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Doping-Spur führt nach Erfurt Ermittler veranstalten Razzien bei Ski-WM

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Die Ski-WM in Seefeld wird von Doping-Razzien überschattet.

(Foto: imago/Eibner Europa)

Wenige Stunden vor dem Langlauf der Männer bei den Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld wird der österreichische Ort Schauplatz zahlreicher Doping-Razzien. Die Ermittler nehmen mehrere Personen fest. Das deutsche Team sei nicht betroffen, teilt der DSV mit. Dennoch führen Spuren nach Deutschland.

Das österreichische Bundeskriminalamt hat bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld sieben Personen, darunter fünf Sportler festgenommen. "Bei den festgenommenen Athleten handelt es sich um zwei österreichische, einen kasachischen und zwei estnische Spitzensportler", teilte das BKA mit. Es handle sich um ein "weltweit agierendes Dopingnetzwerk", das man zerschlagen habe. Medienberichten zufolge haben die Razzien in der Nähe der Langlauf-Loipen stattgefunden, wo seit 14 Uhr das 15-Kilometer-Rennen der Männer in der klassischen Technik läuft.

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Nach Angaben des Deutschen Skiverbandes hat es beim deutschen WM-Team keine Razzien gegeben. Dies sagte ein DSV-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Es seien von den Untersuchungen weder deutsche Sportler, noch das Umfeld oder deutsche Mannschaftsärzte betroffen, teilte der DSV mit.

Wie das österreichische Bundeskriminalamt weiter mitteilte, wurden neben den Athleten ein deutscher Sportmediziner sowie ein weiterer mutmaßlicher Komplize aus Deutschland festgenommen. Außerdem wurden 16 Hausdurchsuchungen vollzogen. Neun dieser Objekte hätten sich in Erfurt befunden, erklärte die Staatsanwaltschaft München I. Die Ermittlungen hätten im Zusammenhang mit dem Verdacht des verbotenen Eigenblutdopings gestanden.

Spur führt nach Erfurt

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"Im Rahmen von seit mehreren Monaten andauernden internationalen Ermittlungen wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken" sei eine in Deutschland ansässige kriminelle Organisation um einen Sportmediziner ausgeforscht werden, schrieb das BKA in der Mitteilung.

"Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern" und illegale Einkünfte zu generieren, hieß es weiter. Unter dem Titel "Operation Aderlass" verbreitete das Bundeskriminalamt die Mitteilung.

Dürr-Doku als Auslöser

Ausgelöst worden sei das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I durch die Angaben des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in der am 17. Januar ausgestrahlten ARD-Dokumentation "Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle". Der 2014 überführte Dürr hatte im Januar umfassend über seinen jahrelangen Betrug ausgepackt und dabei auch angedeutet, beim Epo-Missbrauch Hilfe von Verbandsvertretern gehabt zu haben. Zudem berichtete Dürr, er habe unter anderem in Oberhof, München und Irschenberg Blut abgenommen und später zurückgeführt bekommen. Seine Hintermänner wollte er allerdings nicht verraten.

"Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen der Anwendung von Dopingmethoden am Zeugen Johannes Dürr eingeleitet, dieses ist nun in ein Ermittlungsverfahren gegen konkrete Beschuldigte übergegangen", teilte Oberstaatsanwältin Anne Leiding mit.

Dürr war der erste Wintersportler, der über Eigenblutdoping auf deutschem Boden auspackte. Ehe er 2014 bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Epo im Blut erwischt und für zwei Jahre gesperrt wurde, habe er auch mit Wachstumshormon-Doping experimentiert. Vor allem aber habe er sich regelmäßig Blut abzapfen und später, mit erhöhter Konzentrationen von roten Blutkörperchen, wieder zurückführen lassen.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/sid

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