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Liga diskutiert über Coach Was wird aus Bundestrainer Prokop?

Handball-Bundestrainer Christian Prokop steht vor dem Allstar Game der Bundesliga voll im Fokus. Ob er nach dem EM-Debakel in Kroatien geht oder bleibt, könnte schon bald geklärt werden. Die Kritik an dem 39-Jährigen jedenfalls ist extrem scharf.

Bob Hanning ist genervt, zur leidigen Causa Christian Prokop will der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes nichts mehr sagen. Doch die Diskussion um den angeschlagenen Bundestrainer ebbt nicht ab. Fliegt Prokop nach dem EM-Debakel oder nicht? Diese Frage beschäftigt die Handball-Nation vor dem Allstar Game am Freitag (19.30 Uhr) in Leipzig. Die Führung der Bundesliga HBL will das Thema schnellstmöglich vom Tisch haben.

Hannings Plan, nach dem Ausscheiden in der EM-Hauptrunde eine umfangreiche Analyse in den nächsten vier bis sechs Wochen vorzunehmen, stößt bei der HBL auf Widerstand. "Ich wünsche mir, dass eine Entscheidung über eine Weiterbeschäftigung von Christian Prokop deutlich eher fällt", sagte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann der "Sport Bild".

Und die Liga will dabei ein Wörtchen mitreden. Wie ein Ligasprecher dem SID bestätigte, hielt das HBL-Präsidium am Mittwoch eine Telefonkonferenz ab, am Ende war noch keine Tendenz pro oder contra Prokop erkennbar. In den kommenden Tagen wird das Präsidium weitere Gespräche mit den Vereinen der Bundesliga suchen, um sich bestenfalls auf eine Empfehlung zu einigen. Diese soll Ligapräsident Uwe Schwenker als "Vize" auf der DHB-Präsidiumssitzung im Rahmen des Allstar Games vortragen.

Beim ersten Auftritt nach dem EM-Aus sind alle Augen auf Prokop gerichtet. Wie reagiert er auf Fragen nach seiner Zukunft? Wie verhält er sich im Zusammenspiel mit der Mannschaft? Fast den kompletten EM-Kader hat er für das Spiel nominiert. Nur der verletzte Rückraumspieler Paul Drux sowie Kreisläufer Patrick Wiencek (private Gründe) fehlen. Stattdessen stehen Fabian Wiede (Füchse Berlin) und Marian Michalczik (GWD Minden) im Aufgebot. Im Duell mit einer internationalen Bundesliga-Auswahl steht das Verhältnis zwischen Mannschaft und Bundestrainer im Mittelpunkt.

Liga würde sich wohl an Abfindung beteiligen

Nach der EM war viel von atmosphärischen Störungen berichtet worden. Dass Prokop Abwehrchef Finn Lemke zunächst nicht für die Titelkämpfe nominiert hatte, war dem Trainer ebenso angelastet worden wie einige taktische Entscheidungen. "Wir fahren gut damit, wenn wir jetzt alles in Ruhe analysieren und besprechen und schauen, wo die Ursachen lagen", sagte Nationalspieler Kai Häfner dem Portal Sportbuzzer: "Dann greifen wir neu an. Aber ich bin gespannt, was bei den Gesprächen und Analysen, die Bob Hanning ja angekündigt hat, herauskommt."

Der Gegenwind ist für Hannings Wunschtrainer erheblich. Die Bundesliga sei angeblich sogar bereit, sich im Falle einer Entlassung Prokops an einer möglichen Abfindung zu beteiligen, berichtete die "Sport Bild". Prokop war 2017 für eine Ablöse von 500.000 Euro vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig zum DHB gewechselt und hatte dort einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Zuletzt hatte Axel Geerken, Geschäftsführer der MT Melsungen, Prokop scharf kritisiert. "Ich will ihm wirklich nichts Böses, aber als Bundestrainer scheint er überfordert", sagte Geerken dem Fachmagazin "Handballwoche". Man müsse "sehr gründlich nachdenken", ob man mit Prokop als Bundestrainer in die Heim-WM im kommenden Jahr geht. "Verbrannt ist er schon heute", sagte Geerken.

Es werden bereits verschiedene Namen als mögliche Prokop-Nachfolger gehandelt, darunter Ex-Damen-Bundestrainer Michael Biegler, Alfred Gislason vom THW Kiel und der frühere Hamburger Meistertrainer Martin Schwalb. Letzterer wollte sich zu den Gerüchten nicht näher äußern. "Wenn jemand im Amt ist, spekuliert man nicht", sagte Schwalb.

Quelle: n-tv.de, tno/sid

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