Sport

Klubs und Stars engagieren sich Mit Bratwurst und Millionen gegen die Krise

imago45011946h(1).jpg

Die Fußball-Nationalspielern stellen 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Die Corona-Krise setzt dem deutschen und dem internationalen Sport zu. Sie macht aber auch kreativ bei der Geldbeschaffung - und viele Klubs, Fans und Sportler leben die eingeforderte Solidarität vor.

Die Corona-Krise stürzt den Profi-Sport in eine finanzielle Ausnahmesituation. Die Bundesliga setzt ihren Spielbetrieb bis mindestens 2. April aus, die europäischen Wettbewerbe sind aufgeschoben, die Fußball-EM ist für dieses Jahr abgesagt. Und auch in anderen Sportarten macht sich die Pandemie bemerkbar. Die NBA und die Deutsche Eishockey-Liga sind ebenfalls unterbrochen, auch die Formel 1 hat den Pausenknopf gedrückt.Ausbleibende TV- und Sponsorengelder und fehlende Ticket-Einnahmen stürzen die Klubs Sportarten übergreifend in ein wirtschaftliches Desaster - für manche Klubs ist das gar existenzbedrohend. Während die Bundesregierung und die Sportverbände über finanzielle Unterstützung der Klubs beraten, handeln an anderer Stelle Vereine und Spieler selbst und entwickeln nicht nur Ideen, um ihren Vereinen Geld in die Kassen zu spülen, sondern auch, um der Gesellschaft zu helfen.

Fußball-Bundesligist 1. FC Union Berlin ist kreativ geworden und verkauft virtuelles Bier und virtuelle Stadion-Bratwürste. "Viele Unioner haben sich in den letzten Tagen gemeldet und gefragt, wie sie den Verein mit einer Spende unterstützen können. Darunter war eine unwiderstehliche Idee: Der virtuelle Imbisswagen!", teilten die Köpenicker mit. Und so konnten die Fans nach dem ausgefallenen Spiel gegen die Bayern ihren Verein finanziell unterstützen, um die Einnahmeausfälle dieser Tage zumindest etwas zu kompensieren. Vorher hatte schon der VfL Bochum so genannte "Geister-Tickets" verkauft, um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren.

Millionen-Spende der Nationalmannschaft

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat derweil einen Spendenaufruf gestartet und geht selbst voran: Das Team spendet 2,5 Millionen Euro für soziale Zwecke. Über die Plattform wirhelfen.eu werden Fans aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen. "Wir müssen aufeinander schauen in solchen Zeiten", betonte Keeper Manuel Neuer.

"Wir alle merken, dass wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation befinden. Jeder von uns ist betroffen", ergänzte Joshua Kimmich: "Deshalb ist es wichtig, dass wir einander helfen und unterstützen. Wir sollten uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und Solidarität zeigen." Mithilfe von Videobotschaften wenden sich viele Nationalspieler an die Fans und rufen zu Zusammenhalt in der schwierigen Zeit auf. Unterdessen hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Bundesliga-Profis zu Gehaltverzicht aufgerufen. Dafür erntete er beißende Kritik aus der Liga.

Eine Million Mahlzeiten

Auch Footballstar Russell Wilson und seine Frau Ciara wollen in Zeiten der Krise helfen. Sie bezahlen eine Million Mahlzeiten für Menschen, die an der US-Westküste wegen der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind. Das haben der Quarterback der Seatlle Seahawks und die Popsängerin am Dienstag bekanntgegeben. Das Ehepaar unterstützt das Unternehmen "Food Lifeline", das sich für Bedürftige im US-Bundesstaat Washington einsetzt. Dort gab es bis Dienstag über 1000 Corona- und 52 Todesfälle - 43 davon im King County, wo Seattle liegt. Quarterback Patrick Mahomes von Super-Bowl-Champion Kansas City Chiefs hatte zuvor 15.000 Mahlzeiten bezahlt. Mit seiner Stiftung "15 and the Mahomies" wird der Spielmacher außerdem 100.000 Dollar an Hilfsorganisatoren spenden

Sowohl in Deutschland als auch in Amerika hängen an den großen Sport-Ligen Tausende von Arbeitsplätzen. Diese sind durch den in den großen Ligen ausgesetzten Spielbetrieb jetzt aktiv bedroht. Der NBA-Star Zion Williamson zeigt sich solidarisch und hat bekanntgegeben, dass er für die nächsten 30 Tage die Gehälter aller Stadionmitarbeiter bezahlen will. Andere Spieler folgten seinem Beispiel: Klubbesitzer und Spieler der Golden State Warriors werden einen Katastrophenhilfe-Fonds über eine Million US-Dollar einrichten, um den mehr als 1000 Beschäftigen der Arena zu helfen. Giannis Antetokounmpo (Milwaukee Bucks), Kevin Love (Cleveland Cavaliers) und Blake Griffin (Detroit Pistons) spenden jeweils 100.000 Dollar.

"Diese Zeiten zeigen, wer die Helden sind"

Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim hat einen Hilfsfonds für Vereine, Institutionen und Einrichtungen aus der Region eingerichtet, die durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind. Der Fonds speist sich aus einer Einlage des Klubs und Mitteln, die Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zur Verfügung stellt.

Der schwedische Superstar Zlatan Ibrahimovic rief in Italien, das mit mehr als 2500 Toten das am stärksten betroffene Land Europas ist, zu Spenden für Krankenhäuser, Ärzte und Krankenschwestern auf "Lasst uns das Coronavirus wegkicken und dieses Spiel gewinnen", sagte der Angreifer vom AC Mailand in einer Video-Botschaft, die die er unter anderem "an meine Kollegen" richtete.

Nationalspieler Ilkay Gündogan rückte derweil die zahlreichen Helfer im Gesundheitswesen in den Fokus. "Diese Zeiten zeigen, wer die wahren Helden sind - und das sind nicht die Fußballer oder andere Sportler. Es sind die vielen Ärzte und Pfleger, die in dieser schwierigen Lage für uns alle ihr Leben geben", sagte der Profi vom englischen Meister Manchester City dem spanischen Fußballzeitung "Marca". "Wir können diesen Leuten gar nicht genug danken für das, was sie für uns tun", betonte Gündogan: "Sie retten unsere Leben."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.