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Sperre und neues Verfahren WM-Aus für russisches Leichtathletik-Team

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Danil Lyssenko soll Hilfe von der Verbandsspitze bekommen haben - beim Vertuschen eines Dopingvergehens.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat nach den Manipulationsvorwürfen eine Untersuchung gegen Russland eingeleitet. Zudem bestätigte die IAAF die Suspendierung der russischen Leichtathleten, die damit nicht an der WM in Doha teilnehmen dürfen.

Keine Gnade für die Leichtathleten - und auch dem gesamten russischen Sport drohen harte Sanktionen: Wenige Tage vor der Leichtathletik-WM in Doha und zehn Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio ist Russland zurück im Fadenkreuz der internationalen Dopingjäger und muss nach neuen Manipulationsvorwürfen weitreichende Konsequenzen befürchten.

Wenige Stunden nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ein offizielles Verfahren gegen die in Verruf geratene Sport-Großmacht einleitete, blieb der Leichtathletik-Weltverband IAAF bei seiner harten Haltung und verlängerte die Suspendierung Russlands zum insgesamt zwölften Mal. Bei der am Freitag beginnenden WM darf erneut kein russisches Team starten.

Konsequenzen für alle russischen Athleten?

Viel schmerzhafter könnten allerdings die Konsequenzen sein, wenn sich die Vorwürfe bestätigen, Russland habe an den Daten des Moskauer Kontrolllabors herumgetrickst. Dann könnten am Ende alle russischen Sportler betroffen sein - so wie bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, als sie nur unter neutraler Flagge an den Start gehen durften.

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Maria Lasitskene startet unter neutraler Flagge in Doha.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

"Die Situation ist ernst. Uns drohen Sanktionen, obwohl wir für die Gründe nichts können", sagte Stanislas Posdnjakow, Präsident des russischen olympischen Komitees ROC, und forderte die Verantwortlichen auf, "überzeugende Antworten" zu finden. Und die sind nötig, denn die Vorwürfe wiegen schwer. "Experten haben sich die Daten angesehen, die wir von Whistleblowern bekommen haben, und die Daten, die wir von Russland erhalten haben. Es gibt Fragen, die gestellt werden müssen", sagte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli. Moskau bekam drei Wochen Zeit, um auf die Unregelmäßigkeiten zu reagieren.

Konkret geht es um Daten, die das Ausmaß des institutionalisierten Dopingprogramms belegen sollen. Nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen Wada-Gremiums, Jonathan Taylor, sollen positive Dopingtests gelöscht worden sein. "Die Frage ist nun, warum?", zitierte die New York Times Taylor. Wenn Russland Sanktionen vermeiden wolle, müsse das Land eine Erklärung "aus dem Hut zaubern".

"Strengste Sanktionen"

Die Übergabe der Daten aus dem Labor-Informations- und Management-System (LIMS) des Moskauer Labors war eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada in die Wada. Darin enthalten sind die Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015, in diesem Zeitraum sollen im Moskauer Labor systematisch positive Tests vertuscht worden sein. Erst nach langen Verhandlungen gab Russland Anfang 2019 die Daten heraus, dafür wurde Rusada in einem vielkritisierten Tauschhandel wieder aufgenommen. Bisher wurden aus den Daten 298 besonders verdächtige Fälle bekannt.

Die Wada hatte im Vorfeld gewarnt, "strengste Sanktionen" zu ergreifen, falls sich herausstellt, dass die Daten manipuliert seien. Nun könnte eine erneute Suspendierung der RUSADA ein Thema werden. Im Gegensatz zur Wada hatte die IAAF immer durchgängig hart auf den russischen Dopingskandal reagiert, inzwischen ist der russische Verband Rusaf seit fast vier Jahren suspendiert - und bleibt es erst einmal auch.

"Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Wada ein Verfahren gegen Russland eingeleitet hat", sagte der Task-Force-Vorsitzende Rune Andersen. Laut Präsident Sebastian Coe sei die Entscheidung einstimmig gefallen.

29 russische Athleten dürfen starten

Doch nicht nur die neuerlichen Vorwürfe führten zur Verlängerung des Ausschlusses. So sollen russische Verbandsoffizielle versucht haben, einen Dopingverstoß des Weltklasse-Hochspringers Danil Lyssenko zu vertuschen. Diese Untersuchung läuft noch. Auch sollen belastete und gesperrte Trainer und Mediziner weiter russische Athleten betreuen. "Dies untergräbt die Schaffung einer starken Anti-Doping-Mentalität", sagte Andersen und sprach von "wiederkehrenden Problemen".

Russische Leichtathleten dürfen derzeit nur nach eingehender Prüfung durch die IAAF als sogenannte "Neutrale Athleten" bei internationalen Wettbewerben starten. Die bisher letzte russische Mannschaft hatte bei der WM 2015 in Peking an einem internationalen Großereignis teilgenommen. Für Doha sind 29 "Neutrale Athleten" gemeldet.

Quelle: n-tv.de, Nikolaj Stobbe und Dominik Kortus, sid