Fußball-WM 2019

Klage gegen Diskriminierung US-Überfliegerinnen starten zornig in die WM

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US-Superstar Alex Morgan muss sich mächtig strecken - nicht nur auf dem Platz.

(Foto: imago images / Icon SMI)

Sportlich um Welten erfolgreicher als die Männer, dennoch sehr viel schlechter bezahlt: Die US-Fußballerinnen fühlen sich benachteiligt. Vor ihrem Start in die WM wehren sich die Titelverteidigerinnen mit viel Wut im Bauch. Ausgerechnet ein Turnier-Triumph könnte dem Team schaden.

Sie sind die Titelverteidigerinnen - und gelten für viele auch als Topfavoritinnen. Und in genau dieser Rolle fühlen sich die US-Amerikanerinnen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich auch wohl. "Natürlich gibt es auch viele andere gute Mannschaften, aber wir wollen das Team sein, das es zu besiegen gilt. Und mit dieser Einstellung gehen wir ins Turnier", sagt Nationaltrainerin Jill Ellis.

Carli Lloyd kennt das bereits. Sie ist mit drei Olympischen Spielen und drei Weltmeisterschaften die Erfahrenste in Ellis' Equipe. Lloyd erzielte in den Olympia-Finals 2008 und 2012 jeweils die siegbringenden Treffer. Und beim 5:2-WM-Endspielerfolg vor vier Jahren gegen bemitleidenswerte Japanerinnen gelang ihr innerhalb der ersten 16 Minuten ein Hattrick. Die mittlerweile 36-Jährige hat schon in vielen US-Nationalteams gespielt. Aber die WM-Auswahl 2019 sei eine ganz Besondere, so Lloyd. "Von den technischen Fähigkeiten her ist dieser Kader meiner Meinung nach wohl der Beste, den wir je hatten. Denn wir haben viele erstklassige Spielerinnen."

Obama die Finalfreude verdorben

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Edelfan: Der damalige US-Präsident Obama empfängt die Weltmeisterinnen 2015 im Weißen Haus.

(Foto: imago/Xinhua)

Als Lloyd und ihre Mitspielerinnen 2015 mit der WM-Trophäe aus Kanada heimkamen, wurden sie in New York auf einer Parade von zehntausenden Fans gefeiert - und in Washington D.C. im Weißen Haus von Barack Obama empfangen. Der damalige US-Präsident erzählte schmunzelnd, wie Lloyd ihm mit ihrem Hattrick die Finalfreude genommen hatte. "Ich saß auf der Couch, das Popcorn griffbereit und war auf ein spannendes Spiel eingestellt", sagte Obama. "Aber dann war alles ganz schnell vorbei."

Doch so sehr sie damals auch gefeiert und hofiert wurden - geändert hat sich an ihrer Situation nichts. Das Frauen-Nationalteam wird vom eigenen Verband immer noch als Team zweiter Klasse behandelt. Dagegen wehrt es sich - und zwar medienwirksam. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, unterzeichneten alle Spielerinnen eine Gemeinschaftsklage wegen "Geschlechter-Diskriminierung." Dieser Schritt war umgehend ein Thema in den landesweiten Nachrichten.

Millionen für Männer schon im Achtelfinale

Es geht darum, dass die Frauen seit Jahren schlechter bezahlt werden als die Männer. Für ihren WM-Titel 2015 beispielsweise bekam das Team eine Gesamtprämie von 1,725 Millionen Dollar. Die damals noch von Jürgen Klinsmann trainierten Männer strichen allein für das Erreichen des Achtelfinales bei der WM 2014 hingegen etwas mehr als das Dreifache (5,375 Millionen Dollar) ein. Auch bei den Trainingsbedingungen sowie der medizinischen Versorgung, heißt es in der Klage weiter, gebe es Unterschiede. Und das, obwohl die Frauen weitaus erfolgreicher sind, als die Herren. Von einem "beispiellosen internationalen Erfolg" ist die Rede.

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Die US-Frauen begeistern die Fans und halten bis heute den Zuschauer-Rekord für die Übertragung eines Fußballspiels in den USA.

(Foto: imago images / Icon SMI)

Während die Herren die Qualifikation für die WM 2018 verpasst hatten, sind die Frauen die Golden Girls schlechthin. Sie wurden viermal Olympiasiegerinnen und dreimal Weltmeisterinnen. Ihren WM-Finalsieg 2015 verfolgten daheim im Fernsehen 25,4 Millionen Menschen - bis heute Rekord für ein Fußballspiel in den USA. "Wir haben den Sport auf dem Rasen und auch außerhalb so weit nach vorne gebracht", sagt Megan Rapinoe dem US-Fernsehsender ABC stolz. "Warum macht der Verband nicht den nächsten Schritt, investiert in das Team genauso viel, wie in die Männer-Mannschaft - nicht nur sportlich, sondern auch in Sachen Vermarktung und Sponsoring", so die Angreiferin weiter.

Selbst die Männer finden Bezahlung unfair

Neben Rapinoe und Lloyd ist Alex Morgan der prominenteste Profi, der die Klage unterzeichnet hat. Die Stürmerin hebt hervor, dass "selbst unser Männer-Nationalteam betont hat, uns in unserem Kampf zu unterstützen". Als Morgan und Rapinoe im März in der Fernseh-Show "Good Morning America" zugeschaltet waren und über ihre Klage sowie die Hintergründe und Ziele sprachen, betonten beide, dass trotz der juristischen Auseinandersetzung ein WM-Boykott nicht in Frage komme.

Der US-Verband ließ in einer Pressemitteilung wissen, man habe "ehrlich und beständig mit den Nationalspielerinnen sowie dem Trainerstab zusammengearbeitet, um dem Team alles zur Verfügung zu stellen, was es braucht". Und genau das, so komisch es klingen mag, würde die Mannschaft mit einem erneuten WM-Titel bestätigen. Sollte die Mission Gold also erfolgreich abgeschlossen werden, könnte trotzdem im Kampf und Geld und Gleichberechtigung alles so bleiben, wie bisher.

Quelle: n-tv.de

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