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Prozess gegen Diack vertagt Der Pate der Leichtathletik muss warten

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Lange blieb Diack nicht im Gericht. Allerdings steht der 86-Jährige seit 2015 unter Hausarrest.

(Foto: imago images/IP3press)

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Lamine Diack soll als Chef der Leichtathletik-Welt einen der größten Skandale des Sports beaufsichtigt haben. Doch kurz nach dem Auftakt ist der Prozess gegen den Funktionär schon wieder vertagt. Denn es gibt neue Erkenntnisse über sein "wahrhaft kriminelles" System.

Lamine Diack hatte in seinem schicken schwarzen Anzug gerade erst auf der Anklagebank Platz genommen, da war der Prozess gegen den Leichtathletik-Paten auch schon wieder vorbei. Zumindest vorerst. Die Aufarbeitung eines der größten Skandale im Weltsport zieht sich weiter hin. Unmittelbar nach Beginn des weltweit beachteten Verfahrens wegen Geldwäsche, bandenmäßiger Kriminalität sowie aktiver und passiver Korruption wurde der Prozess in Paris sofort wieder verschoben. Nun soll es im Juni ernst werden für Diack.

Der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF verzögere sich, weil der Senegal "erst vor kurzem" Ermittlungshandlungen eingeleitet hat, die bereits im Jahre 2016 beantragt wurden, erklärte Kammerpräsidentin Rose-Marie Hunault. Unter anderem kamen aus Dakar erst am Montagmorgen Dokumente über eine Befragung von Diacks Sohn Papa Massata Diack, der wie der Senior als Schlüsselfigur in dem laut Anklage "wahrhaft kriminellen" System gilt.

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Diacks Sohn Papa Massata versteckt sich offenbar im Senegal vor den französischen Behörden.

(Foto: imago/Kyodo News)

"Wir konnten sie nicht studieren", sagte Finanzstaatsanwalt Arnaud de Laguiche über die Unterlagen und wedelte vor den Richtern mit einem Stapel Papier: "Wir können nicht so tun, als ob diese Stücke nicht existieren." Papa Massata Diack soll sich im Senegal aufhalten, die Regierung in Dakar weigert sich aber - trotz internationalen Haftbefehls - ihn an Frankreich auszuliefern. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wurde er jedoch im November in Dakar wegen der Vorwürfe gegen ihn und seinen Vater im Rahmen einer separaten senegalesischen Untersuchung befragt.

Für Geld verschwinden positive Dopingtests

Lamine Diack, der von 1999 bis 2015 an der Spitze des IAAF (heute World Athletics) stand, wird vorgeworfen, Bestechungsgelder für vertuschte positive Dopingtests erpresst zu haben. Allein 23 russische Athleten sollen jeweils zwischen 100.000 und 600.000 Euro gezahlt haben, um bei den Olympischen Spielen 2012 in London und den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau starten zu können. Insgesamt sollen Diack und seine Komplizen 3,45 Millionen Euro Schmiergeld für fallengelassene Dopingdelikte kassiert haben, wie die französische Finanzstaatsanwaltschaft in über vier Jahren Arbeit ermittelt hat.

Dem 86 Jahre alten Senegalesen Diack, der selbstbewusst in den Gerichtssaal trat, drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine hohe Geldstrafe. Er wurde im November 2015 verhaftet und stand seitdem unter Hausarrest. Alle Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Neben Diack und seinem Sohn sind noch vier weitere Personen angeklagt: Walentin Balachnitschew, der Ex-Präsident des russischen Verbandes sowie Schatzmeister unter Diack, der ehemalige russische Cheftrainer Alexej Melnikow, Gabriel Dolle, ehemaliger Direktor des Anti-Doping-Programms des mittlerweile umbenannten Weltverbandes, und Habib Cisse, ein ehemaliger Berater von Diack.

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) dürfte das weitere Verfahren mit Interesse verfolgen. Schließlich soll Diack als einer der einst mächtigsten Sportfunktionäre der Welt die Stimmen afrikanischer Länder bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio und 2020 nach Tokio verkauft haben.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa/sid