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"Mental und körperlich am Ende" Tennis-WM bringt Zverev an seine Grenzen

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Alexander Zverev kämpft beim Saisonfinale in London nicht nur mit seinen Tennisgegnern.

(Foto: imago/PRiME Media Images)

Die Tennis-WM als krönender Jahresabschluss? Für Jungstar Alexander Zverev ist sie eher eine Qual. Der 21-Jährige schleppt sich in London durchs Turnier. Trotz Pleite gegen Novak Djokovic und Müdigkeit muss Zverev auf den Urlaub aber wohl noch etwas warten.

Den Urlaub sehnt Alexander Zverev seit Wochen herbei, er ist längst gebucht. Ein paar Tage Dubai, dann schnorcheln auf den Malediven. Zverev braucht dringend Erholung von der seiner Meinung nach "absurd" langen Tennissaison und fast elf Monaten Tingelei über den gesamten Globus. "Irgendwann ist man mental und körperlich einfach am Ende", sagte Zverev vor seinem letzten und entscheidenden Gruppenspiel beim ATP-Finale in London.

Die eigenen Grenzen hat der 21-Jährige nach 74 offiziellen Matches im Jahr 2018 längst erreicht. "Schon seit zwei Monaten" fühle er sich nicht mehr topfit, sagte Zverev, der ab und an auch noch im Doppel mit Bruder Mischa im Einsatz war. Die Turnierwochen beim Hopman Cup in Australien und beim Laver Cup in den USA tauchen in den Statistiken gar nicht auf, haben aber auch an den Reserven des gebürtigen Hamburgers gezehrt.

Kraftakt gegen die Müdigkeit

Zverev steht vor einem Kraftakt, wenn er am Freitag ab 15 Uhr gegen John Isner aus den USA um den Einzug ins Halbfinale spielt. Seine Chancen sind trotz des ernüchternden 4:6, 1:6 gegen den Serben Novak Djokovic noch immer gut, die Qualifikation für die K.o.-Runde hat er weiterhin selbst in der Hand. Ein Sieg reicht sicher fürs Halbfinale. Leistet Djokovic gegen Marin Cilic Schützenhilfe und schlägt den Kroaten, würde Zverev sogar eine Dreisatz-Niederlage zum Weiterkommen genügen.

Der Fluch der guten Tat, die Halbfinals und Endspiele der Saison, die Wochen in Hotels und die Flugreisen - all das hat aber Spuren hinterlassen bei Zverev. Zudem muss sich der Jungstar bei seiner berechtigten Kritik am Kalender der ATP auch Fragen nach seiner Saisonplanung gefallen lassen. So lukrativ Turniere in Rotterdam, Acapulco oder Peking sind - waren sie unbedingt nötig?

Auch Djokovic fordert Umdenken

So deutlich wie Zverev äußert kein Kollege seinen Unmut über die Terminhatz auf der Tennistour, doch das bescheidene sportliche Niveau unter den acht Saisonbesten spricht für sich. Rafael Nadal (Spanien) und Juan Martin del Potro (Argentinien) sind in London verletzungsbedingt erst gar nicht dabei, und selbst Roger Federer (Schweiz) und Djokovic, die 2018 geplante und erzwungene Pausen einlegten, schleppen sich dem Ende entgegen.

"Sicher fehlt im Vergleich zum Saisonbeginn etwas Substanz", sagte der bereits für das Halbfinale qualifizierte Djokovic und fordert ein Umdenken: "Wir haben die längste Saison aller Sportarten, und es kommen ständig neue Events dazu. Wir müssen mehr Wert auf Qualität statt auf Quantität legen." Zverev wird die Meinung des Weltranglistenersten mit Freude zur Kenntnis genommen haben, die ATP weniger: Sie präsentierte am Donnerstag in London ein neues Teamformat, das ab 2020 nur wenige Wochen nach dem umstrittenen Davis-Cup-Finale in Australien stattfinden wird.

Quelle: n-tv.de, Cai-Simon Preuten, sid

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