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Nur noch eine "normale" Chance Schach-WM steuert auf "Armageddon" zu

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Remis, Remis, immer wieder Remis: Magnus Carlsen und Fabiano Caruana spielen bislang eine Schach-WM ohne Sieger.

(Foto: AP)

Nach dem elften Remis im elften WM-Duell haben Titelverteidiger Magnus Carlsen und Herausforderer Fabiano Caruana nur noch eine Möglichkeit, auf "normalem" Wege Schach-Weltmeister zu werden - danach winkt endgültig das "Armageddon".

"Armageddon" rückt näher, doch Magnus Carlsen ist die Ruhe selbst. "Schauen wir mal, was passiert", sagte der Norweger nach dem elften Remis in der elften WM-Partie gegen Fabiano Caruana betont lässig. Am Montag steigt in London das letzte Spiel zwischen den beiden Schach-Genies mit regulärer Bedenkzeit. Gibt es wieder keinen Sieger, werden den Duellanten die Daumenschrauben angelegt - bis hin zum "Armageddon", der Spielvariante, die nicht umsonst den Namen der biblischen Entscheidungsschlacht am Ende aller Tage trägt.

Der Modus der Schach-WM

Gespielt werden maximal zwölf Partien, wobei das Eröffnungsrecht jeweils wechselt. Alle drei Tage steht ein Ruhetag an. Für einen Sieg gibt es einen Punkt, bei Remis erhalten beide Kontrahenten jeweils einen halben Zähler. Erreicht ein Spieler vorzeitig 6,5 Zähler, ist das Duell beendet. Bei Gleichstand nach dem zwölften Spiel wird, wie bei der WM 2016 zwischen Carlsen und dem Russen Sergej Karjakin, ein Tiebreak mit verkürzter Spielzeit gespielt.

Carlsen nimmt es locker. Der Norweger gilt als mit Abstand bester Schnell- und Blitzschachspieler der Welt. Entsprechend blickt der 27-Jährige relativ entspannt auf den Fortgang der Dinge und seinen ein Jahr jüngeren Kontrahenten, zumal der am Montag eröffnet. "Viel hängt davon ab, was er tun möchte." Wenn Caruana das Spiel abwickeln, also ohne viel Risiko in Richtung eines erneuten Remis lenken wolle, "ist es okay für mich", sagte Carlsen: "Dann spielen wir halt schnell."

"Schnell spielen", so wie Carlsen es ausdrückt, würden er und der Italo-Amerikaner dann ab Mittwoch im Tiebreak, es wäre der ultimative Showdown um die Schachkrone. Zunächst stünden vier Partien im Schnellschach mit auf 25 Minuten verkürzter Bedenkzeit auf dem Programm, danach maximal zehn Partien Blitzschach mit fünf Minuten. Steht es dann immer noch unentschieden, käme es zu einer Armageddon-Partie.

Dabei hat der Spieler mit den weißen Figuren etwas mehr Bedenkzeit als sein Gegner, verliert dafür aber bei einem Unentschieden die Partie. Es wäre das erzwungene Ende einer Remis-Serie, die ihresgleichen in der 132-jährigen Geschichte von Schach-Weltmeisterschaften sucht. Der Rekord von Garri Kasparow und Viswanathan Anand, die 1995 mit acht Remis in die WM gestartet waren, ist längst gebrochen.

Remis-Flut führt zu Diskussionen

Auch in Partie elf am Samstagabend erweckte Caruana nicht den Eindruck, auf Teufel komm raus einen Tiebreak gegen Extremschnelldenker Carlsen vermeiden zu wollen. "Heute ist nicht wirklich etwas passiert", sagte Caruana nach der bislang kürzesten WM-Partie zwischen den beiden (2:13 Stunden). Nun werde es "sehr spannend für uns beide. An diesem Punkt ist die Spannung auf dem Höhepunkt", sagte Caruana. Aber er werde jetzt deswegen "nicht verrückt werden oder so", aber natürlich wolle er versuchen, Carlsen "unter Druck zu setzen".

Die Remis-Flut entfacht derzeit die immer wiederkehrende Regel-Diskussion rund um die WM neu. "Wenn wir Zuschauer außerhalb der Szene für Schach begeistern wollen, müssen wir neue Wege gehen", sagte eine Organisatorin des "Norway chess"-Turniers in London. Bei dem mit allen Topspielern besetzten Wettbewerb in Stavanger gehen sie deshalb im neuen Jahr voran. Auf jedes Remis folgt dort künftig automatisch "Armageddon".

Bei einem Weltmeisterschafts-Duell, dem prestigeträchtigsten Zweikampf im Schach, wollen die Spieler von einer solchen Regeländerung allerdings nichts wissen. "Eine WM im Armageddon zu entscheiden, kann nicht unser Anspruch sein", sagte Caruana - vielleicht spielt er deshalb am Montag ja doch schon alles oder nichts.

Quelle: n-tv.de, Jörg Mebus, sid

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