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Tournee, Topform, Titelträume Freitag katapultiert sich in Favoritenrolle

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Vom Toptalent zum Überflieger - Richard Freitag springt derzeit von Sieg zu Sieg.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Seit acht Jahren springt Richard Freitag im Skisprung-Weltcup, aber noch nie war er so gut wie jetzt. Der 26-Jährige dominiert und geht als Topfavorit in die Vierschanzentournee. Selbst der Bundestrainer warnt die Konkurrenz vor seinem Vorspringer.

Vor 15 Jahren triumphierte zuletzt ein deutscher Skispringer bei der Vierschanzentournee, vor einer kleinen Ewigkeit also. Nie war die Chance größer als jetzt, dass die Sehnsucht der Fans nach einem Titel endlich wieder gestillt werden könnte. Die Zuversicht hat gleich zwei Namen: Richard Freitag und Andreas Wellinger. Die beiden DSV-Springer führen den Weltcup an. Wellinger ist Zweiter, Freitag derzeit unangefochten Erster und in konstant hervorragender Form. Vielleicht der Form seines Lebens.

Vierschanzentournee 2017/18

Oberstdorf

29. Dezember: Qualifikation (16.30 Uhr)

30. Dezember: Auftaktspringen (16.30 Uhr)

Garmisch-Partenkirchen

31. Dezember: Qualifikation (14 Uhr)

01. Januar: Neujahrsspringen (14 Uhr)

Innsbruck

03. Januar: Qualifikation (14 Uhr)

04. Januar: Bergiselspringen (14 Uhr)

Bischofshofen

05. Januar: Qualifikation (17 Uhr)

06. Januar: Dreikönigsspringen (17 Uhr)

Endlich, sagen viele. Der 26-Jährige springt seit acht Jahren im Weltcup, gilt als Toptalent, konnte das aber nie konstant bestätigen. Immer gab es Bessere, mit Severin Freund auch im eigenen Team. Doch Deutschlands Vorzeigespringer ist langzeitverletzt und kuriert gerade seinen zweiten Kreuzbandriss aus. Andere müssen in die Bresche springen - und springen kann Freitag derzeit besser als jeder andere im Weltcup: "Es macht wirklich riesigen Spaß gerade. Ich genieße es einfach." Bundestrainer Werner Schuster lobt: "Sein Sprung ist kompletter geworden, sein Charakter hat an Stabilität und Reife gewonnen."

Das klang in der vergangenen Saison noch ganz anders. Da bezeichnete Schuster Freitags Entwicklung als "stabil rückläufig". Das Zwischenfazit nach 7 von 23 Weltcups könnte diesmal lauten: stabil herausragend. Drei Weltcupsiege konnte der Sachse in diesem Winter schon feiern - in den acht Saisons zuvor waren es insgesamt fünf, zuletzt hatte er 2015 gesiegt.

Mit 550 Weltcup-Punkten hat er bereits jetzt mehr gesammelt als in der gesamten vorigen Saison (507). Er fliegt der internationalen Elite und seinen ebenfalls gut aufgelegten Teamkollegen Wellinger und Markus Eisenbichler davon. Oder wie Wellinger es ausdrückt: "Der Ritsch ist einfach ein geiler Hund!" Auch der Verletzte Freund stellt im Interview mit dem "Kicker" - leicht ironisch - fest: "Super, was Ritsch und Welli zeigen. Auch der Rest zeigt tolle Leistungen. Die brauchen mich gar nicht mehr."

Umzug zur deutschen Konkurrenz

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"Teamspirit hilft uns", ist sich Freitag sicher.

(Foto: imago/Eibner Europa)

Konkurrenz beflügelt - deswegen ist Freitag aus dem sächsischen Oberwiesenthal ins bayerische Oberstdorf umgezogen. Dort trainiert er nun gemeinsam mit den DSV-Teamkolegen Wellinger und Eisenbichler, die gleichzeitig seine ärgsten Konkurrenten sind. "Ich möchte nicht nur sportlichen Nutzen daraus ziehen, sondern sehe den Ortswechsel auch als Aufgabe, an der ich persönlich wachsen kann", sagt Freitag der "Sächsischen Zeitung".

Das scheint ihm bislang ziemlich gut zu gelingen. So gut, dass auch der letzte deutsche Sieger der Vierschanzentournee an ihn glaubt: "Ich hoffe, dass es endlich wieder mit einem deutschen Tourneesieg klappt", sagt Sven Hannawald, der 2002 als bislang Einziger alle vier Springen gewonnen hatte: "Aber ich weiß auch, dass die Tournee immer wieder ihre eigenen Geschichten schreibt." Vor überzogenen Erwartungen warnt auch Schuster: "Die Tournee verdichtet das Wesen unserer Disziplin auf den Kern: Man kann im Skispringen nichts erzwingen. Daran ändern auch die positiven Vorleistungen nichts."

Doch es gibt durchaus Grund zu Optimismus: Erstmals seit Martin Schmitt im Jahr 2000 startet ein Deutscher als Gesamtweltcup-Führender in die Tournee. "Das Gelbe Trikot beflügelt, schließlich ist es der beste Beweis, dass man sehr stabil springt", sagt Hannawald. Zudem beginnt die Tournee mit dem ersten Springen am 30. Dezember in Oberstdorf - eben der neuen Heimat von Freitag. Und was ist mit den anderen Schanzen? "Ritschi kann alle vier Schanzen. Er ist einer der konstantesten Tournee-Springer.", sagt Bundestrainer Schuster, der die deutschen Adler seit fast zehn Jahren trainiert.

"Wir können es gemeinsam genießen"

Die Konkurrenz ist aufmerksam geworden auf die deutschen Adler, was der Österreicher Schuster ganz pragmatisch sieht: "Es freut mich, wenn sich die anderen mit uns beschäftigen, denn dann können sie sich nicht mit sich selbst beschäftigen." Viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind derzeit Schusters Landsleute. Die Österreicher, die bis zur Saison 2014/15 gleich sieben Mal hintereinander den Titel unter sich ausmachten, hängen bislang durch: Verletzungen, noch nicht in Form - nur Stefan Kraft ist beständig wie immer und tönt: "Das Coolste für uns oder auch die Zuschauer ist ein deutsch-österreichisches Duell beim ersten Wettkampf, das ist einfach was Besonderes. Ich hoffe, es wird so eine Battle."

Dagegen fliegt der Gesamtsieger von 2015/16, der Slowene Peter Prevc, aktuell gewaltig hinterher. Titelverteidiger Kamil Stoch aus Polen wiederum hat beim Weltcup in Engelberg zuletzt bewiesen, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. Auch die Norweger - insbesondere Engelberg-Sieger Anders Fannemel und der Kuusamo-Zweite Johann André Forfang - sind stark in Form. Das weiß auch Schuster: "Die Norweger sind mindestens auf Augenhöhe. Die haben die ganzen Teamwettkämpfe gewonnen."

Doch seine Deutschen sind in dieser Saison eben auch richtig gut drauf. "Die Stimmung in der Mannschaft ist locker und wir haben zusammen viel Spaß, Skisprung-Deutschland zu repräsentieren, sagt Wellinger. "Es ist schön, dass es für das gesamte Team gut läuft. Wir können es gemeinsam genießen", stimmt Freitag zu. Und: "Ich bin optimistisch für die Vierschanzentournee, unser Teamspirit hilft uns." Sein Trainer Schuster warnt die Konkurrenz mit markigen Worten: "Wenn er in Form ist, ist er in Form. Da müssen sich alle lang machen."

 

Quelle: n-tv.de

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