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"Luka-Mania" im Nowitzki-Land Doncic zertrümmert die Vorurteile der NBA

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Kaum zu verteidigen: Luka Doncic (m) überrascht in seiner ersten Saison Fans und Zweifler.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Einen wie ihn hatten sie schon lange nicht mehr in der NBA. Luka Doncic erobert die beste Basketball-Liga der Welt im Sturm. Der 19 Jahre alte Slowene von den Dallas Mavericks fasziniert - und widerlegt amerikanische Vorteile gegenüber Europäern.

Wenn Dirk Nowitzki auf Luka Doncic angesprochen wird, redet er nur von "Luka-Mania". Denn der Hype um den 19 Jahre alten Liga-Neuling der Dallas Mavericks ist riesengroß - längst nicht mehr nur in seiner slowenischen Heimat, sondern auch in Nordamerika. Der "Business Insider" bezeichnet den blonden Bubi aus Ljubljana schlichtweg als "Slovenian Sensation".

Denn die Werte, die der Spielmacher in seinen ersten NBA-Monaten vorweist, ähneln denen von Superstars wie Michael Jordan oder LeBron James. Beide gehören zum so genannten 20-5-5-Klub. Sie haben in ihrer ersten NBA-Saison im Schnitt mindestens 20 Punkte, fünf Assists und fünf Rebounds pro Partie erzielt. Doncic kommt in seinen bisherigen 55 Spielen auf 20,7 Zähler, 5,6 Assists und 7,6 Rebounds.

Nowitzki hat "so was noch nicht gesehen"

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Idole, auch für Doncic: LeBron James und Michael Jordan.

(Foto: imago/UPI Photo)

"Er hat unsere Erwartungen total übertroffen. Der ist schon so abgezockt mit seinen 19 Jahren, hat kein Loch in seinem Spiel. So was habe ich bei einem 19-Jährigen noch nicht gesehen", sagt Nowitzki im Gespräch mit ntv.de. Obwohl Doncic ein Rookie ist, spielt er nicht wie ein Neuling. Das überrascht zwar viele Amerikaner, nicht aber Mitspieler Maxi Kleber. "Die haben hier Zweifel, wenn Europäer rüberkommen. Ich glaube, der Respekt für die EuroLeague ist auch nicht ganz so da", sagt der Nationalspieler. Doncic hingegen habe gezeigt, so Kleber, dass die EuroLeague eine Top-Liga sei, in der qualitativ hochwertiger Basketball gespielt werde.

Für gewöhnlich führt der Weg in die NBA für einen Amerikaner über das College. Nur die absoluten Ausnahme-Spieler wie LeBron James oder auch Kobe Bryant schafften es einst direkt von der High School in die Basketball-Eliteliga. Was auf den europäischen Basketball-Feldern passiert, interessiert kaum. Und so haben die Wenigsten zwischen Connecticut und Kalifornien mitbekommen, was dieser Luka Doncic da am anderen Ende des Atlantiks bereits geleistet hat.

16-jähriger Anführer unter Männern

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Dirk Nowitzki, der gefeierte Superstar des letzten Jahrzehnts, hofft auf das kommende Doncic-Jahrzehnt.

(Foto: imago/Imaginechina)

Natürlich kommt es schon mal vor, dass ein 18- oder 19-Jähriger in der höchsten Liga eines Landes einige Einsätze bekommt. Aber Doncic hat bereits mit 16 bei den Männern gespielt - und zwar bei denen von Real Madrid. In Europas stärkster Liga. Beim erfolgreichsten Klub des Kontinents. Und es war tatsächlich dieser Teenager mit dem unschuldigen Milchbubi-Gesicht, der in der Spielzeit 2017/18 die gestandenen Männer um sich herum anführte. Der Real Madrid nicht nur den 34. Meistertitel in Spanien bescherte, sondern auch noch den zehnten Triumph in Europas wichtigstem Vereinswettbewerb. Zudem wurde Doncic in der spanischen Liga, in der EuroLeague und beim Finalturnier von Europas Königsklasse jeweils zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt.

Wer ihn spielen sieht, wie routiniert er dirigiert und mitunter sogar schon dominiert, der kann schnell mal vergessen, dass Doncic ja noch ein Rookie ist. Jemand, für den Land und Liga neu sind. Einer, der sich da gerade einen Lebenstraum erfüllt - und der sein Idol, LeBron James, eben nicht mehr nur im TV sieht, sondern ihm auf dem Parkett gegenübersteht. Und so war es eben dieser viel gehypte Doncic, der da Ende Oktober nach der 113:114-Niederlage der Mavericks bei den Los Angeles Lakers ganz brav und geduldig wie ein Fan vor der Umkleide der Lakers wartete, bis jemand ihm ein von James signiertes Trikot brachte. "Ich wollte dieses Jersey schon immer haben. Es ist etwas ganz Besonderes für mich", sagte er stolz und wirkte dabei tatsächlich mal wie ein 19-Jähriger.

Jünger als Nowitzkis NBA-Karriere

Als Nowitzki am 5. Februar 1999 sein NBA-Debüt gab, war Doncic noch gar nicht geboren. Nun stehen beide gemeinsam auf dem Basketball-Feld. Nowitzki wurde bei der Talentauswahl Draft unter den weltweiten Nachwuchsspielern 1998 an neunter Stelle ausgewählt. Doch der Würzburger brauchte eine Saison, um sich in der NBA einzuspielen. Doncic hingegen hat keinerlei Anpassungsprobleme oder Anlaufschwierigkeiten. Er galt lange Zeit als Nummer eins der Draftliste 2018. Doch je näher die Verteilung der Spieler im Juni rückte, desto größer wurden die Zweifel der US-Experten. Einige meinten, fehlende Athletik zu erkennen, andere bemängelten, dass er keine schnellen ersten Schritte habe. Dies sei aber nun mal für einen NBA-Spielmacher von großer Bedeutung.

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Doch nach fünf Monaten der Saison sind viele Zweifler längst zu Fans geworden. Und ob die Atlanta Hawks immer noch zufrieden sind, dass sie sich bei der Draft zwar an dritter Stelle für Doncic entschieden, ihn aber umgehend im Tausch gegen Trae Young an Dallas abgegeben haben? "Wie intelligent er spielt, wie er Sachen liest, wie er auch da ist, wenn das Spiel auf der Kippe steht, mit kühlem Kopf super Entscheidungen macht, das ist sehr beeindruckend und freut uns natürlich", sagt Nowitzki. Er war das Gros der vergangenen 20 Jahre das Gesicht der Mavericks, befindet sich nun aber auf den letzten Metern seiner Karriere. Doncic hingegen steht erst am Anfang - und wird bereits als eine Art neuer Nowitzki aufgebaut. "Ich hoffe, dass die Mavs-Fans die nächsten zehn oder 15 Jahre Spaß an ihm haben werden", sagt Nowitzki.

Kleber ein "Opfer" der "Luka-Mania"

Maxi Kleber bezeichnet Doncic als "Ausnahmetalent" und würdigt seine bisherige Leistungen mit dem Prädikat "einzigartig." Kleber ist, wenn man so will, eine Art Opfer der Luka-Mania. So schrieb er kürzlich auf seinem Twitter-Account, dass Leute ihn immer mal wieder für Doncic halten, ihn deshalb um ein Autogramm bitten würden und letztlich enttäuscht seien, wenn er ihnen sage, dass er eben nicht der Teenie-Star sei. Und deshalb will er weiteren Missverständnissen künftig vorbeugen. Auf dem Foto zum Tweet posiert Kleber in einem Trikot, das ein Fan extra für ihn kreiert hatte. Darauf steht geschrieben: I AM NOT - und darunter ist ein Foto von Luka Doncic.

Quelle: ntv.de