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Trainerlegende des THW Kiel Handball-Ikone Alfred Gislason hört auf

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Brennt für Handball: Alfred Gislason, scheidender Trainer der THW Kiel.

(Foto: imago images / Kessler-Sportfotografie)

Ein Idol verlässt die deutsche Handball-Bühne: Nach elf Jahren räumt Alfred Gislason beim THW Kiel seinen Trainerstuhl. Der Isländer prägt den größten Klub der Republik und seinen Sport äußerst erfolgreich. Nicht nur Stefan Kretzschmar kennt den Grund dafür.

Für Alfred Gislason war es wichtig, nicht viel anders zu machen. Der isländische Handball-Trainer, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten so unglaublich erfolgreich war, hält nicht viel davon, sein letztes Jahr beim THW Kiel austrudeln zu lassen. Bis zum Schluss geht es ihm darum, das Maximum aus seiner Mannschaft herauszukitzeln. Deshalb stellte er die Fortentwicklung des Teams auch auf seiner Abschiedstour über die eigenen Interessen und Emotionen. Gislason, 59 Jahre alt, blieb seiner Linie treu, mit einer Ausnahme.

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Den letzten Pokalsieg mit dem THW Kiel kostete Alfred Gislason noch einmal voll aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

"Das habe ich heute bewusst gemacht", sagte er Anfang April. Gislason hat viele Titel und Pokale gewonnen, allein mit dem THW Kiel waren es 19 in elf Jahren. Immer hielt er sich bei den Ehrungen zurück und überließ seinen Spielern die große Bühne und den Konfettiregen. Dieses Mal war es nach dem Gewinn des DHB-Pokals in Hamburg aber anders. "Eigentlich bin ich nach den Spielen immer schon in die Kabine gegangen, weil die Jungs das genießen sollten", sagte Gislason nach dem Finaltriumph über den SC Magdeburg: "Aber heute bin ich draußen geblieben, weil ich das alles noch einmal genießen wollte." An diesem Sonntag nun beendet Gislason seine imposante Karriere als Vereinstrainer.

Der THW ist der größte Handball-Klub der Republik und hatte mit Zvonimir Serdarusic bereits einen Trainer, der alle Titel mit dem Verein holte. Als größter Coach in der Klubhistorie wird jedoch Gislason eingehen: Er gewann zwei Mal die Champions League, spielte mit seiner Mannschaft 2011/2012 die perfekte Saison und verlässt die Kiel ohne Skandale. "Ich könnte mir vorstellen, irgendwann mal eine Nationalmannschaft zu trainieren, aber keine Vereinsmannschaft mehr."

Innovativster Trainer der Liga

"Alfred ist ganz sicher einer der größten Trainer in der Geschichte", sagte Stefan Kretzschmar einmal. Der frühere Nationalspieler und heutige TV-Experte weiß, wovon er spricht: Mit dem SC Magdeburg gewann Kretzschmar unter Gislason Anfang 2001 die Meisterschaft und 2002 die Champions League. Beim SCM wuchs der einstige isländische Nationalspieler Gislason zu einem Top-Trainer, und nach einer Station beim VfL Gummersbach von 2006 bis 2008 avancierte er zum Titelsammler mit dem THW Kiel.

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Traumpaar: Gislason und Kretzschmar gewannen mit dem SC Magdeburg die Meisterschaft und die Champions League.

Für Kretzschmar ist klar, warum Gislason erfolgreich war: "Alfred war seiner Zeit damals voraus." Heute sind Videoanalysen des Gegners Normalität geworden, alle Klubs der Bundesliga arbeiten methodisch bei der Vorbereitung der nächsten Partie. Als Gislason in Magdeburg viel Zeit mit dem Videostudium verbrachte, galt er als Sonderling - allerdings als überaus erfolgreicher. Gislason war damals der innovativste Trainer der Bundesliga.

Erfolg mit Herz und harter Hand

Besonders ist der Isländer aber nicht nur wegen seiner Detailbesessenheit und seines Arbeitseifers, sondern wegen seines Umgangs mit den Spielern. Gislason wirkte stets wie ein "harter Hund", der das Spiel seiner Teams mit grimmiger Miene von der Bank aus verfolgt und seine Spieler bei Auszeiten zusammenstaucht. Im Umgang mit der Öffentlichkeit knurrt er zum Teil wie der langjährige Trainer des FC Schalke 04, Huub Stevens. Das Geheimnis seines Erfolges war aber, intern nicht nur schroff und fordernd zu sein, sondern auch verständnis- und rücksichtsvoll. Deshalb waren seine Mannschaften bereit, sich für den Coach aufzuopfern. Gislasons Führungsstil war geprägt von Herz und harter Hand.

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Das machte sich bezahlt und sorgte dafür, dass auch die letzte Saison in Kiel zu einem Erfolgsjahr wurde. Neben dem DHB-Pokal gewannen Gislason und Kiel auch den EHF-Cup und haben vor dem letzten Spieltag noch eine kleine Chance, Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt abzufangen und Deutscher Meister zu werden. Der THW empfängt ab 15 Uhr die TSV Hannover-Burgdorf, muss gewinnen und darauf hoffen, dass die Flensburger beim Bergischen HC verlieren. Wahrscheinlich bleiben die Kieler auf dem zweiten Platz - was aber nichts daran ändert, dass die 10.000 Zuschauer in der Ostseehalle ihrem Trainer einen rauschenden Ausstand bescheren werden.

Wenn die imposanten Bilder seiner elfjährigen Zeit in Kiel auf dem Videowürfel gezeigt werden, fehlen die Heldentaten aus der Spielzeit 2011/2012 sicherlich nicht. Mit dem Triple aus Meisterschaft, DHB-Pokalgewinn und Sieg in der Champions League setzte sich Gislason ein Denkmal, garniert mit der einmaligen Leistung, in der kompletten Bundesliga-Saison ohne Verlustpunkt geblieben zu sein - das ist bis heute niemand anderem gelungen. "Die 68:0-Punkte-Serie war einmalig", erklärt Gislason. So einmalig wie seine Trainerlaufbahn.

Quelle: n-tv.de

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