Formel1

"Riesenrückschlag" für Vettel Hülkenberg steht vor "schwierigster Aufgabe in F1-Karriere"

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Hülkenberg muss sich schnell an den neuen Boliden gewöhnen.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Kurz vor dem Saisonstart der Formel 1 bekommt Nico Hülkenberg den entscheidenden Anruf: Sebastian Vettel hat Corona, "Hülk" fährt in seinem Aston-Martin-Boliden. Er macht sich auf den Weg zu der "schwierigsten Aufgabe in seiner Karriere", urteilt ntv-Experte Felix Görner.

"Für Sebastian Vettel ist es ein Riesenrückschlag." Das sagt ntv-Experte Felix Görner über den Ausfall des viermaligen Weltmeisters direkt zum Saisonstart der Formel 1. Der Aston-Martin-Pilot muss zuschauen, wenn die Formel 1 erstmals im Jahr 2022 um Punkte und Podestplätze fährt. Der viermalige Weltmeister ist gar nicht erst nach Bahrain geflogen, sondern ist direkt in seiner Wahlheimat Schweiz geblieben. Dort war er positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Sein Cockpit übernimmt nun Landsmann Nico Hülkenberg. Als Ersatzfahrer von Aston Martin ist er erste Wahl, wieder einmal profitiert er von einem Corona-Ausfall. Obwohl "profitieren" absolut das falsche Wort ist, wie Görner betont: "Es gibt in keinster Weise eine Schadenfreude, dass er ausgerechnet einen deutschen Kollegen ersetzen muss." Natürlich freue sich Hülkenberg, der aktuell aus Nizza über Amsterdam nach Bahrain unterwegs ist, wo er heute Abend (Ortszeit) landen wird, berichtet Görner. Aber er sage auch, es sei erst einmal wichtig, dass es Sebastian Vettel gut geht. Er springt ein, weil es sein Job ist.

Schon in der Saison 2020 war er dreimal als Ersatzfahrer in der Formel 1 am Start, damals noch bei Racing Point. Er hatte erst zweimal Sergio Perez und im Oktober auf dem Nürburgring dann Lance Stroll ersetzt. Ein Siebter und ein Achter Platz beweisen, dass er sich sehr achtbar schlug. Görner berichtet, dass der 34-Jährige witzele, dass es diesmal noch die entspannteste Anreise ist, die er als Ersatzfahrer bislang hatte. Immerhin schon am Donnerstag machte er sich auf den Weg nach Bahrain. Bei seinen Einsätzen 2020 kamen die jeweiligen Anrufe deutlich knapper vor den Rennen.

Aus dem Flugzeug rein in den Stress

Ein stressiges Rennwochenende wird es für den 34-Jährigen aber allemal. Zunächst muss er den Jump-Test des Motorsport-Weltverbandes FIA machen, beweisen, dass er innerhalb von 15 Sekunden aus dem Auto rauskommt, berichtet Görner. Dann steht für Hülkenberg die Sitzprobe an, seinen Sitz immerhin hat Aston Martin ohnehin dabei. Doch das Auto ist für den Emmericher völlig neu, er ist noch keinen einzigen Meter gefahren, hat bislang nur dreimal in England im Simulator getestet. "Das ist ein Riesennachteil", konstatiert Görner, denn damit ist er der einzige Pilot in Bahrain, der sein Auto noch gar nicht gefahren ist.

Und das bei den völlig neu konzipierten Boliden, die mit der Regel-Revolution so völlig anders funktionieren. "Wir kennen das problematische Fahrverhalten der Autos, auch bei Aston Martin, das 'Hoppeln' auf der Geraden. Das ist sehr gefährlich, selbst für arrivierte Fahrer, die zwei Tests in Barcelona und Bahrain hatten", so Görner. "Er muss mit Vorsicht rangehen, um das Auto auf der Strecke zu behalten. Gerade beim Anbremsen aus hohen Geschwindigkeiten, da wird er sich sehr langsam rantasten müssen." Der Experte ist sich sicher: "Es ist für ihn die schwierigste Aufgabe in seiner Karriere."

"Die eigentliche Nagelprobe kommt im Rennen"

Auch, weil unklar ist, wie fit Hülkenberg aktuell wirklich ist. Natürlich hat sich der Emmericher, der seit Ende September Vater von Tochter Noemi Sky ist, fit gehalten. Zuletzt im Auto saß er im Oktober vergangenen Jahres beim Indycar. Unklar ist, was das für seine Nackenmuskulatur bedeutet. "Die eigentliche Nagelprobe kommt im Rennen", so Görner. Das 1. Freie Training ist am morgigen Freitag für 13 Uhr deutscher Zeit angesetzt, das Rennen findet am Sonntag um 16 Uhr statt (alles im ntv.de-Liveticker).

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Vettel wird seinen Ersatzpiloten sicherlich im TV verfolgen und hofft derweil auf das zweite Rennen in Saudi-Arabien. Görner schätzt, dass er ab Dienstag versuchen wird, sich freizutesten, auch Mittwoch oder Donnerstag würde noch reichen. "Das geht, weil sich das Prozedere an der Rennstrecke geändert hat", erläutert der Experte. Die FIA-Pressekonferenz ist nicht mehr am Donnerstag, alles findet am Freitag statt - ein Vorteil für Vettel, weil er damit einen Tag länger Zeit hat und es wohl zum zweiten Saisonrennen schaffen dürfte.

Allerdings: "Für Hülkenberg ist es ein Riesennachteil, weil er die ganze Medienarbeit noch über sich ergehen lassen muss, bevor er am Freitag ins Auto steigen darf", erklärt Görner. Pressekonferenzen, Einzel-Interviews und so weiter stehen noch an. Das werde zwar reduziert, aber Pflichttermine muss er absolvieren, was Zeit kostet, die er im komplett neuen Auto zubringen müsste. Görners Urteil: "Es ist ein Blindflug."

Quelle: ntv.de

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