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Paukenschlag im Fußball-Weltverband FBI ermittelt auch gegen Blatter

Nach neuen Korruptionsvorwürfen zieht der langjährige Fifa-Chef Blatter die Konsequenzen und kündigt seinen Rücktritt an. Noch unklar ist der Grund für den überraschenden Wandel. Stunden später wird bekannt, das FBI ermittelt gegen Blatter wegen Korruption.

Die US-Bundespolizei ermittelt dem US-Sender ABC zufolge nun doch gegen Fifa-Präsident Joseph Blatter. Das wurde am späten Abend bekannt, nachdem Blatter überraschend seinen Rücktritt eingereicht hatte. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte das kurz zuvor noch dementiert. ABC beruft sich auf mit dem Fall vertraute Personen.

Die US-Regierung dementierte, etwas mit dem Rücktritt Blatters zu tun zu haben. Marie Harf, Sprecherin im US-Außenministerium, verneinte eine Nachfrage eines Journalisten. "Die Vereinigten Staaten haben keine Position zu der Frage, wer der Präsident der Fifa ist", sagte Harf.

Zuvor hatte der 79-jährige Schweizer auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz in Zürich bekanntgegeben, sein Amt für Neuwahlen bei einem außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbands zur Verfügung zu stellen.

"Ich will nur das Beste für die Fifa und den Fußball", sagte der sichtlich mitgenommenen Schweizer bei einer Pressekonferenz in Zürich. "Ich bin so sehr mit der Fifa und ihren Interessen verbunden. Ich möchte mich bei allen Unterstützern und Wegbegleitern bedanken", sagte Blatter, der 17 Jahre Fifa-Boss war, und verließ den Saal ohne Nachfragen zuzulassen.

Zunächst übernimmt Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliancekommission, Blatters Posten. Die Neuwahlen werden voraussichtlich zwischen Dezember 2015 und März 2016 abgehalten.

Blatters Rücktrittsankündigung trifft die Fifa bis ins Mark. Seit dem vergangenen Mittwoch erschüttert ein ungeheuerlicher Skandal den Weltverband, die Fifa steht weltweit massiv in der Kritik - allen voran Blatter, der trotz allem am vergangenen Freitag in seine fünfte Amtszeit bestätigt worden war, und das mit der absoluten Mehrheit der 209 Fifa-Mitgliedsverbände.

Nicht das Mandat der Fußball-Welt

"Ich habe gedacht, meine Kandidatur wäre das Beste für diese Organisation", sagte Blatter: "Die Wahl ist nun vorbei, aber die Herausforderungen bleiben. Zwar habe ich das Mandat der Mitglieder, aber es fühlt sich nicht so an, als hätte ich das Mandat der gesamten Fußball-Welt."

Am Mittwoch waren kurz vor dem Fifa-Kongress sieben hochrangige Fifa-Funktionäre verhaftet worden, darunter zwei Vizepräsidenten des Weltverbands. Die US- sowie die Schweizer Behörden setzten die Fifa mit zwei voneinander unabhängigen Untersuchungen enorm unter Druck. In den USA werden insgesamt 14 Personen in einer 161-seitigen Anklageschrift schwer belastet.

"Es ist meine große Sorge um die Fifa und ihre Interessen, die mich sehr bewegen und mich zu diesem Schritt bewegt haben", sagte Blatter: "Was mir mehr als alles andere bedeutet ist, dass wenn alles vorbei ist, der Fußball der Gewinner ist."

Der Schweizer Scala führte aus, die Fifa habe sich "diesem Reformprozess zu 100 Prozent verschrieben. Heute hat der Präsident allen Mitgliedsverbänden die Entscheidung mitgeteilt". Er habe dies getan, "um das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen." Gleichzeitig nahm Scala die Verbände und die Konföderationen in die Pflicht "mehr Verantwortung zu übernehmen". Dies führe zu mehr Transparenz.

Niersbach: Früher wäre besser

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach begrüßte Blatters Rücktrittsankündigung. "Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes in Berlin. "Es ist eigentlich eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen das nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte." Mit dem Rücktritt seien aber nicht "alle Probleme gelöst".

Franz Beckenbauer zeigte Verständnis für Blatters Abgang. "Es war eine vernünftige Entscheidung von Sepp Blatter. Der Druck wurde zu groß. Er wäre nie mehr zur Ruhe gekommen, ob er Schuld an den Skandalen trägt oder nicht. Das Problem der FIFA liegt in seinem System", sagte Beckenbauer der "Bild". Der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger sprach von einem "guten Tag für den Fußball".

Der Sportpolitische Sprecher der Grünen, Ozcan Mutlu, bezeichnete Blatters Abgang als Chance für einen Neuanfang der Fifa. "Die Reformer müssen jetzt alles auf den Kopf stellen." Jetzt könne endlich darüber aufgeklärt werden, wie die vergangenen Vergaben gelaufen seien. "Wir fordern die Neuvergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 Katar", sagte Mutlu in Berlin. Er ermunterte zugleich die Kontinentalverbände und die UEFA, sich zu erneuern. Die Chance sei jetzt endlich da.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/sid