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Nach Debakel bei Basketball-WM Der DBB sabotiert sich, statt aufzuarbeiten

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Will sonst denn keiner? Dennis Schröder war mit 19,6 Punkten und 9,4 Assists pro Spiel Deutschlands Bester in China - und der Einzige, der in entscheidenden Situation den Ball forderte.

(Foto: imago images / Camera 4)

Mit großen Erwartungen reisen die deutschen Basketballer zur WM. Tief enttäuscht kehrt das DBB-Team zurück. Verbandschef Ingo Weiss versucht, Platz 18 als Erfolg zu verkaufen. Er sabotiert die Aufarbeitung des Misserfolgs - und riskiert ein erneutes Scheitern.

Hoch gelobt, tief gefallen: "Zwischenrunde" lautete das Minimalziel der deutschen Basketballer für die WM in China. Nach zwei Niederlagen zum Auftakt war dieses Minimalziel zum frühestmöglichen Zeitpunkt bereits verpasst. Dass danach drei Siege folgten? Schadensbegrenzung, mehr nicht. Mit Rang 18 wahrte das DBB-Team zwar die Chance, sich im Sommer 2020 noch für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, aber nicht nur die Platzierung bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der deutsche Kader galt als der talentierteste der deutschen Basketball-Historie, auf dem Feld war davon wenig zu sehen. In keiner der fünf Partien konnte das Team von Bundestrainer Henrik Rödl vollends überzeugen, mit dem 68:70 gegen die Dominikanische Republik im Alles-oder-nichts-Spiel als Tiefpunkt.

Trotzdem versucht DBB-Präsident Ingo Weiss nun, das völlig verkorkste Turnier als Erfolg umzudeuten. Natürlich hat er recht, wenn er sagt, dass den zwei Niederlagen ja drei Siege gegenüberstehen. "Und trotzdem werden über uns Kübel voller Scheiße ausgeschüttet", schimpft der Chef. Es waren aber eben nicht nur zwei Niederlagen. Das weiß auch Weiss: "Das waren natürlich zwei entscheidende Spiele."

Kein Aufbäumen zu erkennen

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Gegen Frankreich, immerhin WM-Dritter 2014, kam trotz des 74:78-Endstandes nie das Gefühl auf, Deutschland könne die Partie noch drehen. Darauf folgte die Blamage gegen die Dominikanische Republik. Der hochgelobte Kader um die NBA-Profis Dennis Schröder, Daniel Theis und Maximilian Kleber wirkte bestenfalls lethargisch, schlimmstenfalls lustlos. Kein Aufbäumen, kein Kampf, während der Gegner sich in einen Rausch und anstelle des DBB-Teams in die Zwischenrunde spielte.

"Warum kann man nicht auch einmal sagen, dass die Jungs sich bis zum Ende den Arsch aufgerissen haben?", fragt Weiss. Weil das von außen nicht zu erkennen war, lautet die Antwort. In keinem der fünf Auftritte überzeugten "die Jungs" komplett, auf jede gute folgte mindestens eine arg schwache Phase. Zusätzlich wurde noch eine eklatante Schwäche im deutschen Kader auffällig.

Es droht das nächste Debakel

"Wir haben mittlerweile so viele Spieler, die in ihren Klubs Verantwortung übernehmen", hatte Rödl vor der WM im Interview mit der Rheinischen Post gesagt. Als es dann aber gegen die Dominikanische Republik darum ging, Verantwortung zu übernehmen, meldete sich allein Dennis Schröder. Der 25-jährige Spielmacher hat sich in sechs NBA-Jahren ein großes Selbstbewusstsein erarbeitet, blieb bei der WM jedoch hinter den Erwartungen zurück. Und bewies dennoch, dass er nach dem Karriereende von Dirk Nowitzki der mit Abstand beste deutsche Basketballer ist. Dessen Ex-Teamkollege Maxi Kleber nahm in dieser Partie nicht einen einzigen Wurf.

Nach dieser zweiten Pleite im zweiten Spiel fand übrigens auch der Verbandschef klare Worte: "Wir haben nicht abgeliefert. Das ist großer Mist!" Besonders der erste Satz funktioniert als Fazit des DBB-Auftritts bei der WM. Trotz viel Lob im Vorfeld, trotz viel Talent, trotz großer Hoffnungen - das Team hat nicht abgeliefert. Daran ändern auch die mühevollen Erfolge gegen die hoffnungslosen Außenseiter Jordanien und Senegal nichts, ebenso wenig wie der Sieg gegen Kanada in einem Spiel, dem seine Bedeutungslosigkeit anzusehen war. Das weiß hoffentlich auch Ingo Weiss. Die Verantwortung für das Scheitern liegt beim Team, liegt bei Bundestrainer Rödl, liegt beim DBB. Ohne eine ernsthafte Aufarbeitung droht dem deutschen Basketball statt Olympia 2020 das nächste Debakel.

Quelle: n-tv.de

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