sich Nathan Aspinall, der die Abwechslung vom Trainingsalltag sichtlich genoss.

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Als das Coronavirus Anfang März die Sportwelt in Kontinentaleuropa längst infiziert hatte, war die PDC noch demonstrativ lässig geblieben. Solange es keine behördliche Anordnung gebe, Turniere zu stoppen, werde der Darts-Zirkus weiterziehen wie bisher, sagte PDC-Chef Barry Hearn der britischen "Sun". Er habe eine Verantwortung gegenüber den Spielern, die ihr Geld verdienen müssten. Einen Monat später ist von solchen Aussagen nichts mehr zu hören oder zu lesen.

Offizielle Turniere im Webcam-Format?

Die PDC steht seit Mitte März still. Es vergeht keine Woche, ohne dass Turniere abgesagt oder deren Verschiebung angekündigt wird. In der Szene wird längst schon die Austragung der Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Frage gestellt. Kein Wunder, denn ohne Fans kann sich der Sport nicht entfalten. Das gilt für kaum einen Sport so sehr wie für Darts. Erst durch die Öffnung von einer reinen Kneipensportart hin zum Mega-Event mit Tausenden Zuschauern, hat Darts das Nischendasein verlassen.

Die Coronavirus-Pandemie macht jetzt aber einen großen Schritt zurück erforderlich. Zwar kann man logischerweise nicht in den Pubs spielen, doch zuhause lässt sich der Sport genauso gut ausüben. Das ist der große Vorteil von Darts in Corona-Zeiten: Pfeile lassen sich ohne gesundheitliches Risiko im eigenen Haus werfen. Das hat auch die PDC erkannt und veranstaltet statt der finanziell lukrativen "Premier League Darts" die Turnierserie "Darts at Home". Die Spieler richten eine Webcam auf ihr Dartboard, können die Würfe ihres Gegners via Internet hören und sehen.

Kommentator Dan Dawson begleitet das Geschehen. Die Spiele werden auf Youtube, Facebook und Twitter in alle Welt gestreamt. Als Zuschauer hat man es zwar nicht immer leicht, zu erkennen, ob der Dart in der Triple 20 oder in der Single 20 gelandet ist, und auch die Spieler müssen auf die Ehrlichkeit ihrer Kontrahenten vertrauen, aber den Darts-Fans gefällt es trotz der ausbaufähigen Übertragung fernab der gewohnten HD-Qualität. Einige fordern bereits, dass während der Corona-Krise offizielle Turniere im Webcam-Format ausgetragen werden.

Während die Partien im Rahmen von "Darts At Home" aber kaum mehr als Freundschaftsspiel-Charakter haben, geht es in anderen Wohnzimmern dieser Welt schon ernster zu. 545 (!) teils mehr, teils weniger bekannte Spieler nehmen momentan an einem Turnier mit dem passenden Namen Covid (Championship Of Varius International Darter) teil, darunter etliche bekannte Deutsche, zum Beispiel Kevin Münch, der bei der WM 2018 sensationell gegen Doppel-Weltmeister Adrian Lewis gewonnen hatte. Ausgewählte Partien werden im Facebook-Stream gezeigt.

Wettanbieter sind schon aufgesprungen

In Zeiten der Corona-Isolation findet in zehn Wohnzimmern Tschechiens sogar eine Art Premier League statt. Weil das Original mit den Topleuten van Gerwen, Aspinall, Wright, Price & Co pausiert, spielen die besten Akteure Tschechiens ihren eigenen Premier League-Champion aus. Der Modus orientiert sich dabei stark am Original. Nur Zuschauer gibt es keine und die Spieler sehen sich ebenfalls nur per Webcam. Preisgeld lobt der ausrichtende Wettanbieter ebenfalls nicht aus, dafür spendet die Firma für jede geworfene Höchstaufnahme von 180 Punkten 500 Tschechische Kronen (etwa 20 Euro) für den Kauf von medizinischem Equipment im Kampf gegen das Coronavirus.

Und auch in England sind Wettanbieter auf den Darts-Homeoffice-Zug aufgesprungen. Die Ex-Weltmeister Raymond van Barneveld und Mark Webster nehmen in dieser Woche zusammen mit den früheren Spitzenspielern Andy Jenkins und Paul Nicholson an der "Icons of Darts League" teil. Die Partien werden live von etlichen Wettanbietern übertragen, die so neue Kunden gewinnen wollen.

Für Raymond van Barneveld ist die Turnierserie die Bewährungsprobe für ein ganz großes Duell. Heute Abend trifft "Barney" auf seinen langjährigen Rivalen Phil "The Power" Taylor. Mit dem ungewönhlichen Match wollen die beiden Darts-Legenden Geld für Wohltätigkeitsorganisationen sammeln. Ein britischer Wettanbieter will für jede "One Hundred and Eighty" 1.000 Pfund (etwa 1.100 Euro) beisteuern. "Wir lieben es, dieses Match für alle Dartsfans auf der ganzen Welt zu spielen. Und für die Menschen, die ununterbrochen arbeiten, um allen zu helfen, die sich von der schrecklichen Krankheit erholen", schreibt van Barneveld auf Twitter. Auch diese Partie wird live in alle Welt gestreamt, es gibt aber einen großen Unterschied.

Das Duell zwischen dem fünf- und dem 16-fachen Weltmeister wird auf elektronischen Dartscheiben ausgetragen, die per Internet miteinander verbunden sind. Die erzielten Punkte werden so direkt an den Kontrahenten übermittelt. Aber "The Power" und "Barney" waren der Darts-Welt immer schon einen Schritt voraus.

Quelle: ntv.de