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Tennis-Queen mit Titel-Ambition Kerber deklassiert Scharapowa in Melbourne

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Nach ihrem zwölften Sieg im zwölften Match gibt es für Angelique Kerber kein Halten.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Angelique Kerber spult bei den Australian Open die Zeit zurück: Die ehemalige Nummer eins der Tennis-Welt besiegt Maria Scharapowa im Schnelldurchgang - und wirkt dabei, als hätte es das Horrorjahr 2017 nicht gegeben. Sogar der Turniersieg scheint möglich.

Angelique Kerber hat den Härtetest in Melbourne mit Bravour bestanden und ihre Titelambitionen untermauert. Die 30 Jahre alte Kielerin ließ der schwachen Maria Scharapowa im Duell der einzig verbliebenen Grand-Slam-Champions im Turnier keine Chance. In nur 64 Minuten deklassierte sie die Russin mit 6:1, 6:3. "Ich habe von Anfang bis zum Ende mein Spiel gespielt. Ich bin rausgegangen und habe versucht, die Emotionen von meinem Titelgewinn 2016 wiederzufinden", sagte Kerber.

Nach dem Aus des Weltranglistenvierten Alexander Zverev ist Kerber in der zweiten Turnierwoche die letzte deutsche Hoffnung bei den Australian Open. Der gebürtige Hamburger hatte am frühen Abend seine nächste Grand-Slam-Enttäuschung erlebt. Zverev unterlag dem Südkoreaner Chung Hyeon nach 3:22 Stunden und einem Einbruch im fünften Satz, in dem ihm nur noch fünf Punkte gelangen, 7:5, 6:7 (3:7), 6:2, 3:6, 0:6. Kurz zuvor war auch dem Nürnberger Maximilian Marterer nach seinen ersten beiden Profisiegen die Kraft ausgegangen, der 22-Jährige verlor gegen den Amerikaner Tennys Sandgren 7:5, 3:6, 5:7, 6:7 (5:7).

Zverev hadert mit den Nerven

Eine knappe Stunde nach der Partie versuchte sich Zverev bereits an der Analyse seiner Grand-Slam-Misere. "Diese Turniere bedeuten mir noch zu viel. Bei den Masters bin ich nach meinen zwei Titeln ruhig", sagte er: "Aber ich mache mir keine Sorgen. Wer hat schon mit 20 Jahren ein Grand-Slam-Turnier gewonnen?" Er müsse nun herausfinden, was bei den Majors "in den entscheidenden Momenten mit mir passiert".

Das hatte Kerber bereits vor mehreren Jahren getan, und nach einer Saison, in der nichts mehr zusammenlief, ist sie auf dem besten Weg zurück an die Spitze. Gegen Scharapowa tat sie das, was sie am besten kann: Sie setzte ihre Gegnerin konstant unter Druck und produzierte kaum eigene Fehler. Die ehemalige Weltranglistenerste, die 2017 wegen ihrer Dopingsperre in Melbourne gefehlt hatte, schenkte Kerber dagegen zahlreiche Punkte. Im Siegerinterview auf dem Court überschlug sich Kerbers Stimme vor Glück. "Ich versuche, jeden Moment hier zu genießen", brachte sie gerade noch heraus.

Nach ihrem zwölften Sieg im zwölften Match des Jahres besteht kein Zweifel mehr: Kerber ist die Top-Favoritin auf den Triumph in Melbourne, auch wenn noch ein weiter Weg vor ihr liegt. Zu Beginn der zweiten Woche spielt sie entweder gegen Agnieszka Radwanska (Polen/Nr, 26) oder Hsieh Su-Wei um den Einzug ins Viertelfinale. Dass es sogar zum zweiten Titel reichen könnte, glaubt auch Eurosport-Experte Boris Becker: "Mich erinnert das sehr an 2016: Die Siegerin bei den Australian Open hieß damals Angie Kerber", sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner im TV-Sender.

Becker beschwichtigt Kritiker

Das hatte auch Zverev angepeilt - oder sogar noch mehr. Gegen Chung, Sieger des NextGen-Finals 2017, kassierte Zverev, der beim Turnier der besten Nachwuchsprofis in Mailand nicht teilgenommen hatte, die zweite Niederlage im zweiten Duell. In Melbourne war er dennoch als klarer Favorit in die Partie gegangen, agierte jedoch nach dem starken dritten Satz und einem frühen Aufschlagverlust im vierten zunehmend unsicher.

"Ich hatte trotzdem das Gefühl, der bessere Spieler zu sein", sagte Zverev, "im fünften Satz lief dann alles gegen mich." Boris Becker, Chef-Berater der deutschen Tennismänner, warnte indes vor zu hohen Erwartungen: "Man muss ihm Zeit geben. Er ist wie ein Stern in die Weltspitze geflogen, jetzt muss er sich konsolidieren."

Quelle: n-tv.de, Cai-Simon Preuten, sid

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