Formel1

Platz vier statt zwei in Suzuka Ferrari raubt Vettel das Podium

1a644c10f0ceea2f356b6cf791cf76b4.jpg

Während Lewis Hamilton auf neuen Reifen schnelle Runden fuhr, musste Sebastian Vettel auf seinen zweiten Boxenstop warten.

(Foto: imago/LAT Photographic)

Beim Großen Preis von Japan hat Sebastian Vettel einmal mehr das Podium im Visier. Doch zum wiederholten Male in dieser Saison bringt ihn eine falsche Ferrari-Strategie um den Lohn seiner Arbeit. Die Scuderia schielt dennoch auf Platz zwei der Konstrukteurs-WM.

Sebastian Vettel gab sich redlich Mühe. Beim Versuch, Ferrari vom Vorwurf einer fragwürdigen Rennstrategie freizusprechen, machte der viermalige Formel-1-Weltmeister auch vor der eigenen Person nicht halt. "Die Entscheidung haben wir gemeinsam getroffen: Das Team am Kommandostand und ich im Auto", sagte der 29-Jährige nach seinem vierten Platz beim Großen Preis von Japan in Suzuka: "Nachher ist man eben immer schlauer."

Der vierte Platz fühlte sich wie eine Niederlage an, nachdem Vettel deutlich auf Podiumskurs gelegen hatte. Viel zu lange blieb er dann aber auf dem zweiten Reifensatz draußen. Einmal mehr lagen die Strategen des Teams in ihren Berechnungen daneben.

Zudem schrumpfte der Vorsprung auf Verfolger Lewis Hamilton von Runde zu Runde, weil Vettel Probleme beim Überrunden langsamer Autos hatte. Während des Rennens ließ er seinen Frust mit wütenden Funksprüchen aus, anschließend reagierte der Heppenheimer etwas diplomatischer: "Es war ärgerlich, dass ich immer dann aufgelaufen bin, wenn die Konkurrenz wenig Möglichkeiten zum Ausweichen hatte."

Platz zwei bleibt das Ziel

Konstrukteurs-WM nach 17 von 21 Rennen

1. Mercedes AMG 593 Punkte

2. Red Bull 385 Punkte

3. Ferrari 335 Punkte

4. Force India 134 Punkte

5. Williams 124 Punkte

6. McLaren 62 Punkte

7. Toro Rosso 47 Punkte

8. Haas 28 Punkte

9. Renault 8 Punkte

10. MRT 1 Punkt

Der Ferrari-Pilot hatte sichtlich Mühe, gute Miene zum misslungenen Spiel zu machen. "So ist der Sport, mal gewinnt man, mal verliert man", sagte Vettel und flüchtete sich ein wenig ratlos in Allgemeinplätze. Es sei natürlich kein ideales Wochenende für ihn und die Scuderia gewesen, aber man habe dennoch einen Schritt nach vorne gemacht: "Vom Speed her wäre Platz zwei drin gewesen." Den verfehlte allerdings auch sein Teamkollege Kimi Räikkönen als Fünfter deutlich.

Dennoch findet Vettel, dass der Saisonverlauf auf dem Papier schlechter aussieht, als er bisher tatsächlich war. "Es hängt immer davon ab, mit welchen Erwartungen man in die Saison geht", sagte er im Gespräch mit der "Bild am Sonntag": "Und wir hatten sehr hohe Erwartungen."

Arbeiten mit Herz statt Hirn

Trotz aller Rückschläge hat Ferrari nach wie vor den zweiten Platz in der Konstrukteurs-WM hinter Mercedes im Visier. "Ich glaube immer noch, dass wir das in den letzten Rennen umbiegen können", sagte Vettel. Gemeint sind die Rennen in texanischen Austin am 23. Oktober, in Mexiko-Stadt am 30. Oktober, in Sao Paulo am 13. November und Abu Dhabi am 27. November. In Japan holte das Red-Bull-Duo aber erneut vier Zähler mehr als die Scuderia. 50 Punkte beträgt inzwischen der Vorsprung.

Von einem Streit mit Teamchef Maurizio Arrivabene wollte Vettel in Japan ebenfalls nichts wissen: "Wir haben dieselben Ziele, die wir mit derselben Akribie verfolgen." Der Italiener monierte dagegen in einem TV-Interview, Vettel beschäftige sich zu sehr mit Themen außerhalb seiner Verantwortung. "Er muss sich nur auf das Auto konzentrieren. Manchmal müssen wir ihn daran erinnern."

Dagegen ging der frühere Ferrari-Fahrer Eddie Irvine mit Maranello hart ins Gericht. Man sei mit dem Versuch, alle Schlüsselpositionen mit Italienern zu besetzen, krachend gescheitert, sagte der Nordire dem Portal motorsport-total.com: "Bei der Scuderia regieren die Italiener - und die arbeiten manchmal mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf."

Quelle: ntv.de, chr/dpa/sid