Formel1

2017 wird breiter, schneller, lauter Formel 1 beschließt neues Reglement

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Lewis Hamilton sieht in dem neuen Kurs keinen Weg in die richtige Richtung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die "Macho-Kur" der Formel 1 mit breiteren, schnelleren und lauteren Autos ist beschlossen. Experten erwarten durch zusätzliches Gewicht in der nächsten Saison bis zu fünf Sekunden schnellere Rundenzeiten. Wirklich glücklich ist aber niemand.

Sprichwörtlich um fünf vor zwölf hat die Formel 1 ihre Zukunft beschlossen. Die Bestätigung von breiteren, schnelleren und lauteren Autos zur Saison 2017 einen Tag vor Ablauf der Deadline durch den Dachverband FIA soll der strauchelnden Motorsport-Königsklasse verlorene Popularität zurückbringen. Die "Macho-Kur" ist für viele im Paddock aber bestenfalls ein Kompromiss in Zeiten festgefahrener Interessenkonflikte. Für Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes) ist jedenfalls klar, dass die Reise der Formel 1 auch mit dem neuen Kurs keineswegs in die richtige Richtung führt: "Du änderst etwas, von dem du weißt, dass es keinen Unterschied machen wird."

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Breiter, schneller, lauter - ein bisschen so, wie die früheren Dienstwagen von Michael Schumacher?

(Foto: REUTERS)

Auf das Design der Boliden hatte sich die Formel-1-Kommission bereits am Dienstag final geeinigt. Die Autos werden um 20 cm breiter. Auch Frontflügel (plus 15 cm) und Heckflügel (plus 20 cm) werden breiter, letzterer soll zugleich 15 cm tiefer abschließen. In Kombination mit etwa 20 kg mehr Gewicht und breiteren Reifen werden um bis zu fünf Sekunden schnellere Rundenzeiten erwartet. Eigentlich alles, was das Motorsportherz begehrt. Manor-Pilot Pascal Wehrlein klagte am Rande des Großen Preises von Russland in Sotschi aber stellvertretend für viele Fahrer: "Wenn wir auf einer Geraden 360 statt 340 km/h fahren, merken wir Fahrer das zwar, aber es macht uns nicht automatisch mehr Spaß. Wir wollen in den Kurven schneller sein und mehr Zweikämpfe führen."

Red Bull contra Mercedes

Auch kaum ein Teamchef ist wirklich glücklich über das Reglement. Allen voran Motorsportchef Toto Wolff vom dominierenden Mercedes-Team war bis zuletzt ein Gegner der "Macho-Kur". "Je länger man Regeln stabil hält, desto mehr schmilzt die Performance zwischen allen zusammen", argumentierte der Österreicher. Der gängige Tenor der Kritiker: Das Überholen werde aufgrund stärkerer Verwirbelungen und einer größeren Reifenbelastung für den jeweils nachfolgenden Fahrer keineswegs einfacher.

Anders sieht das vor allem Red Bull, das sich vom neuen Design die Rückkehr an die Spitze erhofft. "Durch die neuen Regeln werden die Autos wieder spektakulärer und schwerer zu fahren sein", sagte Teamchef Christian Horner. Nicht weniger wichtig: Der Brite erwartet "eine Durchmischung der Hierarchie". Man mag Horner womöglich recht geben. So war Mercedes der haushohe Gewinner der letzten Regelrevolution zur Saison 2014 mit 35 Siegen aus seither 41 Rennen. Die Konkurrenz schließt nur (zu) langsam die technologische Lücke.

Andererseits werden wohl auch 2017 die reichen Teams mit dem großen Mitarbeiterstäben vorne stehen. Hinterbänkler haben gar nicht die Ressourcen, aus einem neuen Reglement so viel Kapital zu schlagen, um Mercedes oder Ferrari zu überholen. Gerade den kleineren Teams sollte ursprünglich auch das neue Motorenreglement entgegenkommen, das am Freitag beschlossen wurde.

Generatoren für den Sound

Die derzeit 18 Millionen Euro teuren Aggregate werden demnach für Kundenteams zur kommenden Saison insgesamt eine Million Euro günstiger, 2018 wird der Preis um weitere drei Millionen reduziert. Dies ist allerdings nur eine Schein-Ersparnis, denn auch die Anzahl der jährlich einsetzbaren Motoren für alle Rennställe soll abnehmen. In dieser Saison liegt das Limit bei fünf, 2018 sollen es drei sein. Damit würde jeder einzelne Motor de facto teurer.

Da hilft es wenig, dass jedes Formel-1-Team künftig ein Anrecht auf einen Motor der Hersteller (aktuell Mercedes, Ferrari, Renault und Honda) hat. Ein Fall wie der von Red Bull, das Ende des Vorjahres zunächst ohne Motor für 2016 dastand, wird damit zwar ausgeschlossen. Allerdings: Wenn ein Team ohne Motor dasteht, kann es sich nicht für Mercedes oder Ferrari entscheiden, sondern wird vom Hersteller mit den wenigsten Kunden beliefert.

Zumindest die Fans erhalten ein Bonbon: Die Motoren sollen spätestens 2018 mit Soundgeneratoren ausgestattet werden, welche die V6-Motoren wieder deutlich lauter machen.

Quelle: ntv.de, Marco Heibel, sid