Formel1

Die Lehren des Formel-1-Auftakts Bottas keilt, Vettel frustriert, Verstappen stark

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Mund nicht getroffen? Valtteri Bottas.

(Foto: imago images / HochZwei)

Ferrari und der deutsche Pilot Sebastian Vettel sind in Melbourne überraschend hintendran, Weltmeister Lewis Hamilton wird nur Zweiter, weil der "falsche" Mercedes-Fahrer gewinnt. Und Nico Hülkenberg hat mit Renault noch viel Arbeit vor sich. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse nach dem Auftaktrennen der Formel 1 in Australien zusammengestellt:

1. Alarmstufe Rot!

In der Formel 1 gibt es die alte Weisheit, dass man den Testfahrten nicht zu viel Bedeutung beimessen soll. In diesem Jahr aber konnte sich kaum ein Beobachter der Zeitentabelle entziehen: Zu souverän, nahezu unantastbar präsentierte sich Ferrari in Barcelona. Die Konkurrenz von Mercedes gab sich ratlos ob der Performance der Roten und der eigenen Schwäche. Sebastian Vettels neuer Teamkollege Charles Leclerc ließ sich gar zu der These hinreißen, ein Ferrari werde den Auftakt in Melbourne gewinnen - es wurden die Plätze vier und fünf, nachdem die Roten in den Trainings und im Qualifying von Mercedes entzaubert worden waren. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff kam zu dem Schluss, Ferraris Nicht-Leistung im Albert Park lasse sich nur damit erklären, dass der Vettel-Rennstall "beim Set-up komplett in die falsche Gasse abgebogen" sei. Wenn das stimmt, wäre das schlimm für Ferrari. Aber immer noch besser, als doch wieder nur die zweite oder dritte Kraft zu sein. Vor dem zweiten Rennen in Bahrain ist in Maranello auf jeden Fall Feuer unterm Dach.

2. Den netten Herrn Bottas gibt's nicht mehr

Wer zuletzt noch über den Zehntagebart und die markigen Ansagen des Finnen geschmunzelt hatte, dem dürfte in Melbourne das Lachen vergangenen sein. Den netten Herrn Bottas gibt es nicht mehr! Beim Start überflügelte er Rekordjäger und Weltmeister Lewis Hamilton im zweiten Mercedes mühelos. Im Rennen drehte Valtteri Bottas dann als einsamer Spitzenreiter eine schnellste Runde nach der anderen - fast so, als gäbe es für jede einzelne einen Extrapunkt. Nach der Zieldurchfahrt dann entlud sich der ganze aufgestaute Frust beim 29-Jährigen. Nach erleichterten Jubelschreien und Danksagungen wandte er sich mit dem F-Wort an seine (zahlreichen) Kritiker. Die Grundlage ist geschaffen. Um aber dauerhaft als Siegfahrer wahrgenommen zu werden, muss Bottas nicht zuletzt im Zweikampf mit Hamilton nachlegen. Zuletzt gelang das 2016 einem gewissen Nico Rosberg. Ebenfalls mit härterer Attitüde, allerdings ohne F-Wort.

3. Red Bull hat Kontakt zur Spitze

Max Verstappen ist ein Megatalent, wahrscheinlich sogar ein kommender Weltmeister. Platz drei zum Auftakt ist eine gute Grundlage für den 21 Jahre alten Niederländer, der in den vergangenen Jahren schon vor Beginn der Europa-Saison einen großen Punkterückstand auf die Spitze hatte. Vor allem kamen seine 15 Punkte nicht von ungefähr. Der Red Bull ist schnell. In Melbourne kassierte Verstappen nicht nur Vettel, er wäre fast auch an Hamilton vorbeigekommen und Zweiter geworden. Honda zum Motorenpartner zu machen und damit zum verkappten Werksteam zu werden, scheint goldrichtig gewesen zu sein.

4. Hülkenberg hat mit Renault viel Arbeit

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Bitte lächeln: Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg.

(Foto: imago images / LaPresse)

Immerhin: Seinen neuen prominenten Teamkollegen Daniel Ricciardo hatte der Deutsche in Melbourne im Griff. Minimal schneller im Qualifying war Nico Hülkenberg, und im Rennen holte er mit Rang sieben nahezu das Maximum heraus - während der siebenmalige Grand-Prix-Sieger Ricciardo schon beim Start seinen Frontflügel und damit auch sein Rennen ruinierte. Leider geschah all das fernab der großen Scheinwerfer, denn Hülkenbergs Renault ist wieder nur ein Auto für das Mittelfeld. Der angestrebte erste Podiumsplatz seiner Karriere wird für ihn auch 2019 kaum zu erreichen sein.

5. Leclerc hat keine Superkräfte

Nein, Charles Leclerc hat Vettel keineswegs die Grenzen aufgezeigt. Im Qualifying war der Ferrari-Neuling klar langsamer als der Platzhirsch. Auch im Rennen ging für den 21-jährigen Monegassen erst in der Schlussphase etwas. Weil Vettels Reifen massiv abbauten, hätte Leclerc dem viermaligen Weltmeister unter normalen Umständen den vierten Platz streitig gemacht. Er verzichtete darauf, auf Geheiß des Teams. Talent hat Leclerc unbestritten, doch er muss sich erst noch an den Druck bei der Scuderia gewöhnen.

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Quelle: n-tv.de, sgi/sid

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