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Hochleistungssport bei 40 Grad Nicht gesund, aber Profis sind abgehärtet

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Jan Frodeno lebt und trainiert freiwillig in heißen Regionen.

(Foto: imago/Patrick Scheiber)

Bei einer Hitzewelle droht Hobbysportlern der Kollaps. Schlimmer als die Temperaturen ist die direkte Sonneneinstrahlung. Die setzt auch Profisportlern und "Hochleistungsmaschinen" zu, aber die wissen sich zu schützen.

Bei 35 Grad Celsius wird Michele Ufer gerade erst warm. Er kommt soeben vom mittäglichen Jogging, "eine Stunde", abends geht es noch mal raus. Der Extremläufer ist bei bis zu 54 Grad durch die Kalahari-Wüste gehetzt, er hält Vorträge über Sportpsychologie auf dem Ergometer in der Sauna - da ist die heißeste Hitzewelle ein Kindergeburtstag. Normalbürger hingegen stehen bei Belastung kurz vor dem Kollaps.

"Das kommt ganz darauf an, ob ich eine Hochleistungsmaschine bin - oder ob ich den Körper von Herrn Müller nebenan habe", sagt Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. Generell gilt: "Direkte Sonneneinstrahlung gilt es zu meiden, die ist viel entscheidender als die Temperatur." Also: "Cap auf, Kopf und Nacken schützen, Oberkörper bekleiden. Trinke ausreichend, passe das Tempo an."

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Bei extremer Hitze heißt es: Trinken, trinken, trinken.

(Foto: imago images / Norbert Schmidt)

Denn nicht jeder ist eine "Hochleistungsmaschine" wie Michele Ufer. Oder Jan Frodeno. Der Triathlon-Olympiasieger wohnt in Girona bei Barcelona, speziell, "um in warmen und heißen Bedingungen zu trainieren und zu leben". Er richtet auch in diesem Jahr alles auf den Ironman auf Hawaii aus, diese perverse Hitze-Ausdauer-Schlacht der Marathon-Männer und -Frauen.

"Die Gesundheit wird gefährdet"

Gesund ist das nicht. "Wir als Profi-Athleten sind es aber gewohnt", sagt Frodeno. Wichtig sei, "dass man vor und im Rennen viel Flüssigkeit zu sich nimmt, aber Salze und Mineralien nicht vergisst". Denn ohne rauscht das Wasser einfach durch den Körper hindurch.

Bei der Frauenfußball-WM ist zu sehen, wie bei Verletzungspausen 21 Spielerinnen an die Seitenlinie stürmen und Elektrolyt-Getränke trinken. Derzeit gibt es in Frankreich ein Aufatmen. "Ich bin froh, Hitze verbraucht extrem viel Energie", sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Doch nun folgen Tage mit bis zu 37 Grad. Beim Afrika-Cup in Ägypten klappte bereits Nigerias Flügelstürmer Samuel Kalu dehydriert zusammen, die Profi-Gewerkschaft Fifpro fordert zusätzliche Trinkpausen: "Die Gesundheit wird gefährdet."

Deutschland ächzt. Trainingseinheiten vieler Sportarten werden abgesagt oder in den Abend verlegt, wobei ein gängiger Irrtum das Meiden der Mittagshitze ist: Die Höchsttemperatur des Tages wird gegen 18 Uhr erreicht.

"Profis sind abgehärtet"

Was also tun? Besonders Hobbysportler setzen sich Gefahren aus. "Schatten und regelmäßige Pausen sind Pflicht", betont Froböse. Sonst droht der Sonnenstich: "Der Kopf überhitzt, es gibt Halluzinationen. Im schlimmsten Fall einen Hitzschlag, eine akute Notfallsituation: Man muss sofort ins Krankenhaus." Profis sind abgehärtet, doch sie leiden ebenfalls. Bei den Australian Open ist es im Tennis immer extrem, Wimbledon steht vor der Tür, die Tour de France der Radfahrer, der CHIO der Reiter in Aachen, der Zehn- und Siebenkampf in Ratingen. Alles womöglich in Affenhitze.

Ufer, der nicht nur 250 km durch die Wüste, sondern für eine WDR-Doku auch durchs Kühlhaus eines Spinatherstellers lief, setzt bei extremer Wärme auf mentale Tricks: "Ich stelle mir dann vor, ich laufe an der Hand meiner Frau morgens im Tau über eine Alpenwiese." Er demonstriert die Autosuggestion am Zitronen-Experiment: Man stelle sich vor, man habe eine sonnengelbe, reife Zitrone gekauft. Man schneidet sie mit scharfem Messer auf, der Saft fließt übers Schneidebrett, man führt die Zitrone zum Mund - und beißt hinein. Schon spannen sich sämtliche Kiefermuskeln an.

Es lässt sich aus Sicht des Extremläufers relativ leicht sagen: Ufer ist bei aller Vorsicht "kein Freund davon, übermäßig zu dramatisieren". Es gebe Kollegen, "die von Getränkeherstellern gesponsert werden und 75 Mal gestorben sind, die sich drei Meter vor dem Ziel im Sand einbuddeln, um nicht zu ertrinken", berichtet er lachend. "Da denke ich: Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?" Andere werden sich das bei ihm fragen.

Quelle: n-tv.de, Thomas Nowag, sid

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