Formel1

"Die Botschaft ist klar" Ferrari-Teamchef erwartet "erhebliche Opfer"

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Mehr als Testfahrten durfte Ferrari-Pilot Sebastian Vettel in diesem Jahr noch nicht absolvieren.

(Foto: imago images/HochZwei)

Die Corona-Krise verschärft die Diskussion über das Kostenlimit in der Formel 1. Deren Sportchef Ross Brawn beziffert die Zielsumme auf rund 145 Millionen Dollar. Ferrari soll derzeit knapp das Dreifache ausgeben, Teamchef Mattia Binotto reagiert entsprechend, will das aber als Drohung verstanden wissen.

Im Kampf um Macht und Millionen redete Ross Brawn Klartext. Und ausgerechnet Ferrari, Brawns alte große Liebe, dürfte über die Ansage des Formel-1-Sportchefs alles andere als begeistert sein. Denn: Die Etats der Teams für das nächste Jahr sollen nun sogar auf maximal 145 Millionen Dollar (knapp 134 Millionen Euro) zusammengestrichen werden - und schrittweise weiter sinken. Für diesen Fall hatte der Rennstall von Sebastian Vettel sogar schon mit einem Ausstieg gedroht.

"Wir haben bei 175 Millionen angefangen, das war schon ein langer Kampf, dorthin zu kommen. Mit der aktuellen Krise werden wir nun bei 145 Millionen beginnen und die Diskussion wird sein, wie weit wir es in den kommenden Jahren noch absenken können", sagte Brawn, der einst Michael Schumacher zu seinen sieben WM-Titeln geführt hatte, dem britischen TV-Sender Sky. Wobei noch unklar ist, welche Ausgaben unter dieses Limit fallen und welche nicht, so könnten etwa die Fahrer-Gehälter davon ausgenommen sein.

Zudem verkündete der 65-Jährige nach einem Krisengespräch mit Formel-1-Boss Chase Carey und Weltverbands-Präsident Jean Todt noch: "Das neue Abkommen wird beim Thema Preisgeldverteilung erheblich gerechter sein."

Binotto rechnet mit "erheblichen Opfern"

Brawn macht in der Corona-Krise also Druck, die Formel 1 soll durch die Reformen finanziell nachhaltiger werden und sportlich für mehr Chancengleichheit sorgen. Doch bei der stolzen Scuderia dürften die Ankündigungen nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst haben, schließlich geht es bei den Italienern um lieb gewonnene Privilegien. Über vereinbarte Sonder-Boni etwa landete Ferrari in der Preisgeld-Rangliste auch in sportlich mauen Zeiten trotzdem immer sehr weit vorne, im Kampf mit Seriensieger Mercedes soll das Budget des Rennstalls zuletzt auf über 450 Millionen Dollar angewachsen sein.

Kein Wunder, dass Ferrari zuletzt wieder einmal mit dem Ausstieg aus der Königsklasse kokettierte. 145 Millionen seien eine "neue und anspruchsvolle Forderung". Diese "Grenze kann nicht erreicht werden, ohne weitere erhebliche Opfer zu erbringen, vor allem in Sachen Personal", sagte Mattia Binotto, wollte seine Worte hinterher aber nicht als Drohung verstanden wissen: "Wenn diese Grenze weiter sinkt, so kommen wir in eine Position, an welcher wir uns überlegen müssen, ob wir unsere Renn-DNA nicht auch in anderen Serien einbringen sollen."

Ferraris Einfluss sinkt

Die Gelegenheit für die Formel 1, die Verträge neu zu gestalten, ist allerdings günstig. In der Corona-Krise wächst das Unverständnis über die horrenden Summen im PS-Zirkus, die Sorgen um die kleineren Teams nehmen zu und das sogenannte "Concorde-Agreement", so etwas wie die Verfassung der Rennserie, läuft Ende des Jahres aus. Zudem sicherte sich der Weltverband FIA zuletzt mit einer Schutzklausel mehr Macht, wodurch "unter außergewöhnlichen Umständen" ohne größere Hürden schnelle Änderungen der Regularien vorgenommen werden können. Ferraris berühmtes Veto-Recht wird damit Makulatur.

Ohne große Rücksicht auf die berühmten roten Autos bereitet Brawn, der die Details seines Plans nun den Teams zukommen lassen will, also die Formel 1 für die Zeit nach Corona vor. "Die Botschaft ist klar: Wir müssen die Kosten reduzieren", sagte er. Gerade kleineren Rennställen wie Williams und Haas scheint die Zwangspause auch finanziell Sorgen zu bereiten. Und Teams zu verlieren, käme "einer Tragödie" gleich, sagte Brawn. Dachte dabei aber sicher nicht an Ferrari.

Quelle: ntv.de, Kristof Stühm, sid