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Formel-1-Lehren aus Hockenheim Hamiltons Mega-Revival, Vettels Nullnummer

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Er ist der strahlende Sieger: Lewis Hamilton feiert in Hockenheim.

(Foto: imago/Motorsport Images)

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel will beim Formel-1-Heimrennen in Hockenheim endlich siegen. Er startet von der Pole Position - und crasht sich aus dem Rennen. Glücklicher Sieger ist sein Dauerkonkurrent Lewis Hamilton. Auch weil er immer an sich glaubt.

Keiner kann sich sicher sein: Die Geste von Hamilton am Samstag: Er kniete vor seinem Wagen, den Kopf auf die Fahrzeugnase gelehnt. Vorher das Anschieben, Akte der Verzweiflung nach einem technischen Defekt am Silberpfeil. Vettel konnte sich dagegen feiern lassen. Pole beim Heimrennen. Alles lief nach Plan. Auch im Rennen, ehe nichts mehr nach dem Plan des Lokalmatadoren war. Binnen 25 Stunden wurde aus dem, der den schnellsten Wagen hat, ein bedröppelter Verlierer. Das Auto in der Streckenbegrenzung. Dafür jubelte der andere, Hamilton. Von Startplatz 14 war es auch für das Naturtalent zuvor noch nie bis auf Platz eins nach vorne gegangen. Er nahm süße Rache am Deutschen, indem er als Revanche für Silverstone nun dessen Heim-Grand-Prix gewann. Das Duell der beiden trägt schon jetzt epische und spielfilmreife Züge. Fortsetzung garantiert.

Glaube schafft Siege: Hamilton war am Boden. Nicht wenige fühlten sich nach dem Kniefall in der Quali an das Rennen in Malaysia 2016 erinnert, als er wegen eines Motorschadens dort letztlich die WM gegen den damaligen Teamkollegen Nico Rosberg verlor und im Gras hockte. Doch Hamilton scheint stärker als damals. Er glaubte an das Unmögliche, das dank eigener Extraklasse, aber auch weiterer kleiner Wunder wie Regen zur richtigen Zeit und den richtigen Entscheidungen in letzter Sekunde tatsächlich wahr wurde.

Rennshow mit nachträglichem Kratzer: Vorsicht mit der Freude! Wie glücklich war Hamilton doch über diesen Sieg. Eine Weile durfte er das Gefühl uneingeschränkt genießen. Dann aber ging das Bangen los. Anstatt während des Rennens die Entscheidung darüber zu treffen, ob Hamiltons abrupter und nicht erlaubter Spurwechsel von der Boxengasse zurück auf die Strecke bestraft werden musste, wurden Fahrer und Team nach dem Grand Prix zu den Rennkommissaren bestellt. Knapp drei Stunden nach der Zieldurchfahrt stand fest: Hamilton bleibt der Sieger, er wurde nur verwarnt.

Allein die Tatsache, dass eine Siegaberkennung nachträglich möglich war und über das Strafmaß nicht während des Rennens entschieden wurde, macht die Regelverantwortlichen nicht zu Gewinnern. Zuständig ist für solche Fragen nicht US-Besitzer Liberty Media, sondern der Internationale Automobilverband. Die Entscheidung, Hamilton nur zu verwarnen, bewahrte die Formel 1 immerhin vor einer nachträglichen Änderung der Platzierungen - es wäre eine Posse nach so einem Rennen gewesen. Dennoch dürfte manch einer diese Entscheidung auch kritisch sehen. Im Regelwerk heißt es, dass nur mit Ausnahme von "höherer Gewalt" das Überqueren der Linie zwischen Boxengasse und Strecke von Autos, die in die Boxengasse eingebogen sind, verboten ist. Hamilton gestand seinen Fehler offen ein, führte mit seinem Team auch das hektische Geschehen in der Schlussphase an.

Stallorder trifft zwei Finnen: Es gab Zeiten, da teilte der Ferrari-Kommandostand seinen Fahrern auch klar mit: Lass ihn überholen für die Weltmeisterschaft. Um Vettel aus dessen Sicht nicht noch mehr Zeit hinter Teamkollege Kimi Räikkönen verlieren zu lassen, erklärte der zuständige Ingenieur wortreich dem Finnen die Lage. Das fand Räikkönen aber nicht so angebracht und verlangte hörbar frustriert nach einer klaren Ansage. Räikkönens Landsmann Valtteri Bottas wurde beim Versuch eingebremst, Hamilton im Kampf um den Sieg herauszufordern. Nachdem Mercedes den Doppelerfolg so serviert bekommen hatte, wollte das deutsche Werksteam kein Risiko eingehen. Abgesehen davon, dass jeder Punkt mehr für Hamilton gegen Vettel am Ende den Titel wert sein kann.

Ein Abschied von Hockenheim: Was will man mehr? Nach einem zähen Beginn, aber immerhin mit dem Lokalmatadoren auf Siegkurs, bot das vorläufige Finale der Formel 1 in Deutschland Drama pur. Hauptdarsteller zwischen Tränen der Enttäuschung und der Freude - und über 70.000 Fans, die diesem PS-Schauspiel eine passende Bühne bereiteten.

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Quelle: n-tv.de, ara/dpa/sid

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