Formel1

"Das Rennen seines Lebens" Verstappen genießt seinen Weltklasse-Sieg

3c3c6ddd98e5c2e83b0097fb4bbd8b82.jpg

Erfolgreiches Red-Bull-Duo: Gewinner Max Verstappen (l.) und Daniel Ricciardo.

(Foto: imago/LAT Photographic)

So beeindruckend kann Frustbewältigung sein: Mit dem souveränen Sieg in Malaysia fährt sich Formel-1-Megatalent Max Verstappen die Wut der vergangenen Wochen von der Seele - und versöhnt sich so auch ein wenig mit seinem Team.

Auf diese Abkühlung hätte Max Verstappen sicher gern verzichtet. Nach seinem Hitze-Triumph von Malaysia freute sich der Niederländer, seit Samstag zarte 20 Jahre alt, am meisten auf eine eiskalte Limonade. Dabei hatte der Red-Bull-Pilot die Rechnung allerdings ohne seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo, Dritter in Sepang, gemacht. Der Spaßvogel aus Australien goss ihm unter notorischem Grinsen während der Pressekonferenz genüsslich ein Glas Wasser über die orangene Kappe.

a0ea550d9540184cfe545d953226c7f2.jpg

Mit einem Weltklasse-Manöver vorbei an Lewis Hamilton.

(Foto: REUTERS)

Mehr als ein leichtes Zucken im Mundwinkel war Verstappen dafür nicht zu entlocken - das zuletzt zunehmend verzweifelte Formel-1-Wunderkind scheint seine Ruhe und Zuversicht wiedergefunden zu haben. "Zum ersten Mal konnte ich ein Rennen aus eigener Kraft gewinnen. Das fühlt sich viel besser an als der Sieg letztes Jahr in Spanien", sagte der schon mit Ayrton Senna und Michael Schumacher verglichene Niederländer.

Im Schatten des WM-Duells zwischen Mercedes-Star Lewis Hamilton, den er in der vierten von 56 Runden auf Rang zwei verdrängt hatte, und dem letztlich viertplatzierten Ferrari-Piloten Sebastian Vettel schrieb Verstappen eine höchst bemerkenswerte Comeback-Geschichte. "Der Max ist das Rennen seines Lebens gefahren", schwärmte gar Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda bei RTL über das Mega-Talent, das immer wieder als künftiger Silberpfeil-Fahrer gehandelt wird.

Hochverdiente Belohnung für das Riesenpech

Verstappens Vater Jos, einst Schumacher-Teamkollege bei Benetton, verdrückte gar ein Tränchen, als er Sekunden nach der Zieldurchfahrt über seinen Filius sagte: "Er hat das total verdient. Er hat riesiges Pech gehabt dieses Jahr." Auch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sprach bei Sky von einem "überfälligen Sieg", der neben einem "Weltklasse-Überholmanöver" allerdings auch "einem starken Auto" zu verdanken sei. Letzteres muss zumindest in Verstappens Ohren wie eine Neuigkeit geklungen haben.

2017 wollte der Youngster eigentlich in den Titelkampf eingreifen, doch nach sieben technisch bedingten Ausfällen in den ersten 14 Rennen wurde das Verhältnis des jüngsten Rennsiegers der Formel-1-Historie zu seinem Team und besonders zum Motorenlieferanten Renault zuletzt immer angespannter. Am Sonntag aber fügte sich endlich einmal alles zusammen.

Allein der von Platz 20 gestartete Vettel hatte nach überwundenen Motorproblemen vom Qualifying eine noch bessere Rennpace als Verstappen. Der hofft nun auf weitere Husarenritte in den verbleibenden fünf Rennen: "Wir kommen sehr gut mit unseren Reifen klar, das sollte uns bis zum Saisonende noch helfen." Vom zumindest vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere wollte Verstappen bei aller Euphorie allerdings nichts wissen. "Das ist immer noch der Weltmeister-Titel im Kart", sagte der ehrgeizige Niederländer: Ganz oben zu stehen, fühle sich "immer noch etwas anders an."

Quelle: ntv.de, Thomas Weitekamp, sid