Sport

"Leute müssen dir folgen" Pesic befeuert "Leader-Debatte" um Schröder

imago42099160h.jpg

Leader oder nicht? Basketball-Nationalspieler Dennis Schröder spielte bei der WM in China besser als die meisten seiner Teamkollegen.

(Foto: imago images / Camera 4)

Auch nach dem ersten Sieg der deutschen Basketballer bei der Weltmeisterschaft in China steht Spielmacher Dennis Schröder in der Kritik. Kein Leader sei er, lautet der Vorwurf von Ex-Nationalspieler Marko Pesic. Jedoch wird der NBA-Star von seinem Team auch lange im Stich gelassen.

Am Handy-Ladeterminal von Gate 15 vertrieb sich NBA-Star Dennis Schröder im Kreise seiner Kollegen die Zeit bis zum Start von Flug CA9668 aus Shenzhen nach Shanghai. Bevor Deutschlands beste Basketballer zur Rettung ihres Olympia-Traums auf den bitteren WM-Umweg durch die Platzierungsrunde abhoben, kam aus Deutschland die bislang deutlichste Schelte für das Vorrunden-Scheitern in China - und am Status des selbsterklärten "Leaders".

"Ich bin der Meinung, dass er kein Anführer ist. Er ist der beste Spieler, aber kein Anführer", sagte Marko Pesic, Geschäftsführer der Basketball-Abteilung des FC Bayern München bei Magentasport. "Um Anführer zu sein, ist die wichtigste Voraussetzung: Leute müssen dir folgen." Damit befeuert Pesic eine Debatte, die das Nationalteam schon seit mehreren Jahren begleitet: Hemmt die dominante Rolle des derzeit besten Spielers die Mannschaft? Man müsse analysieren, warum die anderen Spieler ihre Leistung nicht gebracht haben, betonte Pesic.

*Datenschutz

Der 25 Jahre alte Aufbauspieler selbst sieht sich in der Rolle des "Leaders". "Entweder ich spiele mein Spiel oder ich spiele gar nicht. Ich versuche, meine Spieler in Szene zu setzen", sagte Schröder noch vor den Pesic-Aussagen. Seine Kollegen im Team von Bundestrainer Henrik Rödl würden sich "hinter der Schröder-Diskussion" verstecken, meint aber Pesic. Die Mannschaft habe nicht die komplette Vorbereitung mit dem Spieler der Oklahoma City Thunder zusammen gespielt. "Aber dann muss man Schröder auch helfen. Man muss ihm auch erklären: 'Pass auf, du bist Teil der Mannschaft. Mach das, was du machen kannst, aber es gibt uns auch'", sagte Pesic. "Man muss einen Mittelweg finden."

Wo ist der Plan B?

"Wir haben immer noch ein großes Ziel, wir wollen uns für Olympia qualifizieren", sagte Schröder nach dem ersten WM-Sieg. Er selbst präsentierte sich mit besserer Wurfauswahl, zehn Punkten und elf Assists verbessert. In der Platzierungsrunde um die WM-Ränge 17 bis 32 geht es für die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes nun am Samstag und Montag in Shanghai gegen Senegal und Kanada (jeweils 14 Uhr bei Magentasport). Durch zwei Erfolge wäre der Sprung zu einem von vier Qualifikationsturnieren für Olympia 2020 in Tokio perfekt, mit einer Niederlage müsste noch gerechnet und gezittert werden.

In den ersten beiden, verlorenen Spielen hatte Schröder einerseits tatsächlich manchmal einen Plan B vermissen lassen, er wurde allerdings auch von seinen Kollegen sträflich allein gelassen. Mavericks-Spieler Maximilian Kleber warf gegen die Dominikanische Republik nicht ein einziges Mal auf den Korb, was sicher nicht nur an Schröder lag. Und dass der Aufbauspieler gegen die Dominikanische Republik vermehrt alleine abschloss, hatte auch den Grund, dass seine Kollegen sich gegen Frankreich sehr nervös und nicht gerade treffsicher präsentiert hatten.

imago42099183h.jpg

So dynamisch wie hier gegen Jordanien sah man Maximilian Kleber in den ersten beiden WM-Spielen nicht.

(Foto: imago images / Camera 4)

Kapitän Robin Benzing traf bisher weniger als jeden vierten seiner Feldwürfe - unterirdisch. Ismet Akpinar durfte stets neben Schröder starten, wirkte häufig überfordert und blieb die komplette Vorrunde ohne einen einzigen Assist. Daniel Theis, bevorzugter Passempfänger von Schröder, brachte sich mehrfach in Foulprobleme, und zeigte offensiv viel zu wenig - besonders dafür, dass auch er in der NBA sein Geld verdient. "Ich glaube, wir haben uns alle zu sehr auf Dennis verlassen, ihm zu viel auf die Schultern gepackt", kritisierte Bayern-Kapitän Danilo Barthel sich und die weiteren Spieler mit Führungsanspruch.

Schröder lernt schnell

Und dass es nur lautstarke Leader gibt, ist falsch. Schröder übernahm auf dem Parkett (wenn auch nicht immer glücklich) und danach Verantwortung, ging mit sich selbst und der Mannschaft hart ins Gericht. Beim Supercup in Hamburg noch in den höchsten Tönen gelobt, soll nun alles schlecht sein. Dabei zeigte der NBA-Profi, dass er lernfähig ist. Auch das ist eine Anführer-Qualität. Gegen Jordanien gab er den Ball im Angriff wieder deutlich früher weiter, so dass auch Spieler offensiv in Erscheinung traten, die zuvor im Turnier abgetaucht waren. Auch Schröders Worte fanden Gehör. Nach einem getroffenen Dreier sprangen alle Ersatzspieler auf und standen jubelnd an der Bande. Der 25-Jährige hatte zuvor bemängelt, dass die Gegner bislang "mehr Energie" gehabt und sich die Bank der Kontrahenten mehr füreinander gefreut hätte. Die Teamkameraden folgen Schröder also durchaus.

imago42099172h.jpg

Endlich wieder Teamgeist - die Mannschaft dankt nach dem Sieg gegen Jordanien den Fans.

(Foto: imago images / Camera 4)

Auch wenn die nötige Gemeinschaft und der unbedingte Wille bei den ersten beiden Auftritten zu selten zu sehen war - am Mittwochmittag hatten sich Team und Trainerteam zunächst gemeinsam ausgesprochen, abends war dann nur die Mannschaft vor dem Duell mit Jordanien zusammen essen gegangen. "Das in den ersten zwei Spielen, das waren nicht wir. Das war eine Katastrophe. Wir haben uns zusammengesetzt, weil das so nicht sein kann", berichtete Kleber von dem Treffen. "Wichtig war, dass wir reingegangen sind und gesagt haben: 'Hey, wir müssen heute mal Spaß haben.' Vielleicht waren wir in den ersten zwei Spielen zu verkrampft."

Um wirklich bei den ersten Sommerspielen seit 2008 dabei zu sein, ist es aber noch ein weiter Weg. Kurz vor den Spielen im nächsten Sommer werden die vier letzten Tickets vergeben, um sich aber sicher die Chance darauf zu erhalten, braucht es aber jetzt die beiden Siege. "Es ist menschlich, dass man erst fallen muss, bevor man große Schritte macht", sagte Bundestrainer Henrik Rödl über das gesamte Team. "Ich glaube, dass solche Erfahrungen auch helfen können." Auch Schröder lernt noch in seiner Leader-Rolle. In den nächsten beiden Spielen dürfen er und sein Team sich aber keine Fehler mehr leisten.

Quelle: n-tv.de, dbe/dpa

Mehr zum Thema