Formel1

Streit um F1-Budgetobergrenze Ecclestone rät Vettel zu Karriereende

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Karriereende oder Wechsel im Jahr 2021 für Sebastian Vettel?

(Foto: imago images/Nordphoto)

Der Ex-Boss der Formel 1, Bernie Ecclestone, empfiehlt Sebastian Vettel ein Karriereende oder einen Teamwechsel zu Saisonende. Bei Ferrari sehe er nicht mehr genug Unterstützung für den Deutschen. In der Königsklasse des Motorsports brodelt ein Streit zwischen den großen und den kleinen Teams.

Der ehemalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone empfiehlt Sebastian Vettel entweder ein Karriereende nach diesem Jahr oder einen Teamwechsel. "Ich denke, dass Sebastians Leistungen in der letzten Zeit unter der Ferrari-Konstellation mit dem neuen Teamkollegen Charles Leclerc, der auch noch vom Sohn des Fia-Präsidenten gemanagt wird, gelitten haben. Ich vermute, er sieht in (Teamchef Mattia) Binotto nicht den Unterstützer, den er in seiner Situation braucht", sagte der 89-jährige Brite dem TV-Sender Sport1 im Interview. "Sebastian sollte deshalb aufhören oder sich nach Alternativen für 2021 umsehen. McLaren, dann wieder mit Mercedes-Motoren, könnte so eine sein."

Ecclestone hält aber weiter viel von dem vierfachen Weltmeister: "Die Formel 1 braucht einen Sebastian, der gewinnt. Er hatte letztes Jahr ein Tief. Aber so wie ich ihn kenne, gibt es keinen Grund, warum neben Lewis (Hamilton) nicht auch Sebastian Michael Schumachers sieben Titel erreichen kann", sagte er über den 32-Jährigen. Ecclestone führte die Formel 1 rund 40 Jahre bis zu seinem Ausscheiden 2017. Er sprach sich erneut dafür aus, diese Saison angesichts der Coronavirus-Pandemie ausfallen zu lassen. "Man müsste die Formel 1 jetzt absagen. Für die ganze Saison. Denn keiner weiß doch genau, wie es weitergeht", sagte Ecclestone. "Am Ende entscheiden doch die Politiker. Doch da wird keiner wieder Großveranstaltungen freigeben, solange noch ein Risiko besteht. Diese Verantwortung wird niemand übernehmen."

Streit ums Budget

Derweil scheiden sich in der Formel 1 an der Budgetobergrenze ab 2021 die Geister. Die kleinen Teams wollen die festgelegten 175 Millionen Dollar pro Saison deutlich senken, vor allem Ferrari hält dagegen. Schließlich ist Sparen in der Formel 1 so eine Sache. Grundsätzlich würde jedes Team gern weniger Geld ausgeben, aber noch viel grundsätzlicher möchte jeder Rennstall der beste sein. In diesem ewigen Widerstreit könnte ausgerechnet das Coronavirus zur wirtschaftlichen Gesundung führen - gelingt dies nicht, dürfte es die Formel 1 in der bekannten Form bald nicht mehr geben. "Das Geld wird in den nächsten Jahren weniger werden. Deshalb muss man sich anpassen und darf nicht davon träumen, dass alles so werden wird wie vor COVID-19", sagte Haas-Teamchef Günther Steiner bei "motorsport-magazin.com".

Nicht nur der 2016 gegründete US-Rennstall geht am Stock. Fünf der zehn Rennställe haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, als erstes Werksteam vollzog Renault am Karfreitag diesen Schritt. An frisches Geld ist noch eine ganze Weile nicht zu denken. Die ersten neun Saisonrennen sind abgesagt oder verschoben, frühestmöglicher Auftakt ist der Große Preis von Frankreich Ende Juni. Wenn überhaupt, werden 2020 wohl nur Geisterrennen gefahren, um zumindest die TV-Verträge zu erfüllen. Sparen ist also oberstes Gebot. Deswegen soll die Budgetgrenze von 175 Millionen US-Dollar (rund 160 Millionen Euro), die 2021 eingeführt wird, noch einmal nach unten justiert werden. 150 Millionen Dollar sollen für Ferrari und Red Bull gerade noch akzeptabel sein, die große Fraktion der Kleinen würde am liebsten auf 100 Millionen Dollar heruntergehen.

"Vier Teams fahren gegen sich selbst"

Nicht mit Ferrari. "Wir müssen die DNA der Formel 1 erhalten. Es geht hier um den Wettkampf der Teams", sagte Teamchef Mattia Binotto, "da müssen wir die richtigen Prioritäten setzen und rationale Entscheidungen treffen." Man dürfe sich "nicht zu sehr von den Emotionen leiten lassen", führte der Boss des viermaligen Weltmeisters Sebastian Vettel bei Sky UK aus. FIA-Präsident Jean Todt rät allerdings dringend zum Konsens, sonst könnten der Formel 1 bald die Teilnehmer ausgehen. "Ich bin mir sicher, dass viele kleine und mittelgroße Teams, viele Zulieferer und Hersteller ihre Programme prüfen werden. Vielleicht müssen sie aufhören", sagte der Präsident des Automobil-Weltverbandes und frühere Ferrari-Teamchef bei motorsport.com.

McLaren-Boss Zak Brown unkte bereits, dass "vier Teams" am Ende sind, sollte der Budgetdeckel nicht gesenkt werden. "Dann fahren sie gegen sich selbst. Das wird nicht funktionieren", so Brown. Mit "sie" meint der US-Amerikaner die Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull, wobei er den Weltmeisterrennstall ausdrücklich ausnahm: "Daimler macht einen hervorragenden Job und erkennt die Situation, in der wir uns befinden." Von daher könne sich jeder "ausrechnen, wer die anderen Teams sind".

Quelle: ntv.de, dbe/sid