Sport

Olympiasieger ist SPD-Kandidat Ullrich will Maaßen wie ein Athlet schlagen

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Frank Ullrich will für die SPD in den Bundestag.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Rennen um das Bundestagsmandat für den Wahlkreis 196 in Thüringen kämpft SPD-Kandidat und Olympiasieger Frank Ullrich gegen den CDU-Mann Hans-Georg Maaßen. Für seine Heimat will er sich gegen seinen umstrittenen Gegner durchsetzen - mit bewährten Methoden aus dem Spitzensport.

Frank Ullrich hat es mit den härtesten Kontrahenten aufgenommen. Als Biathlet bot der Olympiasieger den übermächtigen Sowjets um den großen Alexander Tichonow die Stirn. Als Langlauf-Bundestrainer musste er sich mit ständigen Angriffen seines Vorgängers Jochen Behle herumplagen. Nun aber wartet ein besonders heikler Gegner auf Ullrich: Im Kampf um ein Bundestags-Mandat muss er sich in Süd-Thüringen gegen die Reizfigur schlechthin durchsetzen - den CDU-Kandidaten Hans-Georg Maaßen. Und das will Ullrich wie einst als Athlet anpacken.

"Im Sport wie auch in der Politik muss man für Erfolg ganz hart kämpfen. Man muss sich mit Themen intensiv auseinandersetzen. Olympiasieger und Weltmeister wird man nicht von heute auf morgen", sagte der 61-Jährige dem Spiegel: "Da braucht man viel Kraft, Ehrgeiz, Willensstärke, einen langen Atem. Ruhe bewahren, Kompromisse eingehen, im Team spielen. Das gilt auch für die Politik."

Ullrich tritt für die SPD im Bundestagswahlkreis 196 an. Das Gebiet um Suhl und Schmalkalden ist nicht nur eine (Winter-)Sporthochburg, sondern auch kniffliges politisches Gebiet. Bei der Bundestagswahl 2017 war die SPD nur viertstärkste Kraft, bei der Landtagswahl 2019 landete Ullrich auf Platz zwei - 0,9 Prozentpunkte hinter dem siegreichen AfD-Kandidaten.

"Mit Silbermedaille nicht zufrieden"

"Mit der Silbermedaille war ich auch nicht unzufrieden", sagt Ullrich: "Ich hatte jedoch das Gefühl, dass große Teile unserer Bevölkerung wenig Vertrauen in unsere Bundespolitik haben. Ich hörte oft: Ihr da oben wisst ja gar nicht, was hier unten abgeht. Dazu kommt vielleicht auch, dass viele nach 30 Jahren Wiedervereinigung nicht da angekommen sind, wo sie sein wollten. Populisten wie Björn Höcke nutzen das aus."

Ullrich hingegen will mit Inhalten punkten. Dass diese Ebene zumindest auf lokale Sicht nun mit der umstrittenen Kandidatur des Rheinländers und Ex-Verfassungsschutz-Bosses Maaßen in den Hintergrund treten wird, ist dem einstigen Weltklasse-Athleten gar nicht recht.

"Ich finde es schade, dass die CDU Thüringen nicht jemanden gefunden hat, der aus der Region kommt und auf Augenhöhe über die bundespolitischen Themen sprechen kann, die für Süd-Thüringen wichtig sind, sagt Ullrich: "Ich trete hier für die bodenständigen Thüringer vor Ort an, für die Probleme, die es in dieser Region zu lösen gilt." Dieses Denken spricht er seinem Konkurrenten ab, er glaube nicht, "dass sich ein Herr Maaßen nach der Wahl hier noch mal blicken lassen wird".

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Ullrich, in seinem Wahlkreis geboren und tief verwurzelt, hat sich seit seinem Abschied aus dem Deutschen Skiverband vor sechs Jahren ganz den lokalen Belangen in seiner Heimat verschrieben. Der Sport ist dabei für den 10-Kilometer-Olympiasieger von Lake Placid 1980 immer noch "mein Hauptthema".

"Thüringen ist ein Sportbundesland. Ich möchte gerne den Sportausschuss im Bundestag ansteuern und dem Sport wieder einen höheren Stellenwert verleihen", sagt Ullrich in der Hoffnung, dass olympische Werte auch den politischen Diskurs prägen könnten: "Ich bin sicher, dass viele hier bereit sind, künftig wieder besser miteinander umzugehen. Dazu gehört auch der Teamgeist, den man am besten im Sport erlernt."

Quelle: ntv.de, vmi/sid

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