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Mit Michael Jordan nach Paris Diesen Plan verfolgt die NBA in Europa

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Nicht nur das Spiel selbst soll die Begeisterung für den Basketball wecken. In den Tagen zuvor gibt es in Paris unter anderem Trainingseinheiten mit Ex-Stars.

(Foto: REUTERS)

Zwei Teams schickt die NBA nach Europa: Das eine führt die US-Liga an, das andere gehört dem besten Basketballer aller Zeiten. Am Freitag um 21 Uhr treffen in Paris die Milwaukee Bucks und die Charlotte Hornets aufeinander. Was sich die NBA davon erhofft und was die Idee dahinter mit der Fußball-Bundesliga zu tun hat.

Wieso spielt die NBA außerhalb der USA?

In einem Wort: Marketing. Das Produkt ist die beste Basketball-Liga der Welt. Rund um das sportliche Spektakel ist längst eine milliardenschwere (Sport-)Industrie gewachsen. 108 der 450 NBA-Profis sind "international players", wie Ralph Rivera jüngst gegenüber "Forbes" sagte. Rivera ist Europa-Chef der NBA: "Das macht uns zu einer globalen Marke", die Fans würden sich in den Spielern wiedererkennen, die aus ihrem Land oder aus ihrer Region kommen. Und um dieses Produkt noch bekannter zu machen, expandiert die NBA und trägt ihre Spiele in die Welt.

Einen ähnlichen Weg geht die Fußball-Bundesliga: Dass der FC Bayern und Borussia Dortmund in der Saisonvorbereitung um die halbe Welt reisen, hat nicht nur sportliche Gründe. Auch wenn sie dann in China oder den USA gegen europäische Top-Klubs antreten. Die NBA geht dabei einen Schritt weiter und trägt reguläre Saisonspiele außerhalb ihrer Heimat aus. Anfang der 1990er-Jahre zunächst in Japan, 1997 erstmals in Mexiko, seit 2011 gastiert die NBA auch in Europa. Nach neun Spielen in London wird es am Freitag erstmals auf dem europäischen Festland ernst: Der Titelfavorit Milwaukee Bucks trifft auf die Charlotte Hornets - das Team, das Michael "Air" Jordan gehört.

Warum ausgerechnet in Paris?

Kein europäisches Land hat mehr aktive NBA-Profis als Frankreich, derzeit sind es elf. Beim Spiel in Paris wird einer von ihnen dabei sein: Nicolas Batum. Seit 2008 ist er in der Liga, mit der französischen Nationalmannschaft wurde er 2013 Europameister und holte im vergangenen Sommer bei der WM in China Bronze. In seiner Heimat ist der 31-jährige Flügelspieler der Charlotte Hornets ein Star. Dazu kommt, dass die NBA nirgendwo in Europa mehr Merchandise verkauft als in Frankreich.

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Als Spieler nahezu unantastbar, als Teambesitzer noch ohne große Erfolge: Michael Jordan.

(Foto: USA Today Sports)

Dass die Hornets in Paris spielen, ist wohl kein Zufall. Der Klub gehört Michael Jordan, der vielen als bester Basketballer aller Zeiten gilt. Der inzwischen 56-Jährige hat entscheidenden Anteil daran, dass der Sportartikel-Hersteller Nike mittlerweile ein Weltkonzern ist. Nike nahm Jordan früh unter Vertrag - und schuf wenige Jahre später die nach ihm benannte Marke, deren Logo Jordans Silhouette ist. Nike ist nun auch Ausrüster der NBA, versorgt alle Teams mit Trikots. 29 von 30 Teams tragen den berühmten "Swoosh" auf der Brust. Doch weil Jordan eben Eigentümer der Charlotte Hornets ist, trägt das Team: Jordan. Genauso wie die Fußballer von Paris St. Germain.

Welchen sportlichen Wert hat das Spiel?

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Giannis Antetokounmpo sorgt für eine NBA-Premiere in Europa.

(Foto: USA TODAY Sports)

Das beste Team der NBA steht in der Pariser Arena auf dem Feld: die Milwaukee Bucks. Von 45 Spielen haben sie 39 gewonnen, davon zuletzt 7 am Stück. Das Gesicht des Teams ist Giannis Antetokounmpo. Der 25-Jährige, den sie meist einfach nur Giannis nennen, ist der amtierende MVP und auch in diesem Jahr einer der Favoriten auf die Auszeichnung als wertvollster Spieler. "Das ist glaube ich das erste Mal", sagte NBA-Europachef Rivera jüngst, "dass unser Spiel den MVP hat." Der griechische 2,11-Meter-Mann erhielt die Trophäe als zweiter Europäer. Für die Premiere sorgte ein gewisser Dirk Nowitzki im Jahr 2007.

Wo spielt die NBA sonst noch?

Seit 2014 gab es in jeder Spielzeit zwei reguläre Saisonspiele in Mexico City. Im Dezember siegten die Dallas Mavericks dort. Die Mavs werden auch im ersten Jahr nach Nowitzkis Karriereende von einem europäischen Ausnahmespieler angeführt. Luka Doncic ist in Slowenien geboren, erhielt in Spanien bei Real Madrid seine basketballerische Ausbildung und gilt nun trotz seiner gerade einmal 20 Jahre bereits als Kandidat für die Wahl des wertvollsten Spielers.

In der Preseason genannten Vorbereitung reisen Teams zudem immer wieder für Spiele nach China. Dort gab es allerdings im Herbst 2019 einen Eklat. Daryl Morey, Manager der Houston Rockets, unterstützte via Twitter die Proteste in Hongkong, die sich gegen die chinesische Regierung richten. Zwar löschte er den Tweet wenig später, doch das Verhältnis zwischen China und der NBA scheint nachhaltig gestört. Die Spiele der Rockets etwa werden nicht mehr im Staatsfernsehen gezeigt, obwohl Houston dort als mit weitem Abstand populärster Klub gilt.

... und wie sieht's mit Spielen in Deutschland aus?

An den bislang letzten Auftritt eines NBA-Teams in Deutschland erinnern sich vor allem die Fans von Alba Berlin gerne. Der Bundesligist gewann im Oktober 2014 gegen den damals frisch gekürten US-Champion San Antonio Spurs dank eines Wurfes in der allerletzten Sekunde. Zwei Jahre zuvor waren Dirk Nowitzki und Dallas Mavericks zu Gast beim Hauptstadtklub, insgesamt gab es bisher sieben Begegnungen mit NBA-Beteiligung auf deutschem Boden, keines davon gehörte jedoch zur regulären Saison.

*Datenschutz

Was bräuchte es dafür? Einen passenden Spielort, wie Rivera sagt: "Die Halle ist sehr wichtig und das nimmt schon viele Städte aus der Verlosung." Die Multifunktionsarena in Paris bietet beim Basketball rund 15.000 Plätze. Größer ist in Deutschland nur die Arena in Köln, dort findet Ende Mai das Finalturnier der Euroleague statt, des höchsten europäischen Wettbewerbs. Auch Berlins Heimspielstätte scheint die Anforderungen grundsätzlich zu erfüllen, womöglich kommt auch der im Münchner Olympiapark geplante Hallenneubau in Frage. Über eventuelle Pläne ist allerdings nichts bekannt, auch wenn NBA-Chef Adam Silver bereits vor zwei Jahren in London sagte: "Wir würden sehr gerne mehr Spiele im Ausland austragen."

Quelle: ntv.de