Sport

Fifa-Skandal ohne Ende Was passiert jetzt, Herr Blatter?

imago19452363h.jpg

(Foto: imago/Ralph Peters)

Die Fifa versinkt im Chaos. Mehrere Männer aus der absoluten Führungsspitze sitzen in Haft. Da werden Fragen laut. Muss Fifa-Boss Blatter seinen Platz endlich räumen? Wer weiß. Kommt die WM 2022 jetzt nach Deutschland? Wer weiß.

Seit Sepp Blatter Fifa-Präsident ist, verfolgen ihn Skandale und Rücktrittsforderungen. Nun erschüttert ein neuerliches Beben den Fußball-Weltverband. Bei den WM-Vergaben für 2018 und 2022 soll Schmiergeld in Millionenhöhe geflossen sein. Und damit nicht genug: Neun Top-Funktionäre sitzen seit dem frühen Morgen in Haft, darunter zwei Vizepräsidenten. Ihnen wird Korruption, Geldwäsche, Erpressung und Betrug vorgeworfen.

Derartige Vorwürfe gibt es schon lange. Versuche der Fifa, mithilfe ihrer eigenen Ethikkommission Licht ins Dunkle zu bringen, scheiterten kläglich. Ganz anders erscheint dagegen die Arbeit der US-Ermittler. Zusammen mit ihren Schweizer Kollegen stellen sie die WM-Vergaben auf den Kopf.

Die Festnahmen kommen zur Unzeit und dürften den Weltverband mitten ins Herz treffen. Zwar mussten seit der doppelten WM-Vergabe an Russland und Katar bereits sieben Leute aus dem Fifa-Komitee zurücktreten, am Thron des Schweizers wurde aber bislang kaum gewackelt. Im Gegenteil: Allen Ungereimtheiten zum Trotz sollte Blatter am kommenden Freitag als großer Favorit auf eine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbandes ins Rennen gehen. Fraglich schien eigentlich nur noch, ob der 79-Jährige bereits im ersten Wahlgang den Sieges-Applaus der Delegierten zu hören bekommt.

Warum soll Blatter zurücktreten?

Seine Gegner hatte Blatter zuletzt einfach abgeschüttelt. So zogen Luis Figo und Michael van Praag ihre Kandidaturen zurück, allerdings nicht ohne zu betonen, wie sie unter Druck gesetzt wurden. Der einzig verbliebene Herausforderer ist Prinz Ali bin al-Hussein - dem Jordanier wurden allerdings kaum Chancen eingeräumt. Bis heute Morgen.

Nach den neuerlichen Vorwürfen ist der Übergang zum normalen Tagesgeschäft eigentlich nicht mehr möglich. Die Wiederwahl eines Präsidenten, aus dessen Führungsriege Personen verhaftet wurden, die nun auf die Auslieferung in die USA warten, wäre eine Farce.

Aber beim größten Fußballverband der Welt scheint alles möglich. Selbst eine Wiederwahl Blatters. In einer ersten Reaktion versuchte der Weltverband das Geschehen herunterzuspielen. "Warum soll Blatter zurücktreten?" fragt Fifa-Medienchef Walter de Gregorio: "Er wird nicht verdächtigt." Man begrüße die Ermittlungen im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Die Fifa habe schließlich selbst den Generalstaatsanwalt im vergangenen November gebeten, das Verfahren zu eröffnen. "Das ist gut für die Fifa. Es ist nicht gut für das Image, wegen des Rufs. Im Sinne der Transparenz, dass es bereinigt wird, ist es gut", sagt de Gregorio.

Welche Auswirkungen der neuerliche Skandal am Ende hat, kann niemand vorhersagen. Fest steht nur: Die Diskussion über die WM-Vergabe nach Katar wird wieder Fahrt aufnehmen, auch die Rufe nach einem Entzug werden wieder lauter werden. Doch die werden die Fifa-Granden einfach überhören. Blatter hat schließlich schon andere Krisen überstanden.

"Das ist ein großer Sumpf", sagte DFB-Boss Theo Zwanziger, der noch Mitglied der Fifa-Exekutive ist. Das Problem sei allerdings nicht damit erledigt, die Wiederwahl Blatters zu verhindern. "Der Fehler liegt im System der Fifa. Es können sich zu viele bedienen."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema