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Abschied unter Tränen
Abschied unter Tränen(Foto: imago/Xinhua)
Dienstag, 14. November 2017

Buffon verlässt Nationalteam: Italien weint mit dem heiligen "Gigi"

Italien verpasst die WM und Gianluigi Buffon verlässt die "Squadra Azzura". Die Torwartlegende weint über das bittere Aus der Nationalmannschaft. Noch mehr Grund zum Trauern aber haben die Italiener - über den Verlust eines Unersetzlichen.

Im bittersten Moment seiner schillernden Karriere blieb sich Gianluigi Buffon treu. Das Wohl der Anderen - für "San Gigi", den Heiligen, besaß es auch an diesem Abend weitaus mehr Bedeutung als das eigene Schicksal. Italiens Fußball-Ikone glänzte mit Feingefühl, nicht mit Paraden, und zeigte einmal mehr wahre Größe.

Buffon als 19-jähriger Nationaltorwart
Buffon als 19-jähriger Nationaltorwart(Foto: imago/Pius Koller)

Mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen gratulierte der 39-Jährige nach dem schmerzhaften WM-Aus der stolzen Fußballnation zuallererst den Schweden, die seine internationale Karriere beendet hatten. Dann nahm Buffon tröstend seine trauernden Teamkollegen in den Arm - und kümmerte sich ganz zum Schluss doch noch um das eigene Schicksal. In aller Kürze, natürlich.

"Die Zeit schreitet stets voran, mein Ende im Nationalteam ist nur die logische Konsequenz", sagte Buffon mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen: "Das Aus ist sehr enttäuschend für mich, aber vor allem für Italien. Die WM-Qualifikation wäre auch in sozialer Hinsicht extrem wichtig für das Land gewesen." Dass der viermalige Weltmeister 2018 erstmals seit 60 Jahren bei einer WM-Endrunde fehlen wird, dürfte zu verschmerzen sein. Es wird ja auch wieder anders kommen. Aber Italien ohne Buffon? Die Azzurri ohne ihren leidenschaftlichen Vorsänger? Jubel und Trauer ohne diese unverblümte Echtheit? Das will man sich eigentlich gar nicht ausmalen.

Sein größter Triumph: der WM-Sieg 2006 in Deutschland.
Sein größter Triumph: der WM-Sieg 2006 in Deutschland.(Foto: imago/UPI Photo)

"Wenn ich aufhöre", sagte Buffon einmal ohne einen Anflug von Größenwahn, "dann möchte ich, dass die Leute traurig sind." Tatsächlich bedrückte bereits das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere die Menschen weltweit. Wie soll es erst im kommenden Sommer werden, wenn Buffons Laufbahn bei Juventus Turin wohl zu Ende geht?

"Man erinnert sich an unsere Taten"

Egal ob in England oder Italien, ob in Spanien oder Deutschland, ob in Asien, Europa oder in Amerika, gedruckt oder online - der Kummer der "Numero Uno" stand symbolisch für den Schmerz einer gesamten Nation. Die Squadra Azzurra, das war nunmal über viele Jahre hinweg vor allem Buffon.

Im Alter von nur 19 Jahren hatte der Rekordnationalspieler sein erstes von insgesamt 175 Länderspielen bestritten. Ein 1:1 war damals gegen Russland herausgesprungen, passenderweise in den Play-offs für die WM 1998 in Frankreich, wo Buffon dann auch erstmals teilnahm. Den Höhepunkt erreichte er acht Jahre später mit dem Triumph in Deutschland.

"Man erinnert sich an unsere Taten. An unsere Fähigkeit, das Unmögliche wahrzumachen", beschrieb Buffon seine Devise, die sich wie ein roter Faden durch das bisherige Leben zog. Als junger Profi unterstützte er seinen Heimatclub Carrarese Calcio 1908 noch in der Fankurve, später sogar finanziell. Buffon verlor Millionen, ebenso wie durch sein Investment in ein krisengeschütteltes Textilunternehmen. Reue? Niemals.

"Ich wollte nicht, dass die vielen Menschen ohne Arbeit sind", begründete Buffon die Entscheidung: "Es hat mir nicht gefallen, dass immer mehr ausländische Investoren Firmen übernahmen. Ich glaube an 'Made in Italy'." Vielleicht auch deshalb absolvierte er seine komplette Karriere (bislang) in der Heimat, zog 2006 den Zwangsabstieg mit Juventus Turin in die Serie B einem lukrativen Wechsel ins Ausland vor. Das Ende in der Nationalelf ist nun ein kleiner Vorgeschmack auf die Zeit ohne "San Gigi". Er wird fehlen.

Quelle: n-tv.de

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