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Torwart-Oldie rettet THW Kiel Ein wundersames Weltklasse-Comeback

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Am Ende durfte sich Mattias Andersson von draußen freuen. Zwischendurch musste der Torwart des THW Kiel aber für den Erfolg mitschuften.

(Foto: imago images/Claus Bergmann)

Eigentlich ist Mattias Andersson schon seit zwei Jahren kein Handball-Torwart mehr. Doch das hält die Verantwortlichen des THW Kiel nicht davon ab, den einstigen Weltklasse-Keeper mit 42 Jahren ganz kurzfristig ins Tor zu stellen. Und was macht der Schwede? Wird zum Matchwinner.

Weltklasse verlernt man offenbar nicht: Mattias Andersson ist 42 Jahre alt, wurde im Jahr 2000 mal Handball-Europameister, gewann zweimal die Champions League und holte 2012 Olympia-Silber in London. Vor zwei Jahren beendete Andersson seine lange Karriere und ist seitdem beim THW Kiel als Torwarttrainer tätig. Doch eine Verletzung von Weltklassenachfolger Niklas Landin und kurzzeitiges Fangpech dessen Vertreters Dario Quenstedt führte Andersson am Dienstagabend im Bundesliga-Spiel seines THW Kiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf über die Ersatzbank zurück ins Tor. Und was machen Weltklassekeeper (a.D.) dann, wenn sie Großes vollbringen müssen? Genau.

"Bei Mattias Anderssons Einwechslung ging es darum, Dario eine Pause zu verschaffen. Mattias hat dann gleich seine Erfahrung und Klasse unter Beweis gestellt - das verliert man einfach nicht", bestätigte THW-Kiel-Trainer Filip Jicha die These "Einmal Weltklasse, immer Weltklasse": Es war die 25. Minute, als der alte Schwede ran musste. Quenstedt hatte bis dahin wenig zu fassen bekommen, der THW Kiel, eine der besten Mannschaften der Welt, lag gegen Hannover mit 12:15 zurück.

Ein Ruck musste her. Zwei Tore kassierte Andersson, dann gelang, was sich Jicha erhofft hatte: Bei einem Durchbruch am Kreis sprang Andersson dem Hannoveraner Filip Kuzmanovski entgegen, machte sich ganz breit - und griff den freien Ball ab. Eine Initialzündung, die der Routinier mit seiner Parade lieferte. Die geballten Fäuste als Signal. Nach einer weiteren Parade war der Arbeitstag für Andersson schon wieder beendet, den Job hatte er erfüllt: Zwei von vier Bällen gehalten - und vor allem den wichtigen Impuls zur Wende geliefert. Nach der Pause kehrte Quenstedt zurück ins Tor, steigerte sich deutlich - und am Ende gewann der THW Kiel mit 34:31.

"Wer hätte das gedacht?"

"Natürlich hat es gekribbelt und ich war nervös, das gehört dazu. Sonst wäre ich auch am falschen Platz", sagte Andersson später dem NDR. Auf seinem Instagram-Channel erinnerte er später noch einmal selbst daran, wie wundersam sein Comeback war. 2001 hatte er sein erstes Spiel für den THW Kiel bestritten, nun schreibt er: "Wer hätte gedacht, dass ich 19 Jahre später wieder für den gleichen Klub spielen würde? Ich nicht! Danke an meine Mannschaftskameraden, den Verein und die Fans für die Unterstützung und einen fantastischen Empfang."

Erst am vergangenen Freitag hatte der THW Kiel verkündet, dass Andersson wieder "als Spieler gemeldet und in den kommenden Wochen auch aktiv als Torwart am Mannschaftstraining teilnehmen" werde. "Bis zur Rückkehr von Niklas Landin" werde er auf der Bank seine Erfahrung einbringen.

Am Sonnabend (18.30 Uhr) könnte es zum nächsten Auftritt des "alten Schweden" kommen. Mit den "Zebras" tritt er dann bei der HSG Wetzlar an. Welthandballer Niklas Landin war im September am Knie operiert worden, seine Rückkehr zwischen die Pfosten des deutschen Rekordmeisters wird noch im Oktober erwartet. Dann endet das erweiterte Engagement Anderssons wohl wieder.

Quelle: ntv.de