Unglaublicher ZwischenspurtAls es wild wird, entdecken eskalierende Dänen ihre Superpower

Gestützt auf eine unglaubliche Torwartleistung schießt Serienweltmeister Dänemark bei der Heim-EM Spanien aus der Halle. Als es kurz nach der Halbzeit eng zugeht und ihr Trainer tobt, schalten die Dänen in den Weltklassemodus - und holen sich den Nimbus der Unbesiegbarkeit endgültig zurück.
Als in der 34. Minute auf einmal der Ausgleich fällt, ist da Nervosität in der Jyske Bank Boxen. Die gut 14.000 dänischen Fans zittern auf den Rängen wieder um ihren Traum vom EM-Titel im eigenen Land und auf der Platte haben die dänischen Weltklassespieler auf einmal für Minuten den Faden verloren. Völlig unnötig geben sie gegen Spanien die Spielkontrolle aus der Hand.
Zur Erinnerung: eine Niederlage bringt sie noch näher an den Rand des vorzeitigen Ausscheidens und damit nahe an ein nationales Trauma. Doch dann schalten Welthandballer Mathias Gidsel und seine Kollegen endlich wieder in den Extragang, in dem sie vier WM-Titel in Serie eingefahren haben - und der ihnen den Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebracht hat. Innerhalb weniger Minuten führen sie wieder mit sieben Toren, am Ende gehen die Spanier 31:36 (14:16) unter.
Den endgültigen Bruch im Spiel der Spanier brachte ausgerechnet eine Szene, in der sie eigentlich profitiert hatten: Beim Stand von 20:17 liefen die Dänen einen Konter, trafen, doch in den Jubel der dänischen Fans mischte sich spanische Aufregung: Am Kreis der Dänen lag Außen Ian Barrufet, nach Ansicht der Videobilder wurde klar: Der Spanier hatte einen heftigen Treffer von Dänemarks Emil Bergholt kassiert.
Die Schiedsrichter nahmen das Tor zurück, stattdessen kam Spanien wieder in Ballbesitz. Dänemarks Trainer Nicolaj Jacobsen schäumte vor Wut, der Ex-Profi brachte mit eindeutigen Gesten die Halle zum Kochen. Als es dann noch Probleme mit der Zeitnahme gab, wurde es noch hitziger. Die Dänen zogen aus dem Furor sichtbar neue Kraft.
5-Minuten-Albtraum
Die folgenden Minuten gerieten zum Albtraum für die Spanier: Barrufet warf dem überragenden dänischen Torwart Emil Nielsen den Ball ins Gesicht und kassierte dafür nun selbst eine Zeitstrafe. Innerhalb der folgenden rund fünf Minuten überrannten auf einmal entfesselte Dänen unter dem infernalischen Jubel ihrer Landsleute den Gegner - und schraubten den Vorsprung auf acht Tore. Spanien erholte sich davon nicht mehr.
Überragender Mann aufseiten der Dänen war Torwart Emil Nielsen, der den Spaniern in den wichtigen Momenten immer wieder freie Würfe abkaufte und am Ende auf eine bärenstarke Quote von knapp 34 Prozent gehaltener Bälle kam. Erfolgreichster Torschütze des Spiels war Spaniens Jungstar Marcos Fis mit neun Treffern, Dänemarks Linksaußen Emil Jakobsen erzielte acht Tore.
Nach der schockierenden Vorrundenniederlage gegen Portugal (29:31) und dem spektakulären Sieg im Gigantenduell mit Europameister Frankreich (32:29) ist der Gastgeber jetzt endgültig wieder auf Kurs. Mit zwei Siegen aus den letzten beiden Hauptrundenspielen gegen Deutschland (Montag, 20.30 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de) und Co-Gastgeber Norwegen (Mittwoch) steht der große Favorit sicher im Halbfinale.
Frankreich demütigt Portugal
Den zweiten Spieltag der Hauptrundengruppe 1 hatte zuvor Frankreich mit einem spektakulären 46:38 (28:15)-Sieg über Portugal eröffnet. Nie zuvor hatte ein Team in einem EM-Spiel mehr Tore in der ersten Hälfte erzielt als die Franzosen, nie zuvor waren so viele Tore in einem Spiel gefallen.
Den Spieltag beschließt die deutsche Mannschaft. Mit einem Sieg im Duell mit Norwegen (20.30 Uhr/ZDF und im Liveticker auf ntv.de) würde das DHB-Team sich zwei Matchbälle auf dem Weg ins Halbfinale erspielen - und nur noch einen Sieg aus den beiden Mammutaufgaben gegen Dänemark (Montag) und Frankreich (Mittwoch) zum Weiterkommen benötigen.