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Der Titel geht nur über L.A. Der ewige Verlierer schielt auf die NBA-Krone

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Der beste Spieler der jüngsten NBA Finals gegen den besten Spieler seiner Generation. Kawhi Leonard (links) gegen LeBron James. Clippers gegen Lakers. Wer setzt sich durch und regiert Los Angeles?

Der Unterschied zwischen den Basketball-Teams in Los Angeles ist riesig. Hier die Lakers, der 16-fache NBA-Champion. Dort die Clippers, lange Sinnbild für Misserfolg. Mit Kawhi Leonard und Paul George wollen sie die Vorherrschaft der Lakers brechen - doch auch die haben aufgerüstet.

Die Hauptstadt des Basketballs liegt in diesen Tagen an der Westküste der USA, in Los Angeles. Von dort aus melden gleich zwei Teams für die kommende NBA-Saison Ambitionen auf die Meisterschaft an, beide ausgerüstet mit neu formierten Superstar-Duos. Auf der einen Seite die stolzen, wiedererstarkenden Lakers um LeBron James und Anthony Davis. Auf der anderen die einst chronisch erfolglosen Clippers, die nach den Verpflichtungen von Kawhi Leonard und Paul George jetzt sogar als Top-Favorit gelten.

Die Los Angeles Clippers sind ein hochgehandelter Anwärter auf den NBA-Titel. Diese Aussage hätte noch vor nicht allzu langer Zeit bestenfalls Gelächter ausgelöst und schlimmstenfalls nicht jugendfreie Beleidigungen über die eigene Expertise zur besten Basketball-Liga der Welt nach sich gezogen. Mit ihrem Superstar-Tandem aber hat das "kleine" Team aus L.A. die Chance, sich aus dem Schatten des großen Nachbarn mit dem Namen Lakers zu spielen.

Kawhi Leonard

Im Juni führte Kawhi Leonard die Toronto Raptors zu ihrem ersten NBA-Titel, im Juli schloss er sich den Los Angeles Clippers an. Der 28-Jährige wurde wie schon 2014 zum zweiten Mal als bester Spieler der Finalserie ausgezeichnet.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Dass die Lakers-Fans mit dem Titel liebäugeln, gehört währenddessen zur DNA des 16-fachen Meisters. In der ewigen Tabelle, die die Clippers auf Rang 29 führt, stehen sie auf Platz zwei. Nur elfmal in 71 NBA-Saisons fand die Postseason ohne "Purple & Gold" statt - seit 2013 allerdings sechsmal nacheinander. Das derzeit erfolgreichere Team im Süden Kaliforniens sind unzweifelhaft die Clippers, die in den vergangenen acht Jahren siebenmal die Playoffs erreichten. Seit 2013 haben die Clippers in jeder Saison mehr Spiele gewonnen als die Lakers und auch das direkte Duell ging in sechs von sieben Fällen an die Franchise, die lange Sinnbild für institutionellen Misserfolg war.

Coach Rivers krempelt die Clippers um

Diese Vorherrschaft aufzuweichen, das ist die Aufgabe von Glenn "Doc" Rivers. Seit 2013 ist er als Headcoach der Clippers im Amt, vorher hatte er neun Jahre lang als Trainer der Boston Celtics gearbeitet und diese 2008 zur Meisterschaft geführt - mit einem Finalerfolg über die Lakers. Der Start war verheißungsvoll, gleich in seiner ersten Saison in Los Angeles gewannen die Clippers 57 von 82 Spielen und damit so viele wie noch nie. Danach aber stagnierte die Entwicklung, mehr als die zweite Playoff-Runde war nicht drin. Rivers entschied sich zum Reset, trennte sich per Trades von seinen verletzungsanfälligen Stars Chris Paul und Blake Griffin und holte im Gegenzug einen Mix aus entwicklungsfähigen Talenten und gestandenen Rollenspielern.

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In der abgelaufenen Saison 2018/19 kam dieses neu zusammen gestellte Team auf 48 Siege - und scheiterte zwar erneut in der ersten Playoff-Runde, allerdings erst nach hartem Kampf gegen den späteren Finalisten Golden State Warriors. Die Richtung stimmte wieder dank des Umbruchs und die positive Entwicklung fand ligaweit Anerkennung. Statt nach dem Abschied großer Namen jahrelang in der Versenkung zu verschwinden, blieben die Clippers relevant. Und machten sich dadurch interessant für die Spieler, die in diesem Sommer einen neuen Arbeitgeber suchten.

Clippers erfüllen Leonards Wunsch

Dazu zählte auch Kawhi Leonard, der aktuell wohl beste Spieler der NBA. Er führte im Juni die Toronto Raptors zur Meisterschaft und wurde als wertvollster Akteur der Finalserie ausgezeichnet. Jetzt hat mit Leonard nicht nur ein NBA-Superstar bei den Clippers unterschrieben, sondern dafür auch den Lakers abgesagt.

Über die Gründe lässt sich nur mutmaßen, auch weil Leonard nur selten Einblick in seine Gedanken gibt. Der 28-Jährige gilt als medienscheu, steht trotz seiner exponierten Rolle auf dem Feld abseits davon lieber in der zweiten Reihe. Vielleicht zog Leonard, der in der Nähe von Los Angeles aufgewachsen ist, auch deshalb die Clippers vor - weil es dort wesentlich ruhiger zugeht als bei den Lakers, deren Edelfan und Schauspieler Jack Nicholson die Nähe zu Hollywood illustriert.

Ein umso gewichtigeres, weil sportliches Argument, brachte zudem Clippers-Coach "Doc" Rivers ein: Er erfüllte die von Leonard gestellte Aufgabe, einen zweiten Superstar zu holen: Paul George kam per Trade von den Oklahoma City Thunder nach Kalifornien. George gilt ebenso wie Leonard als sogenannter "Two-Way-Player", also als Spieler, der offensiv wie defensiv kaum Schwächen aufweist.

Davis' Frust kommt James gerade recht

Paul George

Paul George soll die Los Angeles Clippers gemeinsam mit Kawhi Leonard zum NBA-Titel tragen.

(Foto: www.imago-images.de)

Aber auch die Lakers haben weiter aufgerüstet, nachdem im vergangenen Jahr mit LeBron James der beste Spieler seiner Generation einen Vierjahresvertrag unterschrieben hatte. Doch selbst James, der zuvor in Miami und Cleveland achtmal in Folge die Finals erreicht hatte, konnte das Team nicht zurück in die Playoffs führen. Deshalb forderte er vom Management, ihm einen Superstar an seine Seite zu stellen. Dass Anthony Davis mit der Entwicklung seiner New Orleans Pelicans unzufrieden war, kam James da gerade recht - und nach zähen Verhandlungen wurde ihnen der gemeinsame Wunsch erfüllt, künftig im selben Trikot aufzulaufen.

Auch wenn James mit inzwischen 34 Jahren und in seiner 17. NBA-Saison nicht mehr die Physis und Konstanz seiner besten Tage hat, zählt er weiterhin zu den besten Akteuren der Liga. Davis, mit 26 Jahren deutlich jünger als James, ist nicht nur aufgrund seiner Athletik einer der spektakulärsten Spieler. Gemeinsam mit James weckt er bei den Fans, aber auch bei den Bossen die Hoffnung, nicht nur nach 2012 endlich wieder eine Playoff-Serie zu gewinnen, sondern Meisterschaft Nummer 17 ins Visier zu nehmen.

Damit greifen erstmals beide NBA-Teams der Stadt nach dem Titel, seit die Clippers 1984 ihre Zelte in San Diego ab- und nach Los Angeles aufbrachen. Dorthin, wo zu jener Zeit die "Showtime Lakers" um Earvin "Magic" Johnson nicht nur mit Spektakel begeisterten, sondern auch gerade die dritte von vier aufeinanderfolgenden Meisterschaften (1982 bis 1985) feierten. Während die Lakers damals von Erfolg zu Erfolg eilten, brachte der Umzug den Clippers nur wenig Glück. Im Gegenteil: Von 1984 bis 2011 fuhr das Team nur in drei Saisons mehr Siege als Niederlagen ein. Die Mischung aus Unvermögen, schlechtem Management und Verletzungspech war bisweilen so spektakulär, dass vom "Clippers-Fluch" die Rede war.

Werden aus den Mitbewohnern jetzt Rivalen?

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Eine ernstzunehmende Rivalität zwischen Lakers und Clippers entwickelte sich trotz der räumlichen Nähe schon allein deshalb nicht, weil die sportlichen Realitäten meilenweit auseinander lagen. Die beiden sind eher Mitbewohner als Rivalen und teilen sich seit 1999 eine gemeinsame Spielstätte. Im Staples Center liegen die Kabinen beider Teams gerade einmal 21 Meter auseinander, die Umkleide der Clippers ist - natürlich - etwas kleiner.

Unter der Hallendecke hängen die Banner der Lakers, die an die 16 Meisterschaften erinnern. Die Clippers haben in ihren insgesamt 49 NBA-Jahren überhaupt erst fünf Playoff-Serien gewonnen, über die zweite Runde ging es dabei nie hinaus. Daran etwas zu ändern, wird der Mindestanspruch für die neue Saison sein.

Vielleicht kommt es dabei ja zum ersten Aufeinandertreffen der beiden L.A.-Teams in den Playoffs, zum ersten echten "Hallway Derby". Was übrigens wesentlich glamouröser klingt als die deutsche Übersetzung "Flur-Duell". Vielleicht wird aus der Nachbarschaft dann ja tatsächlich eine echte sportliche Rivalität.

Quelle: n-tv.de

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