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Calgary-Bewerbung vorm Aus IOC steht vor Olympia-Fiasko

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Wenn es kritisch wird, verstecken sich IOC-Boss Thomas Bach und Co. gern hinter olympischer Symbolik. Das reicht aber nicht mehr, um Bewerber für die Winterspiele zu akquirieren.

(Foto: REUTERS)

Anfang Oktober legt sich das IOC auf drei Bewerber für die Winterspiele 2026 fest. Ende Oktober könnten die Olympier blamiert und ohne Auswahl dastehen. Nachdem erst Stockholm quasi aussteigt, zieht nun wohl auch Calgary den Bewerbungsstecker. Der Grund: die Kosten.

Die kanadische Stadt Calgary steht vor dem Ausstieg aus dem Bewerbungsrennen um die Olympischen Winterspiele 2026. Nach gescheiterten Verhandlungen über die Finanzierung sprach das Olympia-Komitee der kanadischen Stadt am Dienstag die Empfehlung aus, sich aus dem Rennen mit Mailand/Cortina d'Ampezzo und Stockholm zurückzuziehen. "Ohne Finanzierungsvereinbarungen gibt es keinen verantwortbaren Plan", sagte der Stadtrat und Vorsitzende des Olympischen Komitees, Evan Woolley. Die Kosten seien für die Bürger zu hoch. Zuvor hatte es ergebnislose Gespräche über die Verteilung der Kosten für die öffentliche Hand in Höhe von drei Milliarden Dollar gegeben.

Das letzte Wort über die Absage der für den 13. November geplanten Bürgerbefragung und damit den Verzicht auf eine Fortführung der Kandidatur des Winterspiele-Gastgebers von 1988 hat der Stadtrat, der am Mittwoch zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt. Calgarys Bürgermeister Naheed Nenshi hatte zu Wochenbeginn eine Frist für einen Verhandlungserfolg bis Montagabend gesetzt und schon mit einem Rückzug der Bewerbung gedroht. Laut Medienberichten war Kanadas Premierminister Justin Trudeau von Nenshi bereits über die Fragezeichen hinter der Finanzierung informiert worden.

Durch Calgarys Schwierigkeiten könnten dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zusehends die Bewerber für die Ausrichtung der übernächsten Winterspiele ausgehen. Denn auch Stockholm droht das Aus, nachdem die führenden Parteien im Rat der schwedischen Hauptstadt keine Steuergelder für Olympia freigegeben haben. Auch der italienischen Bewerbung fehlen noch konkrete Zusagen der Regierung in Rom. Anfang Oktober hatte das IOC den türkischen Bewerber Erzurum von der Liste der möglichen Kandidaten für 2026 gestrichen. In den Monaten zuvor hatten sich bereits Sion/Schweiz, Graz/Österreich und Sapporo/Japan zurückgezogen.

Bewerbermangel, Kostenwahnsinn

Damit steht das IOC erneut vor einem Bewerbungsfiasko. Schon für die Winterspiele 2022 hatte es olympische Ohrfeigen und mit Peking und Almaty nur zwei Bewerber gegeben, nachdem Oslo seine Bewerbung wegen zu hoher Kosten wieder zurückgezogen hatte und zahlreiche andere Städte von vornherein abgewunken hatten. Am Ende erhielt Peking den Zuschlag. Befürchtet wird nun allerdings, dass die chinesische Hauptstadt dem IOC einen neuen Kostenrekord bescheren und damit selbst die exorbitanten Ausgaben für Sotschi (siehe Grafik) übertreffen könnte.

Nach Meinung von Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS und IOC-Ehrenmitglied, werden die Peking-Spiele 2022 die "teuersten werden, die wir je gesehen haben". Das mutmaßte der Italiener vergangene Woche. Er habe gehofft, "vom Geldausgeben wegzukommen". China allerdings wolle alles immer "größer und besser machen".

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Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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