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Sportvideos für die Quarantäne Tränen sind erlaubt, aufgeben nicht

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Endlich im Ziel: Derek und Jim Redmond.

Der Livesport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Derek Redmonds beeindruckendste 400 Meter.

"So schön das auch ist, am liebsten würde ich das alles hinter mir lassen und nicht nur dafür in Erinnerung bleiben." Das sagt Derek Redmond im Februar 1993. Knapp sechs Monate, nachdem er in Barcelona für einen der denkwürdigsten Momente in der Geschichte der Olympischen Spiele gesorgt hat. Und bis heute ist der britische Leichtathlet vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil er sein 400-Meter-Rennen unter Tränen beendet. Und unter stehenden Ovationen des Publikums, die er selbst aber gar nicht mitbekommt: "Ich hatte keine Ahnung, bis ich das Video gesehen habe."

Am 3. August 1992 ist Redmond 26 Jahre alt und gehört zu den besten Sprintern der Welt über die Stadionrunde. Ein Jahr zuvor hat er mit der britischen Staffel bei der WM in Tokio sensationell Gold geholt und das überlegene US-Quartett entthront. In Barcelona gewinnt er seine ersten beiden Läufe, läuft so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr. Doch im Halbfinale endet der Traum vom olympischen Endlauf nach 150 Metern mit einem Knall im rechten Oberschenkel. Redmond fällt unter Schmerzen zu Boden, greift sich sofort ans Bein. Die Konkurrenten und damit die Chance auf das Finale laufen davon.

Doch Redmond schickt die Ärzte weg, die ihm zur Hilfe eilen wollen, kämpft an gegen den Schmerz und gegen die Tränen. "Ich habe zu mir selbst gesagt: Auf gar keinen Fall verlasse ich diese Olympischen Spiele auf der Trage." Also steht er auf und humpelt los. Für Redmond selbst fühlt es sich an, als würde er sprinten, wie er später erzählt: "Erst in der Aufzeichnung habe ich realisiert, dass ich überhaupt nicht schnell laufe."

"Dann ziehen wir das zusammen durch"

Der 26-Jährige humpelt der Ziellinie entgegen, langsam zwar, aber dafür umso entschlossener. Das rechte Bein kann er dabei kaum noch belasten - doch aufgeben ist für ihn keine Option. Auf den letzten 100 Metern bekommt er dabei sogar noch Unterstützung: Sein Vater ist von der Tribüne auf die Bahn gestürmt, vorbei an verdutzten Sicherheitskräften.

Jim Redmond legt den Arm um seinen Sohn und sagt ihm, er solle aufgeben. Vielleicht reiche die Zeit ja, um bis zu den Staffelrennen wieder fit zu werden. Doch der weigert sich. "Also, habe ich gesagt, dann ziehen wir das eben zusammen durch."

Für Derek Redmond ist es das letzte große Rennen einer von Verletzungen geplagten Karriere. Bereits 1988 bei den Olympischen Spielen erlebte er eine Enttäuschung, als er seinen 400-Meter-Vorlauf im südkoreanische Seoul wenige Minuten vor dem Start absagen muss.

Zwei Jahre nach Barcelona muss er seine Karriere nach zahlreichen Operationen beenden. Doch sein unbedingter Wille bleibt weit über seine aktive Zeit hinaus in Erinnerung.

Quelle: ntv.de