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Sonntag, 29. November 2015

Klitschko verliert WM-Titel: Fury streckt den Giganten nieder

Dr. Eisenfaust plante für seinen Herausforderer Tyson Fury eine "Therapiesitzung mit Fäusten" - doch die Institution Wladimir Klitschko verlässt am Ende blutend und geschlagen den Ring.

Wladimir Klitschko blutete heftig, er wirkte völlig ratlos - und er verlor verdient: Der Box-Champion aus der Ukraine ist nach neuneinhalb Jahren nicht mehr Weltmeister im  Schwergewicht. Der 39-Jährige verlor seine WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO und IBF  im Düsseldorfer Fußball-Stadion an seinen Herausforderer Tyson Fury - eine faustdicke Überraschung.

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Fury, von den Experten als chancenlos eingeschätzt, beherrschte den Kampf provozierend lässig und führte den Weltmeister in der Arena vor 45.000 Zuschauern vor. Klitschko fand kein Mittel, er setzte kaum Treffer, fand nicht zu seinem Stil. Fury zeigte Mut, verhöhnte Klitschko phasenweise mit den Händen auf dem Rücken. Die Entscheidung der Punktrichter war einstimmig.

Was wird nun aus Klitschko?

Klitschkos Zukunft ist nun ungewiss. Er wollte sich seinen Ehrenplatz in der Schwergewichtshistorie sichern und länger als der legendäre Joe Louis (11 Jahre, 8 Monate) über der Szene thronen. Nun wird er sich überlegen müssen, ob er überhaupt seine Karriere  fortsetzt. Die Frage hatte er vor dem Kampf ausweichend oder gar nicht beantwortet, er ist aber per RTL-Vertrag noch für vier Kämpfe gebunden.

Theoretisch könnte er also zwei Aufbaukämpfe bestreiten, im  dritten Fight wieder Weltmeister werden und dann als krönender Abschluss gegen den WBC-Titelträger kämpfen - er wäre somit endlich  der "undisputed champion" aller Verbände. Den WBC-Gürtel, lange  Jahre von Klitschkos großem Bruder Witali getragen und dadurch für  Wladimir uninteressant, hält derzeit der US-Amerikaner Deontay Wilder.

Der Patient scheucht den Doktor

Tyson Fury wurde vor dem Kampf von Experten als völlig chancenlos eingeschätzt.
Tyson Fury wurde vor dem Kampf von Experten als völlig chancenlos eingeschätzt.(Foto: REUTERS)

Doch dies ist Zukunftsmusik, die Gegenwart bot ein Desaster. Fury hatte sich vor dem Fight äußerst gekonnt als charmantes, abwechslungsreiches Großmaul ("Wladimir hat das Charisma einer  Unterhose") inszeniert - es steckte aber auch etwas dahinter. Die  "Therapiesitzung mit Fäusten", die Klitschko angekündigt hatte,  blieb aus, der "Patient" scheuchte stattdessen den Doktor der Sportwissenschaft durch den Ring. Mit dem ersten Gong stürmte Fury auf Klitschko zu, er wackelte wild hin und her und setzte einige Treffer. Ab Runde 5 hatte Klitschko eine Wunde unter dem Auge. Auf eine Deckung verzichtete Fury komplett.

Der in Manchester geborene Sohn irischer Einwanderer hatte am Nachmnittag nochmals Verwirrung gestiftet. Er bemängelte den Ringboden und drohte, den Kampf platzen zu lassen. Nachdem eine Schaumstoffschicht entfernt worden war, gab es Entwarnung, und Fury ergriff die Chance seines Lebens beherzt. Er ist acht Zentimeter größer, zwölf Jahre jünger und 500 Gramm schwerer als Klitschko -  und er hatte sich vorgenommen, all diese Vorteile auszuspielen. Zuletzt hatte Wladimir Klitschko 2004 gegen Lamon Brewster einen  Kampf verloren, seitdem war er unangefochten. Sein einziger Gegner auf Augenhöhe wäre wohl sein großer Bruder gewesen, doch Witali Klitschko wollte er niemals vor die Fäuste bekommen. Der 44-Jährige  hat seine Karriere 2013 beendet und den WBC-Gürtel niedergelegt.

Quelle: n-tv.de

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