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"Europameister - ich?!" Hochspringer Przybylko überrascht sich selbst

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"Ich habe bei jedem Sprung von Anfang bis Ende 200 Prozent gegeben": Mateusz Przybylko im Berliner Olympiastadion.

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Mateusz Przybylko gelingt der Wettkampf seines Lebens, in dem er sich zum neuen Hochsprung-Europameister kürt und eine "geile Show" abzieht. Gut, dass er anders als sein Bruder Kacper als Kind nichts mit Fußball am Hut hatte.

Die Regeln des Hochsprungs wollen es so: Jeder Athlet muss seinen Wettbewerb mit einer Niederlage beenden. Irgendwann geht es nicht mehr höher, dann ist der Wettkampf vorbei. So geht es am Samstagabend auch Mateusz Przybylko im Berliner Olympiastadion bei der Leichtathletik-EM - doch er feiert das ekstatisch und mit immer heiserer Stimme. Denn der 26-jährige Leverkusener ist eben auch der letzte, bei dem es nicht mehr höher geht - und so ist er angekommen im siebten Hochspringer-Himmel: Mit übersprungenen 2,35 Meter kürt er sich zum neuen Europameister.

Als der Weißrusse Maksim Nedasekau an 2,37 Meter scheitert, sickert es bei Przybylko durch: "Europameister – ich?!" Der Weißrusse jubelt über Silber, Bronze gewinnt der unter neutraler Flagge startende Ilya Ivanyuk aus Russland (2,31 Meter). "Bei so einem Publikum kannst du nur gewinnen, die haben mich so gepusht, das hat mich so beflügelt", sagt Przybylko über die mehr als 60.000 Zuschauer, die ihn bei jedem Versuch lautstark anfeuern. Von denen braucht er nicht viele – eine Auszeichnung für jeden Hochspringer, ein Beweis des Könnens. Von 2,19 Meter bis 2,35 Meter springt er jede verlangte Höhe im ersten Versuch. "Bis jetzt kann ich sagen, das ist mein perfekter Wettkampf. Aber man weiß ja nicht, vielleicht springe ich ja noch die nächsten Jahre den deutschen Rekord und dann wird's wahrscheinlich ein anderer perfekter Wettkampf."

Denn bei 2,38 Meter ist dann auch für den neuen Europameister der Wettkampf beendet. Bei 2,37 Meter steht der bisherige deutsche Rekord, aufgestellt von Carlo Thränhardt im Jahr 1982. Er solle den Rekord ruhig brechen, der stehe schon viel zu lange – sagte Przybylko vor der EM ausgerechnet Thränhardts ärgster Konkurrent, Dietmar Mögenburg. Er war bis zu Przybylkos Triumph der letzte deutsche Hochsprung-Europameister gewesen– ebenfalls im Jahr 1982.

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Przybylko ist Europameister im Hochsprung: "Jetzt ich bin mal im Mittelpunkt, nicht Kacper."

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Doch nachdem klar ist, dass der 26-Jährige die Goldmedaille sicher hat, klappt das nicht mehr: "Ich habe bei jedem Sprung von Anfang bis Ende 200 Prozent gegeben und da ist irgendwann die Luft raus", erklärt der Sportsoldat. Gleich mehrere seiner Wünsche gehen endlich in Erfüllung: Er bekommt die ersehnte Goldmedaille und kann mit der deutschen Fahne auf die Ehrenrunde gehen und gemeinsam mit den Fans feiern. "Das war immer mein Traum, ich wollte immer Europameister werden oder Weltmeister, ich wollte immer eine Goldmedaille. Als es Anfang des Jahres mit der Bronzemedaille bei der Hallen-WM geklappt hat, war ich unfassbar glücklich, aber ich konnte keine Ehrenrunde machen."

Bruder Kacper ist Profifußballer

Eine Ehrenrunde, die bedeuten 400 Meter extra und das auch noch freiwillig - dabei ist Laufen eigentlich gar nicht seins. Und so ist er anders als seine Brüder auch nie mit dem Fußball warm geworden. "Meine Brüder waren immer auf den Ball fixiert, ich war nicht so der, der dem Ball hinterhergerannt ist", so Przybylko.

Denn Mateusz ist nicht der einzige Sportler in der Familie: Während seine Mutter Wioletta ebenfalls Leichtathletin war, spielte sein Vater Mariusz Fußball, wie nun auch Mateusz' Bruder Kacper. Der 25-Jährige stand unter anderem für den 1. FC Köln und den 1. FC Kaiserslautern auf dem Platz, ist derzeit allerdings auf Vereinssuche. Dass der jüngere Bruder als Zweitligafußballer deutlich mehr verdient als der beste Hochspringer des Landes, ist offenbar kein Problem. Aber ein bisschen freut er sich schon: "Jetzt tauschen wir und ich bin mal im Mittelpunkt, nicht Kacper."

Und das darf wohl gern noch häufiger so sein, denn da geht noch mehr, ist der Leverkusener überzeugt, der seinen Trainer Hans-Jörg Thomaskamp herausfordert: "Wir sind seit 2008 zusammen und ich habe gesagt, ich werde mit ihm meine Karriere beenden, er muss also noch ein bisschen weitermachen. Ich habe noch nicht vor, Schluss zu machen, da geht's noch ein bisschen weiter. Das zweite Ziel habe ich schon erreicht, ich wollte eine Medaille haben, jetzt eine Goldmedaille und bald vielleicht noch den deutschen Rekord."

Dass der in Berlin nicht fällt – geschenkt. Eine "geile Show" bietet Przybylko dem entfesselten Publikum nach eigener Aussage ja ohnehin schon – das findet auch Maskottchen Berlino, der den 1,95-Meter-Mann nach dem Wettkampf auf Händen trägt.

Quelle: n-tv.de

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