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NBA-Draft: Zion und der Rest Wer angelt sich den nächsten Superstar?

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Spielt Zion Williamson, kracht es gewaltig: Der kommende Superstar wird der erste Pick im NBA-Draft.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Beim NBA-Draft ist bei den drei Top-Picks wohl alles klar, Zion Williamson führt die Gruppe der talentiertesten College-Spieler an. Aber dahinter regieren Aufregung und Chaos, es geht um Geld und Erfolg. Auch der Wechsel eines NBA-Superstars beeinflusst das Draft-Domino.

Anthony Davis hat es schon getan. Kawhi Leornard, frisch gebackener Meister mit den Toronto Raptors, wartet noch ab mit seiner Entscheidung. Und Kevin Durant, Punktemaschine der Golden State Warriors, bekommt trotz Achillessehnenriss ein Angebot nach dem anderen. In der NBA stehen diesen Sommer einige der größten Superstars vor Blockbuster-Wechseln: Neben Davis, den es zu LeBron James und den LA Lakers zieht, könnten auch die All-Stars Klay Thompson (Golden State), Kyrie Irving (Boston), Kemba Walker (Charlotte), Jimmy Butler und Tobias Harris (beide Philadelphia) in der nächsten Saison für einen neuen Klub spielen. Auch der deutsche Moritz Wagner wird wohl wechseln müssen, weil seine Lakers nach dem Mega-Trade Geld einsparen wollen.

Es rumort also in der NBA. Heute Nacht (ab 1 Uhr/DAZN) stehen weitere Zugänge für die Vereine an: Diesmal ist allerdings die nächste Generation dran, wenn im NBA-Draft im New Yorker Barclays Center, der Heimat der Brooklyn Nets, nacheinander die Namen der besten College-Spieler von den Teams aufgerufen werden, für die sie zukünftig punkten werden. Die NBA soll für alle Teams die gleichen Chancen bieten und ein wichtiger Eckpfeiler dieses Gleichheitsgebots ist der Draft. Die schlechtesten Teams der Saison bekommen stets die besten Picks und damit die größte Chance, die größten Hoffnungsträger an Land zu ziehen. Zum NBA-Draft dürfen sich alle Spieler anmelden, die in der kommenden Saison in der höchsten nordamerikanischen Spielklasse aufs Parkett möchten (ein Jahr College-Erfahrung ist bei US-Amerikanern Pflicht). In zwei Runden werden 60 Spieler von den Vereinen gezogen. Es geht dabei um so viel Erfolg, Geld und Jobs, dass die Portland Trail Blazers 2001 sogar zwei ehemalige FBI-Agenten anheuerten, um den potenziellen Nummer-eins-Pick Zach Randolph zu prüfen und mit ehemaligen Freunden, Trainern, Nachbarn, High-School-Lehrern Interviews zu führen.

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2019 wird ein besonderer Draft, denn bei den Universitätstalenten, die hoffen, auch irgendwann den Status eines NBA-Superstars zu erlangen, ist bei den ersten drei Picks die Rangfolge bereits klar. In den USA wird deshalb bereits von einem "three player draft" gesprochen. Aber was während des darauffolgenden Draft-Dominos passiert, bleibt bis zur Zeremonie äußerst spannend und unklar. Und auch das ist sehr außergewöhnlich. "Ich habe wirklich keine Ahnung, was passieren wird", sagt zum Beispiel Ed Stefanski, Boss der Detroit Pistons. "Es ist alles offen, das ist ungewöhnlich in einem Draft."

Zion, Morant, RJ - die Top-Picks

Der erste Pick ist selbst für Amateur-Tipper logisch. Jeder, der im vergangenen Jahr einmal Basketball geschaut oder in den Sozialen Medien nach Highlights gesucht hat, kennt den Namen: Zion Williamson, der Gewinner der College-Trophäen für den besten Freshman und Spieler der Saison. Seit LeBron James im Sommer 2003 entfachte nie wieder ein Spieler so einen Hype wie der der 18-Jährige mit seinen Gardemaßen von 201 Zentimetern und 129 Kilogramm, hochkonzentrierte Muskelmasse. Die New Orleans Pelicans, Inhaber des ersten Picks, freuen sich schon auf den Ausnahmekönner und Showman samt seiner Highlight-Dunks, der starken Defensivarbeit und seinen mittlerweile beachtlichen Fähigkeiten von der Dreipunktlinie. Nachdem Anthony Davis getradet wurde, soll Williamson das Gesicht der Franchise werden und ein junges Team anführen - nach nur einem Jahr College-Erfahrung an der Duke University. Wer verstehen will, wie groß der Hype jetzt schon ist: Selbst Ex-Präsident Barack Obama kam an die Universität, um Williamson spielen zu sehen.

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Ja Morant ist der erste Spieler in der Geschichte der obersten College-Liga überhaupt, der 20 Punkte und zehn Assists im Durchschnitt sammelte. Dabei traf er 50 Prozent seiner Würfe und pflückte knapp sechs Rebounds herunter. Der 19-Jährige besitzt ein herausragendes, beidhändiges Passspiel und große Improvisationsfähigkeiten, kann mit beiden Händen am Korb vollstrecken und überzeugt durch enorme Explosivität. Seine spektakulären Dunkings (der Point Guard ist nur 190 Zentimeter groß) bringen Basketballfans im ganzen Land zum Staunen. Morant spielte zwei Jahre für die kleine Universität Murray State, wurde aber trotzdem zum College-Superstar. Das schaffen nur wenige. Die Memphis Grizzlies haben den zweiten Pick und werden sich dieses Talent wohl nicht entgehen lassen.

Aber auch der als dritter gehandelte RJ Barret hat das Potenzial, ein Superstar zu werden. Zusammen mit Williamson spielte er ein Jahr für die Duke University und noch vor zwölf Monaten wurde Barret als der Top-Pick angesehen. Der 19-jährige Kanadier ist ein vielseitiger Offensivspieler und führte seine Uni-Mannschaft in Punkten (22,6 pro Partie) an – vor Williamson. Hinzu kamen 7,6 Rebounds und 4,3 Assists pro Spiel. Sein Spiel gilt als bereits perfekt für die NBA ausgebildet und Barret kann von Tag eins Leistung bringen. Darauf hoffen zumindest die New York Knicks, die die dritte Wahl im Draft haben. In der Metropole hatte alles gehofft, den Nummer-eins-Pick und damit Zion Williamson zu landen, aber auch sein ehemaliger Teamkollege wird den Fans viel Freude bereiten.

Bol Bol und Domino-Chaos

Allerdings: Was nach diesen drei Picks passiert, weiß keiner. Es wird eine Achterbahnfahrt, ein Draft-Domino. Jede Auswahl eines Spielers beeinflusst die darauffolgende. Jedes Team hofft, ein glückliches Händchen zu beweisen und sich genau den Youngster zu schnappen, der richtig durchstartet und Erfolg bringt. Im diesjährigen Basketballer-Pool werden sich auch noch einige großartige Talente zu finden sein, wenn die Top-3 schon gezogen wurden. Darius Garland von der Vanderbilt University, der zweitbeste Point Guard des Drafts, kann ein Spiel leiten und trifft knapp die Hälfte seiner Dreipunktwürfe. De'Andre Hunter, ein Forward aus Virginia, gilt als sehr guter Verteidiger, wirft sehr gut von hinter der Dreipunktlinie und gewann mit seiner Universität dieses Jahr den Titel. Dabei besiegte er Jarret Culver von der Texas Tech, der als vielseitigstes Talent neben Williamson gilt. Diese Spieler werden die Plätze hinter den großen Drei belegen.

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Dann gibt es aber auch noch Rohdiamanten wie Bol Bol. Der 2,19-Meter-Riese (übertroffen im Draft nur von Tacko Fall mit 2,29 Metern!) könnte alle Platzierungen zwischen sieben und 45 belegen, keiner weiß ihn wirklich einzuschätzen. Das liegt daran, dass er zwar im Stehen dunken, für seine Größe sehr gut werfen und für einen jungen Center einen Werkzeugkoffer voller basketballerischen Fähigkeiten vorweisen kann, aber auch immer wieder mit negativen Schlagzeilen von sich reden macht. Bol Bols Arbeitsmoral und Defensivfähigkeiten gelten als ausbaufähig, mit nur 95 Kilogramm ist er ein absolutes Leichtgewicht unter den "Big Men" in der NBA, die schon mal locker 130 Kilogramm auf die Waage bringen, und die letzten Monate im College fiel er verletzt aus. Ist er also vielleicht zu schwach und verletzungsanfällig für die NBA? Als einziger Deutscher ist Joshua Obiesie für den Draft gemeldet. Der 19-Jährige von Bundesligist s.Oliver Würzburg wird bei der Talenteziehung als Kandidat für die zweite Runde gehandelt.

Auch die Blockbuster-Trades der Superstars haben Auswirkungen auf das Draft-Domino. Der Trade von Anthony Davis zu den Lakers verändert nicht nur die NBA und die zukünftigen Wechsel von Durant, Leonard und Co., sondern auch die Ziehung heute Nacht. Der Pick der Lakers, sie dürfen an vierter Stelle auswählen, wurde im Davis-Deal an die New Orleans Pelicans abgegeben. Nun werden die Pelicans den vierten Pick wohl wiederum traden. Teams wie Atlanta, Chicago oder Phoenix scheinen Interesse an dem an Nummer vier gehandelten Point Guard Darius Garland zu haben (eine Position, die bei den Pelicans mit Ex-Laker Lonzo Ball nun ausgefüllt ist). Bis über 20 Picks-Tausche mit zusätzlichen Spielerwechseln könnte es geben. Die ersten drei Supertalente scheinen ihren Verein sicher zu haben - danach herrscht das Domino-Chaos.

Quelle: ntv.de