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800 Kilometer entfernt von Tokio Sportler kritisieren neuen Olympia-Plan

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Die Hitze bei der Leichtathletik-WM in Doha machte zahlreichen Sportlerinnen und Sportlern zu schaffen. Obwohl die Marathon- und Gehwettbewerbe nachts stattfanden, war der Mix aus 33 Grad und mehr als 70 Prozent Luftfeuchtigkeit für viele zu viel.

(Foto: imago images/Xinhua)

Nach dem Hitzedebakel bei der Leichtathletik-WM in Doha reagiert das IOC kurzfristig. Bei den Olympischen Spielen 2020 sollen Marathon und Gehen nicht im heißen Tokio stattfinden, sondern im kühleren Norden Japans. Die Begeisterung der betroffenen Sportler hält sich in Grenzen.

Die Sportler und Trainer überrascht, die Organisatoren überrumpelt: Die geplante Verlegung der olympischen Marathon- und Geherwettbewerbe von Tokio ins über 800 Kilometer entfernte Sapporo hat bei den Betroffenen für gehörig Wirbel gesorgt. Während die deutschen Geher mit gemischten Gefühlen auf die Ankündigung reagierten, müssen sich die Organisatoren neuneinhalb Monate vor den Sommerspielen wohl oder übel mit dem neuen Vorschlag anfreunden.

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"Ich verstehe schon die Gründe, aber ich persönlich finde es nicht so gut. Ich hätte es besser gefunden, wenn man eine Lösung in Tokio gefunden hätte. Beispielsweise, dass man wie bei der WM in Doha in der Nacht startet", sagte Geher Carl Dohmann. Bei den Titelkämpfen der Leichtathleten in Katar hatte der 29-Jährige die nächtliche Hitzeschlacht über 50 Kilometer am eigenen Leib erlebt - und mit Platz sieben ein starkes Resultat erzielt. Doch nach den teilweise erschütternden Szenen der Rennen in Katar entschied sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu, sich neu zu orientieren. In Sapporo soll es für die Sportler erträglicher sein - im Vergleich zu den befürchteten Extrem-Bedingungen in Tokio.

Entkoppelt vom Rest der Spiele

Der Nachteil: Marathonläufer und Geher sind vom übrigen olympischen Geschehen abgekoppelt. Ein Schicksal, mit dem sonst Reiter, Segler oder Fußballer zurechtkommen müssen. "Wir sind 800 km weg von den Olympischen Spielen, es fehlt einfach das Flair", sagte Dohmann weiter: "Der Kontakt zu den anderen Sportlern geht verloren."

Immerhin hätten seine Bekannten noch nicht Flüge und Hotels gebucht - im Gegensatz zur Situation bei seinem Kontrahenten, dem kanadischen Olympiavierten und WM-Dritten Evan Dunfee. Der fragte bei Twitter süffisant, ob der Leichtathletik-Weltverband IAAF und das IOC für die zusätzlichen Kosten seiner Familie und Freunde aufkommen würden. Seit drei Jahren habe er sich zudem mit seinem Team auf die Hitze in Tokio vorbereitet - der neue Plan sei ein "Tritt in die Eier". Es sei nun schwieriger für ihn, eine Olympiamedaille zu gewinnen.

"Können wir da 'Nein' sagen?"

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Der deutsche Bundestrainer Ronald Weigel begrüßte den Plan. "Im Grunde genommen, ist es eine gute Entscheidung, die für die Gesundheit der Athleten positiv zu bewerten ist", sagte Weigel. Zudem betonte der Weltmeister von 1983 aber auch, dass man sich auch nach einer möglichen Verlegung auf "extreme Bedingungen" einstellen müsse. "Es ist sicher ein bisschen kühler, aber man darf nicht blauäugig sein und denken, dass man keine spezielle Vorbereitung machen muss", sagte er.

Die Tokio-Organisatoren erklärten, dass sie den Plan "akzeptieren" würden. Die endgültige Entscheidung soll auf einer Sondersitzung am 30. Oktober und 1. November fallen. "Das IOC und der Leichtathletik-Weltverband unterstützen den Plan. Können wir da als Organisatoren 'Nein' sagen?", fragte OK-Chef Yoshiro Mori allerdings vielsagend. Tokios Bürgermeisterin Yuriko Koike gab sich diplomatisch, zwischen den Zeilen war aber auch ihre Verwunderung zu spüren. "Es war eine sehr unerwartete Ankündigung. Wir wissen, dass viele Bürger Tokios sich sehr darauf freuen und bereits Vorkehrungen getroffen haben."

John Coates, Vorsitzender der zuständigen IOC-Kommission, verteidigte die Vorgehensweise. Die Überraschung könne er verstehen, aber das IOC habe schnell handeln müssen, um keine Spekulationen aufkommen zu lassen. "Wir wollen, dass die Sportler jedwede Möglichkeit haben, ihre beste Leistung abzurufen. Wir wissen jetzt, dass dies in der Hitze (in Tokio, Anm. d. Red.) nicht möglich ist", sagte Coates der japanischen Zeitung "Kyodo News".

Quelle: n-tv.de, Dominik Kortus, sid

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